Plan zur Kindergartenöffnung stößt auf Kritik

Erfurt.  Die Kindergärten sollen in Thüringen schneller öffnen können, als bisher geplant. Wie, das steht allerdings noch infrage. Elternvertreter kritisieren, dass der Plan mit der Lebenswirklichkeit nicht zusammengeht.

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) hat die Verantwortung für die Kindergartenöffnung an die Landkreise und kreisfreien Städte delegiert.

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) hat die Verantwortung für die Kindergartenöffnung an die Landkreise und kreisfreien Städte delegiert.

Foto: Foto: Sascha Fromm

Die Bundeselternsprecherin für Kindergärten, Ulrike Grosse-Röthig aus Weimar, hat den Thüringer Bildungsminister Helmut Holter (Linke) für den am Dienstag vorgelegten Plan zum Übergang in einen eingeschränkten Regelbetrieb kritisiert. „Ich vermisse kreative Ideen“, sagte sie auf Anfrage dieser Zeitung und nennt zusätzlich angemietete Kindergarten-Räume oder Personalakquise dort, wo es zur Verfügung steht – beispielsweise in Kirchengemeinden. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Holter erklärte nach einer Kabinettssitzung am Dienstag, dass die Kindergärten in Thüringen ab kommenden Montag schrittweise wieder öffnen sollen – in einem eingeschränkten Regelbetrieb. Wie der aussehen soll, das liegt allerdings in der Hand der zuständigen Landkreise und kreisfreien Städte sowie der Träger. Die haben jetzt maximal vier Wochen Zeit, den Regelbetrieb zu organisieren. Der Minister kündigte lediglich an, dass sein Haus einen Hygienerahmenplan für die Einrichtungen erarbeiten werde. Statt bisher zehn Kinder pro Gruppe soll die Kapazität der Kindergärten unter Corona-Bedingungen künftig nach zur Verfügung stehenden Quadratmetern berechnet werden. „Thüringen geht damit einen großen Schritt für Kinder und Familien“, sagte Holter. Allerdings werden nicht alle Kinder wieder Vollzeit in den Einrichtungen betreut werden können.

Es drohen also, wie schon in den Schulen, rollierende Systeme. „Das ist mit Berufstätigkeit und Lebenswirklichkeit der meisten Eltern nicht vereinbar“, sagt die Bundeselternsprecherin. Das unterstreicht der CDU-Bildungspolitiker Christian Tischner: „Die Vorgaben des Landes sind nicht praktikabel und führen zu neuen Problemen. Insbesondere beim Betreuungsumfang der bislang notbetreuten Kinder drohen Einschränkungen für systemrelevante Berufsgruppen”, erklärte Tischner.

Forderung: Kindergartenpersonal solle regelmäßig getestet werden

SPD-Familienpolitikerin Diana Lehmann begrüßte, dass die Landesregierung sich von dem Plan verabschiedet hat, zunächst nur die Notbetreuung auszuweiten. Sie fordert, dass Kindergarten-Personal regelmäßig getestet wird.

Die Grüne-Landtagsfraktionschefin Astrid Rothe-Beinlich hatte sich ein „landesweit einheitliches Vorgehen“ bei der Öffnung gewünscht. So werde die Entscheidung nur auf eine andere Ebene verlagert. Wichtig sei jetzt, das ein Flickenteppich bei den Öffnungen vermieden werde.

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