"Glitzerpalast": Gothas Oberbürgermeister fürchtet Erfurts Sogwirkung

Eine Flaniermeile vom Cineplex-Kino bis zum Stadtbad, die beide dieses Jahr eröffnet werden sollen, das schwebt Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD) vor. Davon werde seiner Ansicht nach auch die Innenstadt profitieren.

Dieses Modell mit Fachmärkten statt einem einzigen großen Einkaufszentrum an der Gothaer Gartenstraße wird derzeit geplant. Foto: Lutz Ebhardt

Dieses Modell mit Fachmärkten statt einem einzigen großen Einkaufszentrum an der Gothaer Gartenstraße wird derzeit geplant. Foto: Lutz Ebhardt

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Gotha. Den Ausbau der freien Fläche zwischen Garten- und Moßlerstraße sieht Kreuch als wirksame Maßnahme an, um einem weiteren Ausbluten der Innenstadt entgegenwirken zu können.

Gotha sei eine der wenigen Städte, die im Zentrum eine solch große Investition planen. "Alle anderen machen das in der Peripherie", stellt Knut Kreuch im Gespräch gegenüber unserer Zeitung fest. Mit Sorge sehe er die große Sogwirkung, die von Erfurt ausgehe. "Die Landeshauptstadt ist wie ein großer Schwamm." Erfurt lebe von seinem Umland mit 500.000 Menschen, obwohl die Stadt selbst nur rund 200.000 Einwohner habe. Zu denen, die nach Erfurt zum Einkaufen fahren, gehören auch Menschen aus Gotha und Umgebung. Es gelte, diese wieder stärker in Gotha zu binden und hier ein Einkaufserlebnis zu schaffen, begründet er die Pläne in der Gartenstraße. "Wir müssen versuchen, die Leute, die jetzt zum Einkauf wegfahren, wieder herzuholen. Das ist unsere einzige Chance." Schon jetzt breche viel weg, weil nichts dagegen unternommen werde. "Handel im Internet und Wandel der Innenstädte führen zu einem riesengroßen Umbruch, den die kleinen Städte nicht schultern können", sagt der Rathauschef. Selbst Mittelstädte mit bis zu 70.000 Einwohnern stelle das vor große Probleme. Kreuch: "Das sagen Fachleute voraus."

Insgesamt betrachtet er die jetzige Entwicklung in der Gartenstraße positiv. Anfang des Jahres hatte der Stadtrat beschlossen, das ursprünglich auf knapp 16.000 Quadratmeter konzipierte Center, im Volksmund "Glitzerpalast" genannt, zu verkleinern und mit mehr Fachmärkten auszustatten. Kreuch: "Das alles wird städtebaulich mehr eingepasst."

Ein Problem stelle nach wie vor die Verkehrsführung in der Gartenstraße dar. Es gelte, in den nächsten Jahrzehnten einen Umbau der Gartenstraße vorzunehmen, die Gleise der Straßenbahn zur Seite zu verlegen, aus der Straßenmitte heraus. "Das wird auch kommen ist", ist der Oberbürgermeister überzeugt.

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