Wenn sich sowohl die Lehrergewerkschaft als auch die Elternvertreter auf die Zusammenarbeit mit Thüringens neuem Bildungsminister freuen, dann muss es dafür gute Gründe geben. Und die gibt es im Falle von Christian Tischner fürwahr: Der 43-jährige Ostthüringer kommt zum einen selbst aus der Praxis. Der CDU-Politiker hat mehrere Jahre als Gymnasiallehrer Geschichte, Sozialkunde und Gesellschaftswissenschaften unterrichtet, ehe er 2014 erstmals in den Thüringer Landtag gewählt wurde. Er kennt den Schulbetrieb also nicht nur aus der Warte des Schülers in- und auswendig.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Christian Tischner, der bisher bildungspolitischer Sprecher seiner Fraktion war, ist zudem bestens vernetzt – nicht bloß in Greiz und Umgebung, wo er als umtriebiger Kreistagsabgeordneter jeden noch so kleinen Ort kennt und mit vielen Menschen im Gespräch ist, sondern in ganz Thüringen.

Der neue Thüringer Bildungsminister ist nicht auf Krawall gebürstet

Hinzu kommt: Christian Tischner ist nicht auf Krawall gebürstet. Selbst wenn ihn Themen wie etwa die zunächst geplanten Änderungen in der Thüringer Schulordnung sehr ärgern, bleibt er ruhig und sachlich. Statt auf verbale Angriffe setzt der Familienvater auf die besseren Argumente. Dass das Bildungsministerium unter seinem Vorgänger Helmut Holter (Linke) beispielsweise von dem Plan Abstand nehmen musste, dass Schüler vor dem Wechsel in die zehnte Klasse Unterrichtsfächer wie Sozialkunde abwählen können, ist vor allem ihm zu verdanken. Tischner konnte viele Fachleute hinter sich versammeln, die deutlich machten, dass gerade in diesen Zeiten Fächer wie Sozialkunde wichtiger denn je sind.

2024 LANDTAGSWAHL THÜRINGEN - FORTSETZUNG  DER SONDIERUNGSGESPRÄCHE IN THÜRINGEN ZWISCHEN CDU, BSW UND SPD
Christian Tischner (CDU, 2. von links) war auch schon an den Sondierungsgesprächen in Thüringen zwischen CDU, BSW und der SPD beteiligt. © FUNKE Foto Services | Sascha Fromm

Ein besonderer Coup gelang Tischner aber bei der Landtagswahl im September: Er bezwang in seinem Wahlkreis AfD-Spitzenkandidat Björn Höcke, der, weil er im katholischen Eichsfeld gegen die traditionell starke CDU keinen Stich machen konnte, überraschend in Greiz antrat. Doch gegen den bodenständigen, heimatverbundenen CDU-Kandidaten hatte Höcke keine Chance. Tischner, der mit der Kampagne „Der von hier“ dagegenhielt, holte zum dritten Mal in Folge das Direktmandat. Der Westimport Höcke hatte das Nachsehen, obwohl die AfD ansonsten gerade in Ostthüringen sehr stark war.

Persönliche Daten

  • geboren am 18. August 1981 in Greiz
  • 1998 Realschulabschluss
  • 2001 Wirtschaftsabitur
  • 2001 – 2006 Studium der Geschichte, Politikwissenschaft, Wirtschaft, Soziologie und Erziehungswissenschaften an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
  • 2006 Erstes Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien
  • 2006 – 2008 Referendariat im Thüringer Schuldienst am Staatlichen Gymnasium Greiz
  • 2008 Zweites Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien
  • 2008 – 2012 Wissenschaftlicher Mitarbeiter für Didaktik der Politik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena
  • 2011 – 2015 Dozent am Zentrum für Schlüsselqualifikationen der Universität Passau
  • 2012 – 2020 Lehrbeauftragter am Institut für Politikwissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena
  • 2012 – 2013 Universitätslektor an der Universität Bremen
  • seit 2013 Lehrer für Geschichte und Sozialkunde an der Kooperativen Gesamtschule „Adolf Reichwein“ Jena (z. Z. freigestellt)
  • seit 2014 Mitglied des Thüringer Landtags für die CDU

Die Erwartungen an Christian Tischner sind gleichwohl groß: Denn jetzt muss er zeigen, dass er bessere Ideen gegen den von ihm zu Recht kritisierten Lehrermangel und Unterrichtsausfall hat als Rot-Rot-Grün. Und dass er diese Ideen bei knapper werdenden Haushaltsmitteln auch umsetzen kann.

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