Erfurt: Juri-Gagarin-Dahlie nach 40 Jahren wieder entdeckt

Im Botanischen Garten in Moskau stehen Gagarin-Rosen, Gagarin-Gladiolen, Gagarin-Clenentis und Gagarin-Pfingstrosen. Prächtig blühend wird so bis heute an den ersten bemannten Weltraumflug erinnert, an Juri Gagarin.

Im Vorgarten fündig geworden sind Ega-Leiter Claus Heuvemann und Lars Chrestensen, Prokurist des gleichnamigen Samenzuchtunternehmens. Im "blühenden Borntal" freute sich die 79-jährige Hiltrud Helmert, dass ihre "Juri-Gagarin-Dahlie" (kleines Foto) jetzt weiter gezüchtet werden soll. Foto: Hartmut Schwarz

Im Vorgarten fündig geworden sind Ega-Leiter Claus Heuvemann und Lars Chrestensen, Prokurist des gleichnamigen Samenzuchtunternehmens. Im "blühenden Borntal" freute sich die 79-jährige Hiltrud Helmert, dass ihre "Juri-Gagarin-Dahlie" (kleines Foto) jetzt weiter gezüchtet werden soll. Foto: Hartmut Schwarz

Foto: zgt

Brühlervorstadt. In Deutschland gab es nur eine Blume, die auf den Namen des Kosmonauten getauft wurde: Die Juri-Gagarin-Dahlie, eine spezielle Züchtung des Samenzuchtbetriebes Chrestensen, ist die einzige Blume, die in Deutschland diesen Namen trägt.

Angeregt wurde die Namensgebung von der einstigen sowjetischen Militär-Administration (ebenso wie die Umbenennung des Mao-Tse-Tung-Rings in Juri-Gagarin-Ring). In der Thüringenhalle wurde die Züchtung am 18. Oktober 1963 getauft – im Rahmen des Erfurt-Besuches von Juri Gagarin und Valentina Tereschkova. Bis 1972 war die rotblühende in Mexiko beheimatete Balldahlie danach bei Chrestensen im Angebot – die Knolle für zwei Mark. Wieviel davon verkauft wurden, sei laut Lars Chrestensen heute nicht mehr nachvollziehbar. Die Spur habe sich nach der Verstaatlichung des Betriebes verloren, die Züchtung war scheinbar verschollen – so wurde es bei Betriebsführungen bisher erzählt, weshalb man dem Leiter des Egaparks, Claus Heuvemann, auch nicht helfen konnte, als der für die zwischen Halle 2 und 3 geplanten Partnerstadt-Gärten nach dem legendären Pflanzgut fragte.

Ohne sich große Hoffnungen zu machen, wurde per Zeitungsaufruf nach noch erhaltenen Exemplaren der Dahlie gefahndet – und tatsächlich gab es eine Rückmeldung. Und dies aus unmittelbarer Nachbarschaft des Saatzuchtunternehmens, aus einem der Häuser der Gartenstadt, in dem seit 1965 die heute 79-jährige Hiltrud Helmert lebt – und seitdem auch einen gut sortierten Garten pflegt – inklusive einer Gagarin-Dahlie, mit der sie ihren kürzlich verstorbenen Mann, einem Physiker, über den Namen Gagarin an die Gärtnerei heranführen wollte.

"Verschollen? Das stimmt nicht", habe sie beim Lesen spontan ausgerufen. Vier kleine und eine große Knolle hatte sie für die Überwinterung in der Waschküche gesichert – wie jedes Jahr, seit ihrem Einzug. Sie habe immer ein gutes Stück Erde dran gelassen, erklärte sie, und die Knollen nie vor den "Eisheiligen" in das Freiland gesetzt. Im Gegensatz zu vielen anderen Pflanzen habe "Gagarin" so über die Jahrzehnte überlebt und sich vermehrt. Inzwischen sei die ursprüngliche Knolle mehr als 20-fach geteilt worden, für Bekannte und Freunde in der unmittelbaren Nachbarschaft, in Würzburg und Berlin. Von ihrem größten Exemplar hat sie sich gestern gern getrennt. Mit dem Wissen, dass dieses fachkundig vermehrt wird, für weitere Generationen.

Lars Chrestensen und Claus Heuvemann hatten nicht schlecht gestaunt, als ihnen die Knolle "serviert" wurde. Im bestmöglichen Zustand und reich mit teilbaren Knollen besetzt. Man habe jetzt "belastbares Material", das den Grundstock für eine Nachzüchtung bilden wird. In zwei, drei Jahren, so Chrestensen, könne den Erfurtern wieder die "Gagarin-Dahlie" angeboten werden – vorerst nur in limitierter Form.

Öffentlich wird die Dahlie aber schon vorher, noch in diesem Jahr. Am Donnerstag, 12. Mai, wird sie im feierlichen Rahmen mit dem russischen Botschafter auf der Ega gepflanzt, unter Kontrolle der Spenderin. Für diese gab es gestern als Dankeschön nicht nur Mitbringsel "in Spiritus", sondern auch ein Ega-Bildband und eine Ega-Jahreskarte, über die sie sich sichtlich freute. Parkwanderungen seien schon immer die liebste Freizeitbeschäftigung für sie und ihren Mann gewesen. Auf der Ega gäbe es mit der Dahlie jetzt ein regelmäßiges festes Ziel...

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