Wirtschaftsminister und Arbeitgeber streiten um Mindestlohn

Die Zahl der Erwerbstätigen steigt in Thüringen weiter an. Diese Erfolgsmeldung kann allerdings den Konflikt nicht kaschieren, der zwischen Wirtschaftsminister und Gewerkschaften auf der einen Seite und den Arbeitgebern auf der anderen Seite um die Entlohnung schwelt.

Der Mindestlohn ist ein Anliegen von Gewerkschaften und verschiedenen Parteien. Der Verband der Wirtschaft Thüringens betrachtet ein solches Anliegen mit Skepsis. Foto: dapd

Der Mindestlohn ist ein Anliegen von Gewerkschaften und verschiedenen Parteien. Der Verband der Wirtschaft Thüringens betrachtet ein solches Anliegen mit Skepsis. Foto: dapd

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Erfurt. Die Zahl der Erwerbstätigen ist in Thüringen weiter gestiegen. Von Januar bis März gingen durchschnittlich 1.007.700 Menschen einer Beschäftigung nach und damit 0,8 Prozent mehr als im ersten Quartal 2010, wie das Statistische Landesamt ermittelte. Damit lag die Quartalszahl zum vierten Mal in Folge über dem entsprechenden Vorjahreswert. "Damit hat sich der konstante Beschäftigungsaufbau der vergangenen Monate weiter beschleunigt", kommentierte Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD).

Dennoch verlief die Entwicklung in Thüringen nicht ganz so erfolgreich wie in Deutschland insgesamt. Im Bundesdurchschnitt kletterte die Beschäftigtenzahl laut Statistik um 1,4 Prozent, in den ostdeutschen Bundesländern waren es im Schnitt 0,5 Prozent.

Den höchsten Zuwachs im Vergleich zum Vorjahresquartal verzeichneten demnach Bayern mit 1,9 Prozent sowie Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz mit je 1,7 Prozent.

Jedes Jahr fehlen 14.000 Menschen

Aus Sicht des Ministers gewinnt durch diese insgesamt positive Entwicklung allerdings die Fachkräftefrage weiter an Brisanz. "Das ist die Kehrseite der Medaille", sagte der Sozialdemokrat: "Thüringen steht vor der strategischen Herausforderung, beim Rückgang der Erwerbstätigenzahl den Nachwuchs an Arbeitskräften zu sichern." Bis zum Jahr 2020 werden im Freistaat bis zu 200.000 Fachkräfte benötigt. Zugleich erreichen zwischen 2011 und 2020 jedes Jahr durchschnittlich etwa 28.000 Thüringer das Rentenalter. Dem stehen durchschnittlich 14.000 Abgänger aus dem Bildungssystem gegenüber.

"Diese Aufgabe werden wir nur lösen, wenn es uns gelingt, alle Beschäftigungsreserven zu mobilisieren", sagte der Minister. Wichtigste Voraussetzung bleibe, dass Thüringen sein Image als Niedriglohnland ablege, die Lohnangleichung zwischen Ost und West vorankomme und mit einem Mindestlohn die Lohnspirale nach unten gestoppt werde.

Billiglohnland nur eingebildet?

An diesem Image stört sich allerdings der Verband der Wirtschaft Thüringens e.V.: "Dass wir hier nur Billigheimer als Arbeitgeber haben, kann man nun wirklich nicht sagen", findet Inge Schubert, Sprecherin des Verbandes. In Thüringen arbeiteten bereits heute viele hochqualifizierte Arbeitnehmer, die auch entsprechend bezahlt würden. Allerdings könne man in der Statistik mit anderen Bundesländern nicht immer mithalten, denn es fehlten im Freistaat durchaus etwa Konzernzentralen, in denen Führungskräfte besonders hohe Löhne erhielten. Das könne eine Statistik durchaus nach oben verfälschen.

Den Mindestlohn betreffend erinnert der Verband daran, dass sich auch Minister Machnig zur Tarifautonomie bekannt habe: "In Branchen, die keinen Tarifvertrag abgeschlossen haben, hat der Mindestlohn durchaus Sinn, auch wir haben uns dafür ausgesprochen." Die Statistik allerdings umzuinterpretieren, damit die Löhne hier niedriger wirkten als anderswo, werde sicher nicht dabei helfen, die künftig nötigen Fachkräfte nach Thüringen zu locken.