So sahen Augenzeugen die Durchsuchung bei Pfarrer König

Mittwoch, Jena, Innenstadt, ab 6 Uhr früh: Ein Trupp sächsischer Polizei durchsucht die Wohnung von Jugendpfarrer Lothar König und beschlagnahmt den Kleinbus der Jungen Gemeinde - und im nahe gelegenen Kaffeehaus gibt es nur ein Thema. Eindrücke von einem Morgen voller Fragen.

Diesen Kleintransporter der Jungen Gemeinde in Jena nahmen die Polizisten nach Dresden mit. Aus ihm heraus - so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft - sollen Aufrufe zur Gewalt erfolgt sein. Pfarrer König bestreitet das. Foto: Frank Döbert

Diesen Kleintransporter der Jungen Gemeinde in Jena nahmen die Polizisten nach Dresden mit. Aus ihm heraus - so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft - sollen Aufrufe zur Gewalt erfolgt sein. Pfarrer König bestreitet das. Foto: Frank Döbert

Foto: zgt

Jena. Das Jenaer Kaffeehaus öffnet früh seine Pforten. Ein Frühstücksgeheimtipp! Beliebt ist der tolle Blick in die stets belebte Johannisstraße. Klatsch und Tratsch bei Stachelbeer-Baiser-Torte, während draußen die Menschen durch die Straßen hetzen. Gestern morgen aber war am Fenster kein Platz mehr frei.

Reingelassen wird niemand

Protest gegen Durchsuchung bei Pfarrer König in Jena

Hammses schon gehört? Hammses auch gesehen? Ja, schon immer habe man gewusst, dass der Pfarrer König was zu verbergen habe! Autos in Blau und Weiß dominieren plötzlich, die Staatsmacht hat die sonst allzeit belebte Johannisstraße abgeriegelt. Das Haus der Jungen Gemeinde ist das Ziel. Reingelassen wird keiner. Der morgendliche Weg zur Arbeit wird so zur großen Schau.

Gegen sechs Uhr startete die Aktion der Polizei, gerade als die ersten Lichter im Kaffeehaus angehen, die noch warmen Semmeln angeliefert werden. Ratzfatz sei es gegangen. Von allen Seiten seien die sächsischen Beamten eingefallen. Bösen Blickes wird jeder abgewiesen, egal, ob Politiker oder Presse.

Die TLZ im Zeitungshalter liegt auf dem Tisch der Kaffeehaus- Gäste. Die Randale von London sind ein Top-Thema. Hier, sagt einer und tippt auf einen Artikel über die Ausschreitungen in der britischen Hauptstadt, jetzt haben wir bestimmt bald auch ein bissel England in Jena. Kopfschütteln. Nein, der Zeitpunkt der Aktion sei wenig sensibel gewählt worden. Was hatter denn gemacht, der König? - Wahrscheinlich nüscht!

Ungläubiges Staunen

Ungläubig staunend stehen einige vor der Polizeiabsperrung. Viele bleiben stehen, schauen mit an, wie die Beamten nach und nach Material aus dem JG-Haus schleppen. Dann fährt auch noch ein Schlepper vor: Der alte Transporter der JG wird aufgebuckelt und weggeschafft.

Noch lange fährt die Polizei Patrouille. Man weiß ja nie. Im Kaffeehaus gibt's kein anderes Thema: Hammses schon gehört? Hammses auch gesehen?

zum Artikel: Proteste gegen Durchsuchung der Wohnung von Jenaer Jugendpfarrer

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