Graureiher findet im Eichsfeld nur wenige natürliche Gewässer vor

Eichsfeld.  Allerdings gibt es die Birkunger Reiherkolonie schon lange nicht mehr. Der schöne Vogel darf leider gejagt werden.

Ein Graureiher. Alle Reiherarten krümmen beim Fliegen den Hals.  

Ein Graureiher. Alle Reiherarten krümmen beim Fliegen den Hals.  

Foto: Arne Willenberg

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Im Winter kann man bei milder Temperatur und fehlendem Schnee auf den Wiesen Graureiher entdecken. Meist stehen sie mit gekrümmtem Hals ohne Bewegung da und warten auf Wühlmäuse. Verlässt ein Nagetier seine Gänge und gerät in die Nähe des Reihers, beugt sich dieser langsam vor, um es mit einem blitzschnellen Zustoßen zu überwältigen. Als Jagdwaffe kommt der lange spitze Schnabel zum Einsatz. Dann wird die Beute im Ganzen verschlungen. Um diese Ansitzjagd gut zu beobachten, braucht der Naturfreund schon ein Fernglas, denn Graureiher sind gegenüber Menschen sehr scheu. Auf offenem Gelände ist es kaum möglich, sich diesem Vogel bis auf 200 Meter zu nähern, ohne dass er die Flucht ergreift. Graureiher haben auch allen Grund zur Furcht.

Schädigung der Landeskultur?

Obwohl nach EU-Recht geschützt, ist in Thüringen eine Bejagung von August bis Ende Januar im Umkreis von 100 Metern um Gewässer erlaubt, wenn Graureiher dort eine „schwere Schädigung der Landeskultur“ bewirken. So heißt es sinngemäß im Thüringer Jagdgesetz. Das zielt darauf ab, dass Graureiher sich auch von Fischen ernähren und ihre Beute auch in Fischerei- und Teichwirtschaftsbetrieben suchen. Diese Einschränkung der Schonzeit veranlasst auch Jäger im Eichsfeld, die schönen Vögel zu schießen, auch wenn eine schwere Schädigung der Landeskultur gar nicht nachweisbar ist.

Einst gab es eine Brutkolonie

An den wenigen fischereiwirtschaftlich genutzten Teichen im Eichsfeld könnten stattdessen Vergrämungsmaßnahmen den Zugriff der Reiher minimieren. Ob die Bejagung dazu beigetragen hat, dass die einzige Brutkolonie bei Birkungen 2009 vollständig erloschen ist, weiß man nicht. Sicherlich spielte auch der harte Winter 2008/09 sowie das darauffolgende schlechte Mäusejahr eine entscheidende Rolle. Die Kolonie existierte über 20 Jahre mit jährlich etwa 20 Brutpaaren. Leider hat sich im Eichsfeld seitdem keine neue Graureiherkolonie mehr etablieren können. An unsere Fließ- und Stillgewässer haben sich mit dem Graureiher zahlreiche Tierarten angepasst und Lebensgemeinschaften und Nahrungsgefüge gebildet. Hier kommt es normalerweise nicht vor, dass die Tierarten einander ausrotten.

Gewässer müssen natürlicher werden

Nicht der Graureiher ist deshalb für das Seltenwerden vieler unserer Wildfische verantwortlich. Grund ist, dass unsere Bäche und Flüsse kaum noch solche natürlichen Strukturen aufweisen, die den Lebensansprüchen der Fische genügen und Verstecke vor fischjagenden Vögeln und Säugetieren bieten. Statt den Graureiher als Fischschädling zu verunglimpfen und die Jagd auf ihn zu fordern und gesetzlich sogar zu erlauben, müssen wirkliche Anstrengungen zur Wiederherstellung natürlicher Gewässer unternommen werden. Dazu gehört auch, dass den Bächen und Flüssen wieder so viel Platz zugestanden wird, wie sie für eine natürliche Dynamik brauchen. Lebensräume für Fische und Reiher entstehen dann von selbst, vielleicht auch eine neue Graureiherkolonie im Eichsfeld.

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