Leitartikel: Geschlossenheit sieht anders aus

Elmar Otto über Dämpfer für die linke Führungsriege in Thüringen.

Elmar Otto

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Foto: Andreas Wetzel

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Das Landtagswahlergebnis war historisch. Erstmals ist die Linke stärkste Kraft in Thüringen. Inzwischen steht sogar eine Linke an der Spitze des Parlaments. Auch das hat es noch nie gegeben. Und die Spendeneinnahmen des Linke-Landesverbandes sind auf Rekordniveau.

Im Gegensatz zu anderen Parteien im Freistaat gibt es bei der Linken also keinen Grund für Kritik. Sollte man meinen. Eigentlich.

Doch die Parteitagsdelegierten haben am Samstag in Erfurt eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie man selbst in Zeiten des größten Erfolgs den Führungskräften einen Denkzettel erteilt. Lediglich schlappe 73 Prozent Zustimmung erhielt Parteichefin Susanne Hennig-Wellsow. Ihren beiden Stellvertretern erging es kaum besser. Auch Innenexperte Steffen Dittes und Sozialministerin Heike Werner schafften nicht den Sprung über die 80-Prozent-Marke.

Trotz dieses Höhenflugs und des einstimmigen Votums für ein rot-rot-grünes Minderheitsmodell mit SPD und Grünen sind die Genossen mit ihrem Spitzenpersonal unzufrieden. Ihnen missfällt eine gewisse Machtfülle der Verantwortungsträger, die neben der Partei auch in Fraktion und Regierung den Ton angeben. Dabei sollten sie die Doppelfunktion als Chance begreifen, um linke Interessen in der Exekutive durchzusetzen.

Natürlich hat Hennig-Wellsow, die mittlerweile seit sechs Jahren der Partei vorsitzt, auch eine gewisse Prellbockfunktion für den nicht bei allen Mitgliedern (gleich) beliebten Ministerpräsidenten Bodo Ramelow. Und die 42-Jährige musste in der Vergangenheit unbequeme Entscheidungen treffen. Sie konnte Karrieren befördern, aber auch bremsen oder gar beenden.

Gleichwohl haben die Delegierten das falsche Signal gesendet. Geschlossenheit sieht anders aus. Die politische Konkurrenz wird es schadenfroh verfolgt haben.

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