Weltweiter Schlag gegen Doping-Mafia: Das sind die wichtigsten Fakten

Berlin  Bei der „Operation Viribus“ sind in 33 Ländern 234 Personen festgenommen worden. 24 Tonnen Steroidpulver stellten die Ermittler sicher. Allein Deutschland wurden 463 Verfahren eingeleitet. Im Fokus standen Doping-Netzwerke von nicht-professionelle Athleten - einem neuen Trend.

Bei einer Anti-Doping-Razzia sind europäische Sicherheitsbehörden in 33 Ländern vorgegangen. In Spanien (oben) suchen Polizisten.Europol präsentierte erste Ergebnisse in Belgien (links) und Frankreich (rechts).

Bei einer Anti-Doping-Razzia sind europäische Sicherheitsbehörden in 33 Ländern vorgegangen. In Spanien (oben) suchen Polizisten.Europol präsentierte erste Ergebnisse in Belgien (links) und Frankreich (rechts).

Foto: dpa

Die Tablettenpackungen stapeln sich auf den Tischen wie Obst und Gemüse auf einem Wochenmarkt. Die Fahnder dahinter wollen aber nicht verkaufen, sondern warnen – die Dealer und die vor allem nicht-professionellen Konsumenten: Radsportler und Bodybuilder. Was die europäischen Sicherheitsbehörden am Montag präsentierten, war der Ertrag des „größten Einsatzes dieser Art“ – ein Schlag gegen den weltweiten Handel mit Dopingmitteln. Auch Deutschland war von der „Operation Viribus“ betroffen.

Wo haben die Fahnder zugeschlagen?

In 33 Ländern rückten die Ermittler unter der Federführung der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) aus. Die Fahnder agierten in 23 europäischen Ländern, darunter Deutschland. Nach Angaben des Zollkriminalamtes in Köln lief die Aktion, koordiniert von italienischen Behörden, von Anfang Januar bis Mai.

Was fanden die Ermittler beim Zugriff?

Insgesamt 3,8 Millionen Dopingmittel und gefälschte Medikamente, allein 24 Tonnen Steroidpulver. Außerdem wurden nach Europol-Angaben 17 organisierte Banden enttarnt und neun Untergrundlabore ausgehoben. 234 Personen wurden festgenommen und 839 Verfahren eingeleitet. Der deutsche Wada-Chefermittler Günter Younger war zufrieden. „Diese Art der Zusammenarbeit kann einen erheblichen Einfluss auf die Verfügbarkeit von gefälschten und illegalen Mitteln haben.“

Gab es in Deutschland Festnahmen?

In Deutschland wurden 463 Verfahren eingeleitet. Festnahmen hat es nach Angaben des Zollkriminalamtes in Köln keine gegeben. Der Zoll gibt die Verfahren an die zuständige Staatsanwaltschaft weiter. Die Ermittlungen dürften sich vor allem gegen Fitnesssportler richten.

Sind auch Spitzensportler betroffen?

Dazu machte Europol keine Angaben. Allerdings wurden bei Sportveranstaltungen 1357 Blut- und Urintests durchgeführt. Um welche Veranstaltungen es sich handelt, ist unklar. Zuletzt hatten Behörden bei der Nordischen Ski-WM Anfang des Jahres in Seefeld für ein Beben gesorgt. Neun Personen wurden bei der „Operation Aderlass“ festgenommen. Im Fokus stand der Erfurter Sportmediziner Mark Schmidt. Das Internationale Olympische Komitee begrüßte die Razzien: „Es ist entscheidend, die Händler und Produzenten ins Visier zu nehmen, die Doping ermöglichen und diese kriminelle Industrie vorantreiben.“

Wer sind die Hauptabnehmer?

Aus Sicht von Europol gibt es einen Trend bei nicht-professionellen Athleten. Bodybuilder und Radsportler würden kleine Mengen im Internet ordern, die hauptsächlich in Asien und Osteuropa produziert werden – in illegalen Labors und von kriminellen Gruppen vertrieben. Plattform dieses Handels sollen vermehrt die sozialen Netzwerke sein. Im Darknet könnten zudem nicht zugelassene Medikamente bestellt werden.

Welche Risiken gehen Sportler ein?

Die Einnahme kann gravierende Folgen haben – von der Leberzirrhose bis hin zum Herzinfarkt. Gerade die Bodybuilding-Szene wird immer wieder von Todesfällen erschüttert. So starb 2017 der erst 46-jährige US-Amerikaner Rich Piana, ein Star der Szene und ehemaliger „Mister California“. „Grundsätzlich geht der Gebrauch von anabolen Steroiden mit dem Risiko langfristiger Nebenwirkungen einher“, sagt Mario Thevis, Leiter des Dopingkontrolllabors in Köln.

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