Zwei Herrenhäuser verschwinden von der Denkmalliste

Abrissbagger schaffen endgültige Lösungen in Meilitz (Kreis Greiz) und Walldorf (Südthüringen).

Foto: zgt

Erfurt/Greiz/Meiningen. Den finalen Akt für zwei denkmalgeschützte Thüringer Herrenhäuser muss Landeskonservator Holger Reinhardt jetzt vollziehen: ihre Streichung aus der Denkmalliste. Schloss Meilitz in Wünschendorf (Kreis Greiz) und Schloss Walldorf (Kreis Schmalkalden-Meiningen) wurden voriges Jahr einfach abgerissen. Gegen die Entscheidungen der beiden Landkreise als Untere Denkmalschutzbehörden war Reinhardt machtlos.

In beiden Fällen hatte sein Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Fachgutachten vehement für den Erhalt der historischen Gebäude plädiert. Bei den Abwägungsentscheidungen hatten die Landkreise jedoch offenbar den wirtschaftlichen Belangen der Eigentümer den Vorrang gegeben.

Bestürzt war Reinhardt gestern, als er durch die TLZ erfuhr, dass Schloss Walldorf bei Meiningen bereits Mitte Oktober 2013 den Abrissbaggern zum Opfer fiel. "Da haben wir nicht einmal eine Information bekommen", sagte er. "Es ist traurig." Bei dem Gebäudeensemble, das das Ortsbild prägte, handelt es sich um das ehemalige Mar­schalksche Schloss, dessen Entstehungszeit anhand verfügbarer Archivalien zwischen 1706 und 1775 datiert wird. Landläufig ist es indes nur als Pflegeheim bekannt.

Bereits 1596 hatte Bernhard Marschalk von Ostheim, Spross eines Adelsgeschlechts aus der Rhön, ein Spital für "alte arme Leute" gestiftet; in den 1830er Jahren brannte es ab, und man entschloss sich, das Marschalksche Anwesen selbst zu karitativen Zwecken umzuwidmen und umzubauen. 1875 wurde es als Kreisarmenhaus eröffnet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fand der herrschaftliche Komplex eine neue Bestimmung als Altenpflegeheim und erfüllte diese bis weit nach der Wende. Allerdings errichtete die Diakonie - inzwischen Trägerin der Einrichtung - 1997 einen modernen Neubau; seit dem Umzug der Bewohner wurde der historische Bau nicht mehr benötigt ...

Eilige Exekution

Ergo entschied der Landkreis Schmalkalden-Meiningen, dass dem Träger der weitere Bauunterhalt nicht zumutbar sei, und so wurde Schloss Walldorf exekutiert. Es war der letzte Denkmalsabriss in der Ägide von Landrat Ralf Luther (CDU), der gegen Proteste einer Bürgerbewegung schon 2009 die Vernichtung der Kammgarnspinnerei Wernshausen - mit Gründung 1834 eine der ältesten ih­rer Art - durchgepaukt hatte.

"Wir müssen sorgfältiger mit unserem kulturellen Erbe umgehen", beklagt Landeskonservator Holger Reinhardt. Eine juristische Handhabe obliegt ihm nicht. Aus seiner Sicht ist auch das Herrenhaus Meilitz im Landkreis Greiz ohne Not platt gemacht worden. "Der Bauzustand war so, dass man es hätte erhalten können", erklärte er gestern unserer Zeitung.

Reinhardt spricht von einem "prägenden Barockbau" mit Doppelmansarddach und mehreren Stuckdecken. Anno 1715 war das stolze Haus von Hans Lebrecht von Koppy und seiner Ehefrau Johanna Friederike von Wolffersdorf auf Gutsgrund errichtet worden. Architektonisch dominierte das Gebäude die Gegend um Wünschendorf, und kulturgeschichtlich verwies es darauf, dass der Amtsgerichtsbezirk Weida ehedem zum Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach gehörte.

Trotzdem stand das noble Gebäude seit 1990 leer, und der Eigentümer, ein Fuhrunternehmer, hatte an seinem Erhalt offenbar wenig Interesse. Veräußern ließ es sich nicht - wer will schon inmitten eines Fuhrparks wohnen, leben, arbeiten? Also genehmigte der Kreis Greiz den Abriss, indem er die wirtschaftlichen Interessen des Eigentümers höher bewertete als das öffentliche Interesse am Erhalt des Baudenkmals.

Eine Erörterung des vorausgegangenen Prüfverfahrens war gestern Nachmittag auf Nachfrage im Landratsamt Greiz nicht zu erhalten. Holger Reinhardt wundert das nicht. "Die Entscheidung ist nicht transparent", urteilt er - und vermutet politische Gründe. Ohnehin kennt er das Phänomen, dass vor allem im ländlichen Thüringen kleinere Baudenkmale gering geachtet und als lästig empfunden werden. Seine bittere Schlussfolgerung aus dem Fall Meilitz: "So etwas kann uns noch öfter blühen."

Letzten Einhalt hätte schließlich nur das Kulturministerium dem ruchlosen Treiben in der Provinz gebieten können. Aber in Erfurt habe man, wie ein Sprecher des Ministers Christoph Matschie (SPD) gestern erklärte, davon gar nicht erfahren. Er verwies auf die hohe Denkmaldichte im Lande - immerhin sind es noch 30.000.

Holger Reinhardt sorgt sich unterdessen vor allem um das Jagdschloss Hohe Sonne bei Eisenach, das Neues Jagdschloss Hummelshain, Schloss Poschwitz bei Altenburg, Schloss Reinhardsbrunn und Schloss Tonna in Gräfentonna. Zunehmend bröckelt da die Substanz - was die Eigentümer offenbar nicht sonderlich schert.

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