Neues Ladenöffnunggesetz nützt Eisenacher Einzelhandel nicht

Seit 1. Januar gilt das neue Ladenöffnungsgesetz für Thüringen. Vorteile bringt es für Eisenachs Einzelhändler jedoch nicht. Der Thüringer Landtag hatte beschlossen, dass Bäcker sowie Zeitungs- und Blumenhändler nun sonntags bereits um 7 Uhr statt bisher um 8 Uhr öffnen dürfen.

Floristin Bogdana Shmygelska vom Blumeneck Kallenbach an der Johannisstraße, Ecke Karlsplatz in Eisenach hat sonntags immer frei. Foto: Norman Meißner

Floristin Bogdana Shmygelska vom Blumeneck Kallenbach an der Johannisstraße, Ecke Karlsplatz in Eisenach hat sonntags immer frei. Foto: Norman Meißner

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Eisenach. "Wir haben schon seit einigen Jahren sonntags nicht mehr auf, es lohnt sich einfach nicht", sagt Heidi Koch vom Geschäft "A-Z Blumenservice" im Eisenacher Hauptbahnhof. Lediglich die Filiale am Friedhof öffne an Sonntagen mit bestimmten Anlässen wie Totensonntag für zwei Stunden. Relevant ist das neue Ladenöffnungsgesetz auch nicht für das Blumengeschäft "Kallenbach" an der Johannisstraße in Eisenach. "Für uns ist der Sonntag heilig, wir haben die Woche über genug zu tun", sagt Sigrid Kallenbach. Lediglich am Muttertag oder am Adventssonntag wird geöffnet. Dies trifft auch für die Blumengalerie "Brinkhoff+Reinicke" in der Schmelzerstraße zu. Die neue Öffnungszeit ist für uns nicht relevant, sagt Sabine Reinicke.

Von dem neuen Gesetz kann auch Anja Felsberg mit ihrem Blumengeschäft "Edelweiß" nicht profitieren. "Wir sind mit im Einkaufszentrum Toom-Markt integriert und der hat sonntags zu." Außer sonntags hält sie von 8 bis 20 Uhr ihren Blumenladen offen. Sonntags kann auch Jens Grobe seinen Laden für Zeitschriften, Lotto und Tabak nicht öffnen - er ist ebenfalls im Toom-Markt zu finden. Seine anderen beiden Geschäfte in Gotha und Erfurt befinden sich ebenfalls in Einkaufszentren. "Wir haben am Sonntag sowieso nicht geöffnet", erzählt Elisabeth Lorenz vom Zeitschriften- und Lottogeschäft "Lorenz-Asmus" am Karlsplatz in Eisenach.

"Um 7 Uhr zu öffnen, das lohnt sich nicht, dafür ist Eisenach zu klein", meint Klaus Zeuchner vom "Eisenacher Presse Shop" am Markt. Sonntags steuere seine Kundschaft erst nach 8.30 Uhr seinen Laden an. "Das geht bis gegen 13 Uhr und dann ist wieder Flaute." Eine Stunde früher zu öffnen, lohne sich für ihn nicht. Dies trifft auch auf den Zeitschriften- und Buchverkauf im Eisenacher Hauptbahnhof zu. "Wir öffnen um 8 Uhr und da ist es sonntags immer ganz ruhig", erzählt Petra Felsberg, Verkäuferin der Firma "Schmitt&Hahn" in Eisenach. Bereits seit 21 Jahren sind dort die Öffnungszeiten unverändert.

"Nützt uns nicht"

"Das neue Gesetz nützt uns überhaupt nicht", sagt Heike Schneider, Geschäftsführerin vom Kaufhaus Schwager. Denn das neue Ladenöffnungsgesetz für Thüringen besagt auch, dass die Händler nun wählen können, ob sie am ersten oder am zweiten Adventssonntag öffnen wollen. Die Qual dieser Wahl hat das Kaufhaus nicht. Da in Erfurt am ersten Adventssonntag die Geschäfte offen sind, würde Eisenachs Kaufhaus lieber am zweiten Advent öffnen. Da der Eisenacher Weihnachtsmarkt am ersten Advent öffnet, schließt sich das Kaufhaus den Eisenacher Einzelhändlern an. Allerdings bleibt es mit dem neuen Gesetz weiterhin bei maximal vier verkaufsoffenen Sonn- und Feiertagen pro Jahr.

Neu ist auch, dass Angestellten mindestens zwei freie Samstage im Monat zustehen. "Das ist realitätsfremd und nicht realisierbar", bekräftigt Schneider. In der Urlaubs- und Weihnachtszeit sei das im Kaufhaus nicht machbar. "Wir haben viele Hausfrauen, den nützt der freie Samstag wenig, sie holen lieber unter der Woche die Kinder von der Schule ab", sagt die Geschäftsführerin. Der Samstag ist zudem der Hauptumsatztag und gerade da wollen die Angestellten, die Provision erhalten, unbedingt arbeiten. "Wer sich das Gesetz ausgedacht hat, hat an der Realität vorbeigedacht", sagt Schneider.

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