Gotha: Bürgerversammlung zum Einkaufszentrum rege besucht

Seit zwei Jahren hegt die Stadtverwaltung Gotha den Wunsch, ein Einkaufscenter in der Moßlerstraße zu errichten. Sie will damit eine Brachfläche nutzen, die durch den Abriss von Plattenbauten entstanden ist. Gothaer Einzelhändler stehen dem Bauvorhaben teils kritisch gegenüber. Aus diesem Grund veranlassten Stadtverwaltung und Investor Saller eine Bürgerversammlung zur geplanten Altstadt-Galerie am Dienstagabend.

Stellten sich den Fragen der Gothaer Bürger: Andreas Barth vom Investor Saller-Bau, der Verkehrsplaner Dr. Ditmar Hunger vom Planungsbüro Stadt-Verkehr-Umwelt Dresden, Stadplaner Roland Adlich, Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD) und Dr. Manfred Bauer von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung mbH (v.l.n.r.). Foto: Peter Riecke

Stellten sich den Fragen der Gothaer Bürger: Andreas Barth vom Investor Saller-Bau, der Verkehrsplaner Dr. Ditmar Hunger vom Planungsbüro Stadt-Verkehr-Umwelt Dresden, Stadplaner Roland Adlich, Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD) und Dr. Manfred Bauer von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung mbH (v.l.n.r.). Foto: Peter Riecke

Foto: zgt

Gotha. Zahlreiche interessierte Bürger, Einzelhändler und Stadträte waren der Einladung gefolgt, um sich in der Gothaer Stadthalle von Gutachtern, Stadtplanern und Vertretern des Investors über das Einkaufscenter ins Bild setzen zu lassen. Zunächst informierte Stadtplaner Roland Adlich über die derzeitige städtebauliche Situation am Standort Moßlerstraße. "Wir können hier kein neues Wohnviertel entstehen lassen", sagte Adlich. Grund dafür sei die enorme Verkehrsbelastung der Gartenstraße. Die jedoch, wies Dietmar Hunger vom Planungsbüro Stadt, Verkehr und Umwelt daraufhin, werde sowieso entstehen, wenn das Einkaufscenter eröffnet sei. Hunger hatte im Auftrag des Investors ein Verkehrsgutachten erstellt, welches er an diesem Abend dem Gothaer Publikum vorstellte. Hunger: "Ich bin eigentlich gegen Centerstandorte mitten in der Stadt, aber diese Fläche ist ideal." Seine Untersuchungen hätten ergeben, dass der Standort bereits jetzt gut an den ÖPNV angeschlossen sei.

Trotzdem sei für ihn eine Sicherung der Fußgänger- und Fahrradanbindung wichtig. Um das enorme Verkehrsaufkommen in der Gartenstraße - geschätzt werden 3500 Fahrzeuge mehr pro Tag - tragen zu können, müssen die Zufahrten zum Einkaufscenter verlegt werden. Dies bedeutet, so der Verkehrsexperte weiter, dass es Änderungen am Schützenberg, insbesondere bei der Zufahrt zur Annastraße, geben wird. Des Weiteren soll es für die Fußgänger vier Zugänge (Lutherstraße, Pfortenstraße, Moßlerstraße, Lenaustraße) geben.

Ob die Stadt ein neues Einkaufscenter verträgt, untersuchte Manfred Bauer von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA). Seine Verträglichkeitsanalyse ergab, dass das Kaufkraftniveau in Gotha zu niedrig ist. Ein Drittel der Gothaer kaufe nicht in seiner Heimatstadt ein, sondern fahre lieber nach Erfurt oder Eisenach. Das betreffe auch zwei Drittel der Bevölkerung aus dem Landkreis. Grund dafür seien, ungünstige Öffnungszeiten, fehlendes Angebot und die Entfernung zum Wohnort, so Manfred Bauer. "Es ist immer ein Risiko, ob sich die Kaufkraft erhöhen wird. Auf jeden Fall werden kleinere Fachmärkte auf der Strecke bleiben. Doch das ist in jeder Stadt so", erklärte der Marktforscher.

In der anschließenden Diskussion konnten die interessierten Bürger Fragen zu dem Projekt stellen. Besonders Gothas Stadträte, die am 6. Juni in einer außerplanmäßigen Stadtratssitzung den Beschluss fassen sollen, ob die "Altstadt-Galerie" gebaut wird, machten hinsichtlich ihrer Entscheidungsfindung davon regen Gebrauch. So wollte Mathias Baier wissen, wie denn die Umsätze aussehen müssten, damit die Innenstadt eine Nutzen davon hat. "Wenn das Center arbeitet, wird es zu Leerständen in den Geschäften kommen, doch das ist normal", so Bauer. Doch empfiehlt er dem Investor, die geplante Verkaufsfläche um zwei Branchen, nämlich Schuhe und Bekleidung, von vornherein zu reduzieren. Wim Negelen aus Gotha war es wichtig, dass das jüdische Mahnmal erhalten bleibt und an den Kindergarten "Spatzennest" gedacht wird. Für die Kita sei bereits ein Konzept entwickelt worden, und wegen des Mahnmals habe man Gespräche mit der jüdischen Landesgemeinde aufgenommen, antwortete Oberbürgermeister Knut Kreuch.

Augenoptikerin Gudrun Schatz sorgt sich um den Wiegwasserkanal, der unter der Moßlerstraße entlang führt und durch den Tiefbau Schaden nehmen könnte. Andreas Barth von der Firma Saller beschwichtigte: "Das Wiegwasser wird im Kanal gefasst." Michael Keller kritisierte das hohe Verkehrsaufkommen und die wegfallenden kostenlosen Parkplätze in der Moßlerstraße. "Im Center werden auf zwei Parkdecks 650 Stellflächen entstehen, die 24 Stunden genutzt werden können", sagte Barth. Allerdings gegen eine Gebühr. Hunger: "Ein Center schafft nur zusätzliche Parkplätze." Ansonsten gebe es in der Stadt ausreichend Stellflächen.

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