Traumberuf Buchautor: Und das ganz ohne einen Verlag

Lektor, Verleger, Vermarkter und Autor in einer Person - Das hat Vorteile, aber auch Nachteile. Tobias Schindegger aus Gotha ist einer dieser "Self Publisher" und erzählt wie es geht.

Droht der Buchkultur, wie wir sie kennen, der Kollaps? Digitale Bücher sind auf dem Vormarsch und Autoren benötigen nicht unbedingt einen Verlag, um ihre Werke unter die Leute zu bringen. Foto: Peter Michaelis

Droht der Buchkultur, wie wir sie kennen, der Kollaps? Digitale Bücher sind auf dem Vormarsch und Autoren benötigen nicht unbedingt einen Verlag, um ihre Werke unter die Leute zu bringen. Foto: Peter Michaelis

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Gotha. Ein Buch veröffentlichen, am besten einen Bestseller. Dann als berühmter Autor in die Geschichte eingehen, nie vergessen werden und somit unsterblich sein. Ein Traum, den zu verwirklichen nicht gerade die einfachste Aufgabe ist.

Buchautor zu werden ist keine große Schwierigkeit. Mit dem Buch groß rauszukommen hingegen schon. Es gibt die klassische Variante, einen Verleger für die selbst geschriebenen Zeilen zu finden. Und es gibt die Möglichkeit, sein Buch nicht nur selbst zu schreiben, sondern es auch selbst zu veröffentlichen. "Self Publishing" heißt das Stichwort; zu Deutsch: selbst publizieren.

Innerhalb von 24 Stunden ein Buch veröffentlichen

Tobias Schindegger aus Gotha ist einer dieser "Self Publisher", ist Lektor, Verleger, Vermarkter und Autor in einer Person. Mehrere Bücher hat er in den vergangenen Jahren bereits als Selbstverleger veröffentlicht; lediglich seine Diplomarbeit wurde in einem Kleinverlag gedruckt. "Gedruckt. Mehr auch nicht", sagt Tobias Schindegger. Der Anteil an eigenen Kosten ist ihm bei kleinen Verlagen in der Regel zu hoch, was ein Grund dafür ist, warum er seine Werke auf eigene Faust unter die Leute bringt.

"Ratz fatz geht das", weiß der Autor aus Gotha zu berichten. "Innerhalb von 24 Stunden", setzt er noch eins drauf. Damit bezieht sich der 34-Jährige allerdings ausschließlich auf Bücher in digitaler Form, die sogenannten E-Books. Ist der Text erst mal auf eine der E-Book-Plattformen hochgeladen, kann er bereits am nächsten Tag von potenziellen Lesern gefunden und heruntergeladen werden.

Eine weitere Variante des Selbstverlegens nennt sich "Book on Demand" - Buch auf Bestellung. Das Prinzip ist ähnlich, nur dass die Bücher nicht heruntergeladen, sondern eben bestellt und erst dann gedruckt werden. "Ratz fatz" geht‘s auch bei dieser Variante: Tobias Schindegger spricht von 48 Stunden vom Hochladen ins Internet bis zum gedruckten Buch.

Selbstvermarktung ist wichtig

Doch Schnelligkeit hin oder her - die eigenen Zeilen wollen auch vermarktet werden. Potenzielle Leser sollen schließlich wissen, dass es neuen Stoff gibt für sie. Dass das nicht unterschätzt werden sollte, weiß auch der Selbstverleger aus Gotha. "Nach der Veröffentlichung muss man sich einen Namen machen", sagt er. Selbst als Multiplikator agieren, heißt das. Dabei sei allerdings wichtig, das Internet nicht mit übertriebener Eigenwerbung zu fluten.

Tobias Schindegger wendet fast jeden Abend ein paar Minuten auf, um sich und sein jeweiliges Buch in Internetforen und sozialen Netzwerken bekannt zu machen. Zudem betreibt er einen eigenen Blog, gibt Lesungen, besucht Buchmessen und hat ein "Self-Publisher-Wiki", eine Art Mitmach-Lexikon für Selbstverleger, gestartet.

Lektorat ist gut angelegtes Geld

Auf die Frage, ob all das sich lohnt, ob man eventuell davon leben könne, antwortet er kurz und knapp: "Die Erwartungen sollten nicht allzu hoch sein." Sagt er und schickt hinterher, dass er seine Bücher rein aus Spaß an der Freude schreibe und es nicht mehr als ein schöner Nebeneffekt sei, wenn sie sich verkaufen.

Ein professionelles Lektorat für seine Werke hat sich der Selbstverleger und Sozialpädagoge bislang nicht geleistet. "In Zukunft will ich das aber tun", sagt er. Gut angelegtes Geld sei das. Wer trotzdem sparen will, könne aber beispielsweise in Internetforen Leseproben an andere "Self Publisher" verschicken.

Denn in Sachen Qualität sollen auch die Texte von Selbstverlegern denen aus den Verlagen in nichts nachstehen - im Idealfall. Tobias Schindegger stellt zunächst die Frage, woran ein gutes Buch gemessen wird, ehe er schmunzelnd beschreibt, dass es für ihn als Sohn eines Buchhändlers stets der Anspruch ist, gute Bücher zu schreiben.

"Das Verlagswesen wird nicht untergehen."

Dass E-Books die gedruckten Bücher als Platzhirsche auf dem Büchermarkt verdrängen, glaubt der 34-Jährige nicht. Erst recht nicht, dass der Buchkultur, wie wir sie kennen, der Kollaps droht. "Der Markt wandelt sich eben, das macht er immer", sagt Schindegger. Das Verlagswesen wird seiner Meinung nach nicht untergehen, im Gegenteil: Dank des Selbstverlegens im Internet und der Listen der erfolgreichsten E-Books können begabte Autoren besser von den Verlagen gefunden werden. Außerdem könne ganz allgemein das Interesse für Literatur gesteigert werden: "Bei E-Books, unbekannten Autoren und niedrigen Preisen ist die Hemmschwelle, ein Buch zu kaufen, relativ gering."

Das sieht Regine Lemke, Geschäftsführerin des Landesverbandes im Börsenverein Deutscher Buchhandel, ähnlich. Ob von einer echten Konkurrenzsituation zwischen den Verlagen und "Self Publishern" zu sprechen sei, könne sie schwer sagen. Aber es gebe sicher eine Verschiebung durch die technischen Möglichkeiten, die mittlerweile geboten sind. "Dank moderner Drucktechnik können heutzutage auch Kleinstauflagen profitabel sein", meint sie.

Dass aus dem Berufswunsch Bestsellerautor Realität wird, ist möglich - sowohl als Selbstverleger als auch mit Verlag. Für Tobias Schindegger ist das "Self Publishing" so etwas wie ein Sprungbrett für begabte Autoren und ein Einstieg in die große Welt der Bücher.

Zur Sache:

  • Etwa 400 Autoren leben und arbeiten derzeit in Thüringen, wie dem Autorenlexikon des Thüringer Literaturrats zu entnehmen ist.
  • In Thüringen gibt es nach Angaben des Börsenvereins Deutscher Buchhandel etwa 95 Verlage (Stand: 1. Januar 2014).
  • Erfurt zählt zu den Orten in Deutschland, an denen im Jahr mehr als 100 Titel veröffentlicht werden. 113 waren es beispielsweise im Jahr 2012, informiert der Börsenverein. Zum Vergleich: In Leipzig waren es 912, in Berlin mit 8009 die meisten. E-Books sind in der Statistik nur zu Teilen erfasst, weil es für die Autoren eine Kann-Bestimmung ist, Belegexemplare an die Deutsche Nationalbibliothek zu schicken.
  • Krimi/Thriller, Fantasy und Gegenwartsliteratur gehören zu den am häufigsten bearbeiteten Genres von Self Publishern. Etwa ein Viertel schreibt Sachbücher sowie Kinder- und Jugendbücher, geht aus einer Studie der Goethe-Universität Frankfurt hervor.
  • Die Studie führt außerdem an, dass die beliebteste Preiskategorie für E-Books bei drei Euro liegt. Mehr als jeder Fünfte traue sich aber auch, Preise von über fünf Euro zu verlangen. Zur 99-Cent-Kategorie, in den Bestenlisten gut vertreten, bekennt sich nur jeder zwanzigste "Self Publisher".
  • Als eines der erfolgreichsten E-Books gilt die erotische Roman-Trilogie der Britin Erika Leonard James "50 shades of grey".
  • Dass "Self Publisher" bei Verlagen nicht unterkommen, ist ein verbreitetes Klischee. Es muss keine endgültige Entscheidung getroffen werden, ob man Self Publisher oder Verlagsautor sein möchte. Unter Berücksichtigung des jeweiligen Buchprojekts haben beide Wege Vor- und Nachteile.

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