Landrat hinterfragt wegen Werteunion seine CDU-Zugehörigkeit

Eichsfeld.  Werner Henning und seine CDU? Im Eichsfeld eine seit Jahrzehnten funktionierende Verbindung. Jetzt hinterfragt der Landrat aber plötzlich seine Parteizugehörigkeit.

Werner Henning fühlte sich bei der Werteunion sichtlich unwohl – er stand den Termin, bei dem er einen anderen Rahmen erwartet hatte, aber durch. Nach dem Grußwort verließ Henning den Saal.  

Werner Henning fühlte sich bei der Werteunion sichtlich unwohl – er stand den Termin, bei dem er einen anderen Rahmen erwartet hatte, aber durch. Nach dem Grußwort verließ Henning den Saal.  

Foto: Foto: Eckard Jüngel

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Dieser Abend in Niederorschel hängt ihm nach. Werner Henning (CDU), Landrat des Landkreises Eichsfeld, fremdelt auch in der Woche danach noch mit der CDU-Gruppe Werteunion, die sich im Landkreis versammelt und dafür den Ex-Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen eingeladen hatte. Und stellt plötzlich seine Parteizugehörigkeit infrage.

Hatte man Henning bei der Einladung zum Stammtisch „hinter die Fichte“ geführt? Er jedenfalls, so ist es überliefert, dachte, „hier sitzen zehn Leute und reden über Werte“. Es kam anders: 200 Menschen waren im Saal in Niederorschel. Konservative CDUler, ein parteiloser Ex-Landrat aber auch AfD-Vertreter aus dem Kreistag oder solche, die sich den sogenannten „Gelbe Westen“-Bewegung zugehörig fühlen.

Er formuliert stets in vielen Gesprächen, dass die Partei für ihn „ein Hoffnungsraum und kein Disziplinierungsraum“ sei. Seit 45 Jahren agiert er so und hat aus diesem Selbstverständnis heraus nach der Landtagswahl offen eine Zusammenarbeit von Linkspartei und CDU ins Spiel gebracht – und stets gegen alle, teils heftigen Widerstände, vehement verteidigt. Die kamen sogar aus seinem eigenen Kreisverband. Die Kritik am Schlingerkurs des Landesvorsitzenden Mike Mohring gab es zur Öffnung zur Linken inklusive.

Mithin aus einer Position der Stärke heraus, nicht nur der eigenen Wahlergebnisse wegen. Denn im Eichsfeld ist die CDU nicht nur erneut stärkste Kraft geworden, sondern hat auch das beste Erststimmenergebnis geholt – was wiederum nicht ohne Bedeutung ist, weil es der CDU-Landtagsabgeordnete Thadäus König gegen den AfD-Chef Björn Höcke eingefahren hat. Henning sagt jetzt nach der Werteunionsveranstaltung mit Blick auf seine bisherige Vorgehensweise innerhalb der Union: „Sollte das aber nicht mehr von der Partei gewünscht sein, dann möge mir ein hierfür mandatierter Vorstand das auch sagen und ab und an ebenso klarstellen, was in der Gesamtpartei gilt.“ Der Anlass für diesen Satz liegt schon einige Wochen zurück. Christian Sitter, der Vorsitzende der Werteunion, hatte sowohl Landrat Henning als auch den Vorsitzenden des Gemeinde- und Städtebundes, Michael Brychcy, aufgefordert, darüber nachzudenken, ob sie „in der CDU noch richtig sind“. Denn nicht nur Henning sprach sich für eine Öffnung zur Linken hin aus – auch Brychcy.

Henning ist es jetzt, der das – zumal nach der Veranstaltung in Niederorschel – nicht auf sich sitzen lassen will und Sitter deutlich macht, dass er ihn und die Werteunion nicht für kursbestimmend in der Thüringer CDU hält. Er sagt: „Das sagt jemand, der aus der ‘staatlichen’ Sozialisation des Westens kommt gegenüber Leuten, welche in der ‘gemeindlichen’ des Ostens ihre Verankerung haben. Die Unterschiede im Denken könnten größer nicht sein.“ Sie lägen darin, dass der eine die Partei als „ganzheitliches Machtinstrument“ begreife und auf der anderen Seite Partei als „ideell-soziale Plattform“ gesehen werde, „auf welcher die Suche nach wahrhaftigen Wegen in Freiheit möglich sei“.

Nun möge man ihm also, falls er mit seiner Haltung in der CDU unerwünscht sei, das auch sagen, fordert Henning ein, der seit drei Jahrzehnten und zuletzt mit mehr als 80 Prozent der Wählerstimmen als Landrat wiedergewählt wurde. Er schreibt in seiner Mail, die er im Betreff mit „Mein Verbleib in der CDU“ beginnt: „Zumindest sollte noch so viel Anstand herrschen, dass nicht irgendwer in selbst ernannten Werteunionen daherkommen kann, um im Namen sehr diffuser konservativer CDU-Postulate, andere quasi einfach hinaus zu drängen, auch wenn das zunehmend in Mode kommt.“ Der Eichsfelder Landrat ohne CDU-Parteibuch? In diesen wilden Zeiten in Thüringen scheint plötzlich vieles möglich ...

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