Schwere Vorwürfe gegen Angeklagte: Prozess gegen mutmaßliche Erfurter Hooligans gestartet

Gera.  Unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen hat der Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder der Hooligan-Gruppe „Jungsturm“ am Landgericht Gera begonnen.

Am Landgericht Gera hat am Donnerstag der Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder der Erfurter Hooligan-Gruppe „Jungsturm“ begonnen. 

Am Landgericht Gera hat am Donnerstag der Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder der Erfurter Hooligan-Gruppe „Jungsturm“ begonnen. 

Foto: Fabian Klaus / Mediengruppe Thüringen

Die Feindschaft zum Fußballclub Carl Zeiss Jena soll sie angetrieben haben. Gezielte Überfälle, Raub und gefährliche Körperverletzungen stehen als Tatvorwürfe in der Anklageschrift.

Am Landgericht Gera hat am Donnerstag unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen der Prozess gegen vier mutmaßliche Mitglieder der Hooligan-Gruppe „Jungsturm“ begonnen, die sich der Fanszene des Fußballvereins FC Rot-Weiß Erfurt zurechnet. Einem MDR-Bericht zufolge ist die Gruppe aber auch tief in die rechtsextreme Szene vernetzt und soll Kontakte zum verbotenen „Blood & Honour“-Netzwerk haben.

Auf der Anklagebank finden sich Männer im Alter zwischen 21 und 29 Jahren wieder, die allesamt in verschiedenen Haftanstalten in Thüringen in Untersuchungshaft sitzen. Drei der Angeklagten wurden bei Razzien im April festgenommen, der jüngste der Tatverdächtigen ist seit Juli inhaftiert.

Schwere Vorwürfe gegen Angeklagte

Die Staatsanwaltschaft erhebt in dem Prozess schwere Vorwürfe: Bildung einer kriminellen Vereinigung, Raub, gefährliche Körperverletzung. Die Liste der ausgezählten Taten ist lang. Überfälle auf Fans des FC Carl Zeiss Jena werden dort genauso genannt wie die Verabredung zu illegalen Hooligan-Kämpfen in abgelegenen Waldstücken. Die dauerten jeweils nur wenige Sekunden oder ein paar Minuten und sollen mit brutaler Härte geführt worden sein. Ein Beispiel: Bei einem solchen Kampf im Mai 2019 sei der Angeklagte Theo W. einem bereits reglos auf dem Boden liegenden Kontrahenten in den Rücken gesprungen, heißt es in der Anklageschrift.

Für den Prozess vor der Staatsschutzkammer des Landgerichts Gera sind 27 Termine bis in das kommende Jahr angesetzt.

Anwalt stellt Aussetzungsantrag zum Prozessauftakt

Die Hauptverhandlung – alle vier Angeklagten werden von jeweils zwei Anwälten vertreten – beginnt am Donnerstag mit einem Aussetzungsantrag von Rechtsanwalt Jan Pinkes, der den Angeklagten Steve W. vertritt. Pinkes widerspricht der Verwertung von Erkenntnissen aus Telefonüberwachung, der Auswertung von Messengerdiensten und Observationsmaßnahmen. Begründung: In einem in der Akte befindlichen Beschluss sei ein Bericht erwähnt worden, den es erst wenige Tage später gab.

Mit dem Beginn der Hauptverhandlung enden vorerst umfangreiche Ermittlungen der Saalfelder Kriminalpolizei – diese Namen ihren Ausgang in einer Attacke auf rückreisende Jena-Fans im Dezember 2018 am Bahnhof Saalfeld.

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