Erfurter Klinik bietet Herzpatienten lebensrettende Weste

"Die Weste ist treu wie ein Hund, sie folgt mir überall hin", sagt Frank Kieslinger und schaut auf den Monitor, der an seiner Hüfte baumelt. Der Monitor gehört zu einer "lebensrettenden Weste", die der 51-Jährige seit rund vier Wochen Tag und Nacht trägt.

Kardiologe Dr. Frank-Michael Malur betreut Frank Kieslinger und Simone Thiel, die seit rund vier Wochen eine lebensrettende Weste tragen. Foto: Helios-Klinikum Erfurt

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Erfurt. Bei ihm wurde eine akute Herzschwäche diagnostiziert, die die Kardiologen des Helios-Klinikums Erfurt für drei bis vier Monate zunächst medikamentös behandeln und beobachten, bevor sie über die endgültige Therapie entscheiden. Während dieser Zeit muss der Gierstädter rund um die Uhr eine Defibrillatorweste tragen. Sie überwacht die Herztätigkeit und reguliert lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen bei Bedarf durch gezielte Stromstöße. "Erst nach einer gewissen Erholungsphase des Herzens können wir abschätzen, ob die Erkrankung allein mit Medikamenten in den Griff zu bekommen ist und dem Patienten die Implantation eines dauerhaften Defibrillators erspart bleibt", sagt Dr. Frank-Michael Malur, Leitender Oberarzt der Kardiologie im Helios-Klinikum Erfurt. Um die Patienten in diesem Zeitraum vor lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen und dem plötzlichen Herztod zu schützen, müssen sie die Defibrillatorweste tragen. "Etwa einem Drittel von ihnen implantieren wir nach der Beobachtungsphase einen Defibrillator, während die anderen sich erholen und dies nicht benötigen", sagt Dr. Malur.

Im Helios-Klinikum Erfurt kommt die lebensrettende Weste seit 2010 zum Einsatz. Rund 40 Patienten mit einer schwachen Herzfunktion waren seitdem Träger eines derartigen mobilen Defibrillators. Die lebensrettende Weste besteht aus einem Elektrodengürtel und einem Monitor. Wie beim Langzeit-EKG wird sie immer am Körper getragen. Das Gerät zeichnet den Herzschlag kontinuierlich auf. Kommt es zu einer Störung, erzeugt es ein akustisches Warnsignal und der Träger erhält über den Monitor weitere Anweisungen. Erleidet der Patient einen plötzlichen Herzstillstand, startet der Defibrillator selbstständig den lebensrettenden Schock und normalisiert den Herzschlag. Hat der Patient dann wieder das Bewusstsein erlangt, kann er den Rettungsdienst verständigen.

Der Vorteil der lebensrettenden Weste liegt klar auf der Hand: "Ich kann in meinem gewohnten Umfeld sein und mich frei bewegen", sagt Patientin Simone Thiel (48). Sie leidet ebenfalls an einer Herzinsuffizienz. Die Alternative zur Weste ist die stationäre Überwachung der Herztätigkeit in der Klinik. "Da nehme ich doch lieber in Kauf, dass der Elektrodengürtel mich gerade an warmen Tagen schwitzen lässt und der Monitor mit der Zeit recht schwer ist", so die Erfurterin. Patienten wie Simone Thiel und Frank Kieslinger sind einfach dankbar, dass sie mit ihrem persönlichen Lebensretter am Alltag teilhaben können, ohne in Lebensgefahr zu geraten.

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