Rot-Rot-Grün streitet über Verlängerung der Weihnachtsferien

Erfurt.  Holter weist den Vorschlag von Linke-Chefin Hennig-Wellsow zurück: Eine erhöhte Gefahr für Omas und Opas geht nicht von den Schulen oder Kindergärten aus. Die SPD fordert anstelle blumiger Vorschläge eine klare Strategie.

Bildungsminister Helmut Holter (Linke) hält nichts von einer Verlängerung der Weihnachtsferien im Kampf gegen das Coronavirus.

Bildungsminister Helmut Holter (Linke) hält nichts von einer Verlängerung der Weihnachtsferien im Kampf gegen das Coronavirus.

Foto: Bodo Schackow/dpa

Bildungsminister Helmut Holter (Linke) hat den Vorstoß von Linke-Landeschefin Susanne Hennig-Wellsow zurückgewiesen, die Weihnachtsferien zu verlängern. „Eine erhöhte Gefahr für Omas und Opas geht nicht von den Schulen oder Kindergärten aus. Die Ferien pauschal zu verlängern, bringt also nicht per se mehr Gesundheit. Thüringen kann mit dem Stufenkonzept reagieren, wenn sich Infektionsgefahren in den Einrichtungen erhöhen sollten“, schrieb sein Ministerium auf Twitter. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) jedoch widersprach ihrem Kabinettskollegen und sagte dieser Zeitung: „Der Vorschlag von Susanne Hennig-Wellsow ist nachvollziehbar. Wir müssen das Ansteckungsrisiko unter Tannenbaum so gering wie möglich halten.“ Anfang Dezember wolle man die Frage des letzten Schultags mit Präsenzunterricht erneut aufrufen.

Auch beim sozialdemokratischen Koalitionspartner stieß die Linke-Vorsitzende indes auf Widerstand. „Schulschließungen stellen berufstätige Eltern vor eine enorme Herausforderung. Was wir anstelle blumiger Vorschläge jetzt brauchen, das ist eine klare Strategie“, so die SPD-Familienpolitikerin Diana Lehmann. Sie erwarte einen Vorschlag aus dem Bildungsministerium, „wie wir den Kita- und den Schulbetrieb trotz Corona sicherstellen können“.

Es müsse alles dafür getan werden, „Unterricht und frühkindliche Bildung so lange dies sicher machbar ist, zu ermöglichen“, sagte Astrid Rothe-Beinlich, Fraktionschefin der Grünen, des kleinsten Koalitionspartners.

Hennig-Wellsow hatte gefordert, die Weihnachtsferien schon ab 19. und nicht erst ab 23. Dezember beginnen zu lassen: „Schüler*innen verringern so die Kontakte vor den Feiertagen damit das Infektionsrisiko unterm Weihnachtsbaum.“

Es sei sinnvoll, auf diese Weise das Risiko von Ansteckungen innerhalb der Familien zu verringern, meinte der Lehrerverbandsvorsitzende Rolf Busch.

Pandemie dort bekämpfen, wo sie auftritt

Ein ähnlicher Vorschlag sei bereits früher mit dem Gesundheitsministerium diskutiert und im Ergebnis vorläufig verworfen worden, teilte ein Sprecher Holters auf Anfrage unserer Zeitung. „Maßgebliche Überlegung dabei ist, dass von Schulen und Kindergärten nicht per se ein erhöhtes Infektionsrisiko für die Bevölkerung ausgeht. Das wird durch die uns bekannte Studienlage bestätigt.“

Neben dem Stufenkonzept ergreife Thüringen in den Schulen und Kindergärten vorbeugenden Infektionsschutz unter hohem Aufwand für alle Beteiligten, um die Einrichtungen vorbeugend sicher zu halten. Außerdem wolle man zunächst an der etablierten Thüringer Strategie festhalten, die Pandemie dort zu bekämpfen, wo sie auftritt. „Flächendeckende Lösungen sind nach derzeitiger Lage im Bildungsbereich nicht mit dieser Strategie vereinbar“, so der Ministeriumssprecher.

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