Buga-Jahr 2021: Erfurt sucht europaweit nach Inspiration

Mehrere Fliegen mit einer Klappe schlägt Rüdiger Paul Kirsten, wenn er ehrenamtlich als Vorsitzender der deutschen Jury des Wettbewerbs "Entente Florale" unterwegs ist.

Viel unterwegs als Vorsitzender der deutschen Jury des Wettbewerbs "Entente Florale": Rüdiger Paul Kirsten. Foto: Lydia Werner

Viel unterwegs als Vorsitzender der deutschen Jury des Wettbewerbs "Entente Florale": Rüdiger Paul Kirsten. Foto: Lydia Werner

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Erfurt. Und er kommt dabei seit Jahren sehr viel herum - auch in Europa, als deutscher Vertreter und Vize-Vorsitzender in der Europa-Jury. Von seiner Stadt, die auch sein Arbeitgeber ist, erfährt er volle Unterstützung , lobt er. Und er kann die geballten Kenntnisse aus dieser Tätigkeit für Erfurt einbringen.

Von Italien bis nach Irland und von Ungarn bis Belgien lernte er diesmal bei den nationalen Wettbewerbssiegern von "Entente Florale" erneut Menschen, Ideen und Projekte verschiedener Klimazonen, Mentalitäten und Kulturen kennen.

"Es ist einfach spannend, Europa unter diesem Aspekt zu erleben", fasst er zusammen. Es existieren so viele Herangehensweisen, Ansätze für touristische, wirtschaftliche und sozial-kulturelle Entwicklung, Bürgerbeteiligung oder Infrastruktur und die entsprechende finanzielle Untersetzung.

Von Haus aus Landschaftsarchitekt, hält er spätestens seit der gelungenen Buga-Bewerbung Erfurts auch die Augen offen, was sich in anderen Städten in dieser Hinsicht so tut. Gerade ist er von zwei Mehr-Länder-Touren mit äußerst straffem Programm als Jury-Mitglied von "Entente Florale" zurückgekehrt und noch voll von Eindrücken. Was er beim Blick über den Tellerrand entdeckt, erfahren auch andere Erfurter, ob sie im Urlaub oder beruflich unterwegs sind. Und als Vereinsvorsitzender der Erfurter Buga­freunde wünscht er sich möglichst viele Impulse daraus für den Weg zum Buga-Jahr.

Besonders interessant findet er die Frage: Wie geht man mit Problemen um, die überall anstehen? Strukturwandel, die Mobilitätsfrage oder demografische Veränderungen erfordern europaweit Ideen zum Handeln. "Tolle Projekte, die funktionieren, lernen wir dabei kennen", schwärmt Kirsten. Ist sich aber auch bewusst: Wenn etwas nicht klappt, bekommen dies Besucher nicht unbedingt auf die Nase gebunden.

"Wir können zum Beispiel lernen, dass wir künftig flexible Flächen in der Stadt vorhalten müssen - für Gewerbe, aber auch Wohnungen, oder Mischgebiete". In Sachen Stadtentwicklung befinde sich Erfurt aber auf einem guten Weg.

Von den Inselbewohnern nicht nur im englischen Birmingham kann man sich nach Meinung von Kirsten auch in Sachen direkter Beteiligung der Menschen an der Entwicklung ihrer Städte und Gemeinden eine Scheibe abschneiden. Von der Entwicklung der einstigen Industriestadt Birmingham ist er besonders beeindruckt. "Das Bewusstsein für die eigene Stadt, die Verbundenheit, sind dort sehr viel ausgeprägter als bei uns", hat er erfahren. Ehrenamt hat eine viele längere Tradition, einen anderen Stellenwert. "Es gibt große Parkanlagen, die von Ehrenamtlern betrieben werden." Da sind Mütter- oder Großelternvereine aktiv, wird Betreuung von Kindern auf Spielplätzen organisiert. Allein der Besuch von Birmingham böte reichlich Erzählstoff.

Einen aufmerksamen Blick sollten die Erfurter aber in Richtung Hamburg auf die Buga 2013 tun. Die Hansestadt macht eine Flaute durch. Zur Halbzeit waren 60.000 Besucher gezählt - das Ziel ist bei 2,5 Millionen gesteckt und realistisch gesehen nicht mehr zu schaffen. "Wir müssen in Erfurt aufpassen, im ausgewogenen Verhältnis Attraktionen schaffen, um die Menschen, auch junge Leute, auf die Flächen zu bringen", glaubt Kirsten. "Es reicht nicht, vorhandene Dinge wieder schick zu machen. Dafür zahlt keiner höhere Eintrittspreise."

Mit Ideen, Hinweisen und Kritiken im Hinblick auf das Buga-Jahr 2021 können sich nicht nur Erfurter an die Bugafreunde wenden. Auch Ega-Chefin Kathrin Weiß oder der Beigeordnete für Stadtentwicklung Uwe Spangenberg beziehungsweise deren Büros sind Ansprechpartner. "Was wir in erster Linie brauchen, sind weitere Mitstreiter auf dem Weg zur Buga 2021", bringt es Kirsten auf den Punkt.

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