Plan-Werk-Stadt in Gotha berät über Innenstadtanbindung

Innenstadtanbindung gesucht: Während der vergangenen Monate wurde in Ausschusssitzungen und in der Plan-Werk-Stadt über den Bau der Altstadtgalerie diskutiert. Wieland Fischer sprach mit dem Gothaer Architekt Sebastian Großkopf, der sich in der Plan-Werk-Stadt mit Rat und Vorschlägen einbrachte.

Kritischer Mitgestalter: Sebastian Großkopf gehörte zu den Initiatoren, die ein Bürgerbegehren gegen den Bau der Altstadtgalerie erstritten hatten. Als sich das Projekt nicht verhindern ließ, brachte er sich in der Plan-Werk-Stadt ein, für die bestmögliche Anbindung zur Innenstadt. Foto: Wieland Fischer

Kritischer Mitgestalter: Sebastian Großkopf gehörte zu den Initiatoren, die ein Bürgerbegehren gegen den Bau der Altstadtgalerie erstritten hatten. Als sich das Projekt nicht verhindern ließ, brachte er sich in der Plan-Werk-Stadt ein, für die bestmögliche Anbindung zur Innenstadt. Foto: Wieland Fischer

Foto: zgt

Gotha. Am Mittwoch, 30. Januar, legt der Stadtrat ab 17 Uhr weitere Eckpunkte des Großprojekts fest.

Herr Großkopf, an der Altstadtgalerie scheiden sich die Geister. Sind Sie ein Gegner oder ein Befürworter?

Ich bin eigentlich konsequent dagegen.

Warum haben Sie sich an der Plan-Werk-Stadt dennoch beteiligt?

Wenn ich das Projekt nicht verhindern kann, möchte ich wenigstens eine bessere Lösungsfindung herbeiführen. Wir haben versucht, die richtigen Wege anzudenken. Im Vorfeld haben wir gesehen, dass da einiges im Argen ist.

Was zum Beispiel?

Die Größe, die Unterteilung, die Anbindung an die städtebauliche Situation. Es handelt sich ja um ein Gebäude, dass in dieser Größe, in dieser Form, in der Lage in Gotha noch nicht vorkommt. Da gilt es darauf zu achten, dass es sich halbwegs einfügen wird.

Wieso halbwegs?

Der große Kubus lässt sich nicht wegretuschieren. Im Bereich Fassadengestaltung, Höhenabwicklung gilt es Vorschläge zu unterbreiten, um das Gebäude angenehmer zu gestalten, damit es in das Umfeld passt.

Welche Gefahren sehen Sie, die von diesem Center für die Innenstadt ausgehen?

Es gibt Untersuchungen ähnlicher Center bundesweit. Dabei wurden bestimmte Faktoren bewertet, eine Checkliste aufgestellt. Einerseits ist die Lage wichtig. Wenn es funktionieren sollte, müsste es in die 1a-Lage, in die Geschäftslage. Für bestehende Verkaufsflächen in Gotha ist es viel zu groß. Drittens: die Gewichtung an Stellplätzen bezüglich zur Altstadt. Es würde ein Ungleichgewicht hergestellt, indem zwei Parkdecks eingerichtet werden. Die in der Innenstadt kein Pendant finden.

Wie kann dem begegnet werden?

Es gilt zu verhindern, dass eine Autarkie des Centers gegeben ist. Dass der Kunde reinfährt und es nicht verlässt. Das wäre eigentlich im Sinne des Investors. Der möchte die Kaufkraft bei sich binden. Das Geld, mit dem in der Innenstadt eingekauft wird, wird nicht im Center ausgegeben. Demzufolge wird es so ausgerichtet sein, dass man in der Altstadtgalerie alles bekommen kann.

Wie bewerten Sie das Gesamtprojekt?

Nach Beschäftigung mit Fachliteratur komme ich zu der Feststellung: Das Center in der Lage, in der Größe, mit dem Sortiment wird der Innenstadt schaden. Grundlage, um diese Größe zu legitimieren, ist eine Kaufkraft-Berechnung. Die ist nur für einen Zeitraum bis 2020 erstellt. Deswegen auch dieses starke Engagement und das Einreichen der Klage für das Bürgerbegehren. Das ist kein natürlicher Weg, den wir da beschritten haben.

Wie stellt sich Ihrer Ansicht nach die Integration des Gebäudes in das Innenstadtbild dar?

Die ist nach vorliegenden Entwürfen nicht gegeben. Baulinien sind so gezogen, dass dies am Ende eine Bebauung bis vor zur Straße zulassen würde.

Was beanstanden Sie noch?

Zum Beispiel die Größe des Centers. Die Fläche sollte damals zu 100 Prozent überbaut werden. Das ist zu viel, muss auf 80 Prozent reduziert werden. Der alte Baumbestand sollte erhalten bleiben, um dem Namen Gartenstraße gerecht zu werden.

Sie haben jüngst eine Staffelung des Baukörpers gefordert. Wie soll diese aussehen?

Abwechslungen in der Tiefe als auch in der Höhe. Herausgekommen ist aber eine Staffelung in einfacher Form. Man sagt jetzt 50 Prozent 16 Meter hoch, 50 Prozent 14 Meter hoch.

Welche Rolle hat die Plan-Werk-Stadt, die es in dieser Form mit Bürgerbeteiligung ja erstmals in Gotha gibt?

Sie wurde von der Stadt initiiert und besteht aus mehreren Arbeitsgruppen - Verkehr, Erschließung, Nutzung. Unsere beschäftigte sich mit der Kubatur des Gebäudes. In der Plan-Werk-Stadt waren weitere Architekten beteiligt, Stadträte, Stadtplaner. Die Gruppen haben Vorschläge unterbreitet, die dann in das Verfahren einfließen sollten. Alles mit dem Ziel: Wie lässt sich so ein großer Komplex einfügen?

Angeblich sind nach der Abwägung im Stadtrat noch weitere Veränderungen möglich, etwa im Zuge eines Fassadenwettbewerbes.

Es gibt viele Aussagen. Ich würde sagen, das ist wie Kür und Pflicht im Eiskunstlauf. Was jetzt nicht als Pflicht festgeschrieben wird, bleibt am Ende offen, ob es überhaupt eingehalten wird. Mit dem B-Plan wird ein Gesetz verabschiedet. Alles andere ist Zugabe, die der Investor relativ frei gestalten kann.

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