Isolation wegen Corona: Experten befürchten mehr häusliche Gewalt

Erfurt.  Thüringer Frauenhäuser ermutigen Betroffene zur Kontaktaufnahme.

Eine Frau blickt in einem Frauenhaus aus dem Fenster.

Eine Frau blickt in einem Frauenhaus aus dem Fenster.

Foto: Sophia Kembowski / dpa

Die Frauenhäuser in Thüringen bereiten sich auf einen erhöhten Hilfsbedarf in Fällen häuslicher Gewalt vor. Die Schließungen von Kindertagesstätten und Schulen und die Kontakteinschränkungen im öffentlichen Bereich erhöhe in problematischen Familien den Druck, sagt die Leiterin des Jenaer Frauenhauses, Kathrin Hampel.

Einzelne Häuser und Beratungsstellen erreichten bereits verstärkt Anfragen. An vielen Orten werde derzeit nach Möglichkeiten einer dezentralen Unterbringung betroffener Frauen in Wohnungen oder Pensionen gesucht, um auf steigende Bedarfe und mögliche Quarantänefälle schnell reagieren zu können. Die derzeitigen Zahlen würden die angespannte Situation nicht real abbilden, befürchtet sie.

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„Die Freiräume für betroffene Frauen werden enger, viele finden schlichtweg keine Gelegenheit, sich mit uns in Verbindung zu setzen“, vermutet Kathrin Hampel. Weil sie unter der Kontrolle des Partners sind, oder weil kleine Kinder im Haus sind, die ihre Mütter auch nicht für einen Anruf außer Haus allein lassen können. „Aus anderen Ländern gibt es schon Belege dafür, dass vor allem für Frauen und Kinder das Risiko in den eigenen vier Wänden steigt“, bestätigt die Opferschutzorganisation Weißer Ring.

Auch in dieser Ausnahmesituation dürfe keine Frau Gewalt hinnehmen, betont Kathrin Hampel und ermutigt zur Kontaktaufnahme: „Entweder mit der Polizei oder mit uns. Die Frauenhäuser und Beratungsstellen sind geöffnet, die Telefone besetzt.“

Hilfe findet jede Frau auch unter der zentralen Notrufnummer 08000/116 016.