Gotha: Kontroverse Reaktionen auf "Altstadt-Galerie"-Beschluss

Gothas Stadtrat hat Baurecht für ein Einkaufszentrum an der Gartenstraße mit maximal 15.900 Quadratmetern geschaffen. Nun beginnt die Arbeit am Bebauungsplan. Die Diskussion um das umstrittene Einkaufscenter, das zwischen Garten- und Moßlerstraße entstehen soll, geht weiter.

Einst stand auf dem Gelände ein elfgeschossiger Wohnblock, nun soll ein Einkaufszentrum die Innenstadt beleben. Die Fassadengestaltung soll in einem Architekturwettbewerb ausgelobt werden.

Einst stand auf dem Gelände ein elfgeschossiger Wohnblock, nun soll ein Einkaufszentrum die Innenstadt beleben. Die Fassadengestaltung soll in einem Architekturwettbewerb ausgelobt werden.

Foto: zgt

Gotha. Die Meinungen zu dem Projekt, die unsere Zeitung erreichen, sind ähnlich kontrovers wie die Debatte dazu im Stadtrat. Der hatte am Mittwochabend mit 19 Ja-Stimmen bei 12 Gegenstimmen das Vorhaben verabschiedet (wir berichteten).

"Als ob Gotha nicht schon genug Billig-Läden hätte!", schreibt ein Leser und sagt vorher: "Wegen noch einem Textildiscounter, Supermarkt, und drei Schnäppchenläden kommt sicher keiner nach Gotha. Dieses Center wird wohl den Grabstein für Gothas Innenstadt setzen." Ein anderer findet es gut, "dass bis zuletzt auch ganz junge Menschen versucht haben, die Entscheidung zu vertagen."

Sebastian Großkopf spricht von einer "traurigen Entscheidung". Die Bürgerbefragung mit einer Beteiligung von fünf Prozent, könne nicht als Grundlage für den Beschluss dienen.

Es gibt auch Stimmen, die die "Altstadt-Galerie" begrüßen: "Ohne ein zeitgemäßes Einkaufscenter wäre Gotha eher unattraktiv für junge Menschen mit Kindern. Welche Fachkraft mit Familie kann sich bei den Strom- und Wasserpreisen und dem Niedriglohn denn noch die Boutiquen in der Innenstadt leisten?"

Für Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD) geht die Arbeit an dem Projekt erst richtig los. Mit dem Entwurf des Bebauungsplans, der dem Stadtrat am 18. Juli zur Billigung und öffentlichen Auslegung vorgelegt werden soll, werde erstmals ersichtlich, wie die Straßen angelegt, wie Räume (Kino, Bowling oder Markt) platziert werden könnten. Bürger und Architekten sollen in diesen Prozess eingebunden werden. Ziel sei: was für Gotha am effektivsten ist. Kreuch spricht von einem "Riesenprozess", der jetzt abläuft. Er sagt das auch mit Blick auf Investor Saller: "Nun erst beginnen die knallharten Verhandlungen mit dem Investor." Maßgabe der Stadt dabei sei: "Was holen wir raus?" Die Stadt habe für den Bau der "Altstadt-Galerie", vom Volksmund "Glitzerpalast" genannt, keinen Cent. Was jetzt nicht verhandelt werde, könne später nicht umgesetzt werden. Der Oberbürgermeister erwägt, einen Caravan-Stellplatz einzurichten. Dieser werde in Innenstadtnähe benötigt und nicht am Marstall.

Es gelte genau zu überlegen, wie der Übergang über die Gartenstraße gestaltet werden soll. Gleichzeitig müsse sie Hauptverkehrsader bleiben. Der Fahrzeugstrom dürfe nicht Richtung Schützenallee/Hohe Straße verlagert werden. Gleichzeitig wolle die Stadt das Angebot der Bauhaus-Uni Weimar aufgreifen, die Vorschläge zur Lückenbebauung in der Innenstadt erarbeiten will.

Die weiteren Schritte Richtung "Altstadt-Galerie" stehen fest. Verabschiedet der Stadtrat den Bebauungsplan-Entwurf, würde dieser vom 13. August bis 14. September öffentlich ausgelegt. Am 22. August soll es eine Bürgerversammlung dazu geben und am 30. August eine Plan-Werk-Stadt (Planungswerkstatt). Danach erfolgt die Auslobung eines Architekten-Wettbewerbes zur Fassadengestaltung. In der Stadtratssitzung am 28. November könnten der Bebauungsplan bestätigt und Erschließungsvertrag mit dem Investor abgeschlossen werden.

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