Imagekorrektur: Verfassungsschutz-Ausstellung in Erfurt kritisiert

Das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz wird am Montag seine Wanderausstellung "Feinde der Demokratie - Politischer Extremismus in Thüringen" im Ratsgymnasium in Erfurt eröffnen. Und sorgt damit für Verärgerung.

"Sich über Formen des Extremismus zu informieren und damit auseinander zu setzen - genau dazu ist die Ausstellung da. Das Ratsgymnasium ist zu dieser Auseinandersetzung im Geiste christlicher Nächstenliebe und als Ort für Humanismus und Demokratie bereit", sagte der Schulleiter Michael Friese im Gespräch mit unserer Zeitung. Archiv-Foto: Susann Fromm

"Sich über Formen des Extremismus zu informieren und damit auseinander zu setzen - genau dazu ist die Ausstellung da. Das Ratsgymnasium ist zu dieser Auseinandersetzung im Geiste christlicher Nächstenliebe und als Ort für Humanismus und Demokratie bereit", sagte der Schulleiter Michael Friese im Gespräch mit unserer Zeitung. Archiv-Foto: Susann Fromm

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Erfurt. Eine Gruppe aktueller und ehemaliger Schüler sowie Eltern kritisierten in einem offenen Brief an Schulleiter Michael Friese die Art der Ausstellung und den dafür gewählten Ort. "Dass der Verfassungsschutz, dessen Versagen beim Erreichen selbst gesteckter Ziele in jüngerer Vergangenheit deutlicher wurde als je zuvor, nun eine Schule als Bühne verwenden möchte, um sich in der Öffentlichkeit neu darzustellen, erscheint uns in höchstem Maße als unangemessen", schreiben sie. Und finden: "Diese Behörde, die sich in der Aufarbeitung ihrer Fehler bisher nur zusätzlich als inkompetent erweist, setzt jetzt an Stelle von öffentlicher Aufklärung auf eine Imagekorrektur." Sie befürchten, dass das Bild des Verfassungsschutzes, das bei der Ausstellung transportiert wird, ein "wenig kontroverses und differenziertes" sein werde und halten daher die Veranstaltung für unangebracht.

Falls keine Absage mehr möglich sei, fordert die Gruppe, den Charakter der Veranstaltung zu verändern, zur Vernissage Redner aus eigenen Reihen zuzulassen und Raum für kritische Fragen zu ermöglichen.

Kritische Fragen seien willkommen, sagt Thomas Schulz vom Thüringer Verfassungsschutz und Ansprechpartner für die Ausstellung, die so Schulz, Teil des 2010 beschlossenen Thüringer Landesprogramms für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit sei und als Wanderausstellung konzipiert sich vornehmlich an junge Menschen richten soll. Vor einem Jahr sei mit der Planung für diese Ausstellung begonnen worden, aktuelle Ereignisse flossen ein. "Die Ausstellung gibt einen Überblick über den Rechtsextremismus in Thüringen. Sie hat keinen umfassenden Charakter. Sie soll sensibilisieren und anregen, weiter über das Thema zu sprechen", erklärt Schulz. Die Ausstellung sei weder eine Imagekampagne, noch als Lösung des Problems zu verstehen. "Wir setzen mit dieser Ausstellung auf Aufklärung", so Schulz. Das Ratsgymnasium sei der Ort für die Erstpräsentation allein aus terminlichen Gründen geworden. "Wir bieten Führungen an und ergänzende Vorträge, und wir aktualisieren die Ausstellung fortlaufend", so Schulz.

Schulleiter Friese hatte sofort gehandelt und sich nach Erhalt des offenen Briefes mit einem Vertreter der Protestgruppe und des Landesamtes für Verfassungsschutz getroffen. Er erklärte, dass sich das Ratsgymnasium als christliche und humanistische Einrichtung sehe. "Diese beiden Kerngedanken rechtfertigen überreich, ja empfehlen nachgerade das Ratsgymnasium als Ort zur Eröffnung dieser Ausstellung", so Friese. "Sich über Formen des Extremismus zu informieren und damit auseinander zu setzen - genau dazu ist die Ausstellung da. Das Ratsgymnasium ist zu dieser Auseinandersetzung im Geiste christlicher Nächstenliebe und als Ort für Humanismus und Demokratie bereit", so der Schulleiter.

Eröffnung der Ausstellung: Montag, 16. April, 10.30 Uhr; bis zum 4. Mai, Montag bis Freitag 7.30-15 Uhr, Meister-Eckehart-Str. 6, Anmeldung für (Schüler-)Gruppen unter (0361) 4 40 61 22.

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