Rollende "Thüringer Wurstmanufaktur" wirbt für Region

Die neueste Attraktion des Vereins "Freunde der Thüringer Bratwurst" aus Holzhausen im Ilm-Kreis die "Thüringer Wurstmanufaktur". Das ist ein rollender Fleischverarbeitungsraum, mit dem die Bratwurstfreunde zeigen wollen, wie die Thüringer Spezialität vor hunderten Jahren hergestellt wurde.

Kraftraubend: Mit dem Wiegemesser wurde anno dazumal Wurstbrät hergestellt. Peter Jonke, Roland Brehm, Ingolf Stellmacher und Christian Herda wissen noch heute, wie das geht. Foto: Klaus-Dieter Simmen

Kraftraubend: Mit dem Wiegemesser wurde anno dazumal Wurstbrät hergestellt. Peter Jonke, Roland Brehm, Ingolf Stellmacher und Christian Herda wissen noch heute, wie das geht. Foto: Klaus-Dieter Simmen

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Holzhausen. Christian Herda kann nicht mehr. Mit schlappen Armen steht der Fleischermeister vor einem großen Transportanhänger, der wie ein Fachwerkhaus dekoriert ist. Eine Stunde lang hat er darin mit einem Kollegen das Wiegemesser zum Schaukeln gebracht - nicht so eines, mit dem man Petersilie zerkleinert, sondern einen 30 Kilogramm schweren Kaventsmann, mit dem die Fleischer vor der Erfindung des Fleischwolfs Wurstbrät hergestellt haben. "Mir reicht‘s jetzt erst mal", sagt Herda in Anspielung auf die kraftraubende Arbeit.

Der Fleischermeister steht vor der neuesten Attraktion des Vereins "Freunde der Thüringer Bratwurst" aus Holzhausen im Ilm-Kreis: der Thüringer Wurstmanufaktur. Dabei handelt es sich um einen rollenden Fleischverarbeitungsraum, mit dem die Bratwurstfreunde zeigen wollen, wie die Thüringer Spezialität vor hunderten Jahren hergestellt wurde. Altertümlichkeit ist gewollt Aufgestellt auf Messen, Grüner Woche oder Land-, Hof- und Schlachtfesten soll die Wurstmanufaktur Werbung machen für Thüringen mit seinen regionalen Produkten und natürlich die "Freunde der Thüringer Bratmuseum" und ihr 1. Deutsches Bratwurstmuseum in Holzhausen.

So authentisch wie möglich

Dort wurde die transportable Wurstmanufaktur gestern vor zahlreichen Gästen eingeweiht, die sich sogleich von der Geschmacksqualität der Old-School-Würste überzeugen konnten. "Kann sein, dass es sich für viele etwas altertümlich anhört: ‚Thüringer Wurstmanufaktur‘. Aber genau das ist gewollt", sagt Thomas Mäuer, stellvertretender Vorsitzender der Bratwurstfreunde. "In Zeiten von Fast Food ist das sogar dringend nötig."

Alles solle so authentisch wie möglich sein, vom 200 Jahre alten Wiegemesser bis zur knapp 100-jährigen Standwurstfüllmaschine. Vereinschef Uwe Keith erzählt, wie es zu der Idee gekommen ist: Seit mehreren Jahren hätten zwei Metzgermeister aus der Pfalz die alte Technik des Wurstmachens während des Museumsfests in Holzhausen vorgeführt. "Das ist gut angekommen beim Publikum", sagt Keith.

Fünf europaweit geschützte Wurstsorten

Dennoch sei das nach gültigen Verordnungen heute nicht mehr zulässig. Mit der neuen vereinseigenen Wurstmanufaktur sei das anders. Vom zuständigen Landesamt für Lebensmittelhygiene hätten sie bereits grünes Licht bekommen, sagt Uwe Keith. Er weist auf die besondere Rolle der Thüringer Bratwurst als Botschafter in der Welt hin.

Mit nunmehr fünf europaweit geschützten Wurstsorten (Thüringer Rostbratwurst, Leberwurst, Rotwurst, Greußener Salami, Eichsfelder Feldgieker) baue der Freistaat sein Bild als Wurstland weiter aus. Die "Thüringer Wurstmanufaktur" ist mit finanzieller Unterstützung durch den Herkunftsverband Thüringer und Eichsfelder Wurst und Fleisch sowie die Förderung des EU-Programms "Leader" entstanden.

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