Stunde null für den FC Rot-Weiß Erfurt

Erfurt  FC Rot-Weiß Erfurt präsentiert drei Investoren. Geschäftsführer Krannich will Fans zurückholen.

Michael Krannich hat am 1. Oktober seine Arbeit als Geschäftsführer der FC Rot-Weiß Erfurt Fußball GmbH aufgenommen.

Michael Krannich hat am 1. Oktober seine Arbeit als Geschäftsführer der FC Rot-Weiß Erfurt Fußball GmbH aufgenommen.

Foto: Sascha Fromm

Für den Fußball-Regionalligisten FC Rot-Weiß Erfurt ist es nach Monaten einer tiefen wirtschaftlichen Krise sozusagen die Stunde null. Der Viertligist hat drei Investoren präsentiert, die auf lange Sicht den Weg zurück in die 3. Liga ebnen sollen. Gleichzeitig stellte sich Michael Krannich (36) als Geschäftsführer der neuen FC Rot-Weiß Erfurt Fußball GmbH vor. Wir beantworten die wichtigsten Fragen, was die neue Entwicklung bedeutet.

Wer sind die drei neuen Investoren beim FC Rot-Weiß Erfurt?

Die ASGV Grundbesitz und Verwaltung GmbH aus Leipzig ist der Hauptinvestor und hält 40 Prozent der Anteile. Zweiter Investor ist Franz Gerber, der unter anderem bei 1860 München und dem FC St. Pauli kickte und bei den Hamburgern von 2002 bis 2004 auf der Trainerbank saß. Er ist mit seiner Franz Gerber Reha und Sportagentur GmbH aus dem bayerischen Germering mit 15 Prozent beteiligt. Drittes Unternehmen ist die die Millhouse Capital GmbH aus Erfurt, die in Wohn- und Gewerbeimmobilien investiert und mit sieben Prozent beteiligt ist. Deren Gesellschafter Torsten Pfeifer bezeichnet sich als fußballverrückten Thüringer. 38 Prozent der Anteile hält der Verein, der FC Rot-Weiß Erfurt.

Was bedeutet der Einstieg der drei neuen Investoren?

Die drei Unternehmen sind über eine Kapitalerhöhung auf eine Million Euro Stammkapital in die FC Rot-Weiß Erfurt Fußball GmbH eingetreten. „Für die Rettung von RWE bringen sie ideale Voraussetzungen mit: hohes Engagement, lokale Verbundenheit und natürlich die Liebe zum Fußball“, sagt Insolvenzverwalter Volker Reinhardt.

Welche sportlichen Ziele verfolgen die Investoren beim Viertligisten?

Langfristig will der FC Rot-Weiß Erfurt wieder aufsteigen. „Die 3. Liga ist ein Wunsch, den man haben kann als Fan. Wir als Investoren wollen aber keinen Druck aufbauen. Wir wollen durch das Engagement erst einmal die Sicherheit für alle Beteiligten zurückbringen und dafür sorgen, dass vielleicht das letzte Prozent für den sportlichen Erfolg nun ankommt. Wir werden aber keine zeitlichen Vorgaben machen, weder an den Trainer noch den Geschäftsführer.“

Wie ändern sich die Strukturen beim FC Rot-Weiß Erfurt?

Nachdem die unbefristeten Verträge mit den Investoren am 30. September unterzeichnet worden sind, soll nach Erledigung aller Formalien wie die Eintragung ins Handelsregister in den kommenden Tagen die neue GmbH ihre Arbeit aufnehmen und sozusagen „scharf geschaltet“ werden. Von diesem Zeitpunkt an wird der FC Rot-Weiß Erfurt als Verein ausschließlich die Jugendarbeit fördern.

Ist das 2018 eingeleitete Insolvenzverfahren nun abgeschlossen?

Nein, das im vergangenen Jahr eingeleitete Insolvenzverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Über einen Insolvenzplan soll der Verein entschuldet werden. Insolvenzverwalter Reinhardt geht davon aus, dass dies jedoch erst 2021 abgeschlossen sein wird. 132 Gläubiger hatten Verbindlichkeiten von 6,8 Millionen Euro angemeldet. Hinzu kam ein Massedarlehen, das vor einem Jahr überhaupt erst das Überleben des FC Rot-Weiß gesichert hatte.

Ist der Streit mit dem Hauptsponsor inzwischen beigelegt?

Noch nicht. Laut Insolvenzverwalter sei man im Gespräch. „Diese können wir hoffentlich bald abschließen. Es wird jetzt deutlich, dass RWE eine gute Zukunftsprognose hat. Wir hoffen deshalb, dass wir den aktuellen Hauptsponsor für eine Fortführung seines Engagements gewinnen können“, sagte Reinhardt. Er hatte das Autohaus König verklagt, weil es aus seiner Sicht der Zahlungspflicht nicht nachgekommen sei.

Wer ist der neue Geschäftsführer der RWE Fußball GmbH?

Michael Krannich (36) wurde in Rudolstadt geboren. Er wuchs in Nürnberg auf und war von Juli bis Dezember 2011 der Geschäftsführer beim Frauen-Bundesligisten FF USV Jena. Zuletzt arbeitete er in gleicher Funktion beim Hessenligisten KSV Hessen Kassel. Der Ex-Zweitligist hatte 2017 Insolvenz angemeldet, ein Jahr später wurde er dort Geschäftsführer. Bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 sowie der Frauen-WM 2011 war er in die Organisation eingebunden. „Mein Ziel in Erfurt ist es, dass wir neben unseren treuen Fans auch jene Zuschauer wieder zu uns ins Stadion locken können, die zuletzt vielleicht nicht mehr gekommen sind“, sagte Krannich, der am 1. Oktober seine Arbeit aufgenommen hat: „Wir müssen es schaffen, wieder eine positive Stimmung für Rot-Weiß zu erzeugen.“

Steht Trainer Thomas Brdaric beim Verein zur Disposition?

Nein, aktuell nicht. Insolvenzverwalter Volker Reinhardt, der bislang das alleinige Sagen und Rang fünf als Ziel ausgegeben hatte, steht auch nach elf Spielen mit nur elf Punkten und 12:16 Toren hinter Trainer und Mannschaft. „Niemand ist zufrieden mit dem aktuellen Tabellenplatz. Aber Thomas Brdaric genießt weiter mein Vertrauen, weil er nach meiner Ansicht einen guten Job macht.“

RWE kämpft um Viertelfinale – Jovanovic vor Rückkehr

Zweimal scheiterte der FC Rot-Weiß Erfurt in den vergangenen Jahren im Landespokal-Achtelfinale. Nach dem 1:2 gegen den FC Carl Zeiss Jena im Oktober 2017 und dem 4:5 gegen Wacker Nordhausen vor einem Jahr will der Regionalligist gegen Blau-Weiß Büßleben aus der Landesklasse seine Favoritenrolle nutzen. Dabei fehlen wird Angreifer Velimir Jovanovic nach seinem Muskelfaserriss. Der 32-Jährige beginnt allerdings am Montag mit Laufeinheiten und will eine Woche später dann wieder mit der Mannschaft trainieren.

Büßleben - Erfurt, Sonntag, 14 Uhr, Peterbach-Arena

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