Gegner der "Altstadt-Galerie" in Gotha

Die Gegner des geplanten Einkaufszentrums an der Gartenstraße hatten gestern noch gegen einen weiteren Feind zu kämpfen.

Der Glitzerpalast geht in die Luft - Ballonaktion an der Gartenstraße am 3. September 2012 gegen den Bau eines neuen Einkaufsmarktes - der Residenzstadtgalerie oder Gothaer Altstadt-Galerie Foto: Dirk Bernkopf

Der Glitzerpalast geht in die Luft - Ballonaktion an der Gartenstraße am 3. September 2012 gegen den Bau eines neuen Einkaufsmarktes - der Residenzstadtgalerie oder Gothaer Altstadt-Galerie Foto: Dirk Bernkopf

Foto: zgt

Gotha. Der Wind blies ihre Ballons teilweise in horizontale Richtung. Dafür wollten die Initiatoren des Bürgerbegehrens "Lebendige Innenstadt gestalten" die Ausmaße des geplanten Einkaufszentrums in der Höhe sichtbar machen. Auf 16 Meter sollten sie steigen und mit den Teilnehmer die Breite des Areals abstecken. Rund 50 Sympathisanten der Initiative gegen den Bau fanden sich zur Ballon-Aktion am Montagabend ein. "Die Leute wissen gar nicht, wie groß es werden soll", sagte Teilnehmerin Anett Mertins. Sie sorgt sich um die Händler, die durch das Einkaufszentrum aus der Altstadt vertrieben werden könnten. Viel lieber wäre ihr eine Grünfläche auf dem Areal. Birgit Lucas stimmt ihr zu: "Es ist ein gruseliges Ding", beschreibt sie die "Altstadt-Galerie", die vom Investor Saller Bau GmbH geplant wird.

In die "Plan-Werk-Stadt" am 22. August, organisiert von der Stadtverwaltung, brachten etwa 50 Teilnehmer ihre Hinweise zum Projekt ein (wir berichteten). Auch Sebastian Großkopf von "Lebendige Innenstadt gestalten" nahm daran teil. Als bekennender Gegner des Projektes Einkaufszentrum zeigte der Architekt sich im Nachhinein überrascht von der konstruktiven und offenen Arbeitsweise der Teilnehmer des Abends. Als größten Kritikpunkt sieht er jedoch die Baunutzungsverordnung. Im B-Plan werde das Gebiet für den Handel mit einer 100-prozentigen Bebauung ausgewiesen. Doch nur 80 Prozent seien zulässig. Ausnahme sei ein "besonderer städtebaulicher Grund", erklärt Roland Adlich, Leiter des Stadtplanungsamtes. Dies müsse gemeinsam mit dem Investor geprüft werden.

Nach den Wünschen der Initiative wäre eine Grünfläche die Alternative zum Einkaufszentrum. Mit einem Bürgerbegehren wollten sie den Bau verhindern. Doch die Stadt lehnte es ab, da sie kein konkretes Sachbegehren erkennen konnte. Dagegen planen die Initiatoren von "Lebendige Innenstadt gestalten" nun vorzugehen. In der kommenden Woche wollen sie fristgerecht ihre Klage einreichen, so Karolin Schulz von der Initiative. Sie hofft, dass noch viele Bürger den Bebauungsplan für das Areal Gartenstraße/Moßlerstraße einsehen und eine Stellungnahme dazu abgeben gleich ob sie Bedenken haben oder die Pläne gut finden, so Schulz. "Sie sollen aber später nicht sagen, sie hätten es nicht gewusst." Der B-Plan liegt noch bis Ende der Woche im Rathaus aus. Neben den Ausarbeitungen in der "Plan-Werk-Stadt" sind auch viele weitere Anregungen und Hinweise in der Stadtverwaltung eingegangen, sagte Roland Adlich, Leiter des Stadtplanungsamtes. Diese sollen gebündelt in den Abwegungsvorschlag der Verwaltung eingehen, der in den kommenden Wochen für den 28. November vorbereitet wird, wenn der Stadtrat tagt.

"Das wird eine spannende Sitzung", schätzt Roland Adlich. Dann werde sich zeigen, ob der Bebauungsplan erneut ausgelegt wird. In den 27 Jahren, die er für die Stadtverwaltung tätig ist, kann er sich nicht an ein ähnlich großes und kontrovers diskutiertes Bauvorhaben erinnern. Maximal nach der Wende. "Aber das ist nicht zu vergleichen", sagt Adlich.