"Best" und "Berta": Konferenz zu Biomasse bei Gotha

"Berta" wächst. Am Ortsrand von Großfahner schießen junge Pappeln und Weiden in die Höhe. Auf einer Obstplantage bei Döllstädt liegen gerodete Baumstümpfe auf der Erde. Alles Energieträger, Brennmaterial für die Holzhackschnitzelheizung im Gierstädter Gewerbegebiet.

Am Ortsrand von Großfahner schießen Pappeln und Weiden in die Höhe. Sie könnten alle drei bis fünf Jahre geschnitten und verheizt werden. Foto: Wieland Fischer

Foto: zgt

Großfahner. Die liefert Wärme für dort angesiedelte Firmen. Das sind erste Anfänge der Bioenergieregion Thüringer Ackerebene, "Berta" genannt. Deren Ziel ist es, nachwachsende Rohstoffe aus der Region zu nutzen, um einen großen Teil des Bedarfs an Strom und Wärme für den Landstrich zwischen Fahner Höhe, Bad Langensalza und Bad Tennstedt zu decken.

Bei der Frage "Tank oder Teller?" untersuchen die Macher um Gunther Fleischmann, wie fruchtbare Böden nördlich der Fahner Höhe dafür genutzt werden können. Hilfe bekommen Fleischmann und seine Mitstreiter von Mitarbeitern des Forschungszentrums Waldökosysteme der Universität Göttingen. Gestern trafen sie sich in Großfahner zu einer Regionalkonferenz.

Mit neun weiteren Institutionen gehören sie zum Verbundprojekt "Best" der Universität Göttingen. Hauptuntersuchungsregionen von "Best" sind der Landkreis Göttingen und "Berta", die Ackerebene nördlich der Fahner Höhe. Die Bioenergiestrategen sondieren, wie "holzige Biomasse" eingesetzt werden kann. "Wir wollen klären, was im Spannungsfeld mit der Landwirtschaft machbar ist", sagt Prof. Christian Ammer. Begrenzte Ressourcen an Fläche gelte es ökologisch und ökonomisch sinnvoll einzusetzen.

Dr. Armin Vetter von der Thüringer Landesanstalt sieht das im weltweiten Kontext. Bis 2050 werde die Welt-Agrarproduktion um 70 Prozent wachsen, um den Ernährungsbedarf zu decken. Dadurch werde es schwer, Flächen für schützenswerte Natur zu erhalten. Rein rechnerisch bräuchte jeder Thüringer 1470 Quadratmeter, um seinen Ernährungsbedarf zu decken. Das wäre die Hälfte der zur Verfügung stehenden Fläche im Freistaat. Etwa ein Viertel der Fläche bliebe für Energiepflanzen. Gleichzeitig soll bis 2020 der Energiebedarf zu 30 Prozent mit erneuerbarer Energie abgedeckt werden. Biomasse stellt dabei schon das Gros, sagt Vetter.

Das Potenzial bei Wald ist ausgeschöpft. Bei Stroh gebe es dagegen große Reserven. Vetter plädiert für Kurzumtriebsplantagen mit Weide- und Pappel-Streifen, wie sie wie bei Großfahner angelegt sind. Solche Streifen auf Feldern stellen seiner Ansicht nach auch Windschutz dar, der im Zuge des Klimawandels größere Bedeutung gewinne.

"Best" untersucht in 31 Arbeitsgruppen, welche Folgen Biomasse-Anbau auf Klima, Nitratausträge - Weiden müssen nicht gedüngt werden - und auf die Umwelt hat, sagt Norbert Lammersdorf von der Uni Göttingen. Er hält Holzplantagen für ein wertvolles Nischenprodukt. Kurzumtriebsplantagen könnten alle drei bis fünf Jahre geerntet, das Holz zum Heizen verwendet werden.

Das stelle keine Konkurrenz zur Landwirtschaft dar. Im Gegenteil: Ein Miteinander von nachwachsenden Rohstoffen und Landwirtschaft hält Vetter auch im Zuge der Fruchtfolge auf Feldern für sinnvoll. So werde Monokulturen begegnet und die Fruchtbarkeit der Böden erhalten.

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