"OQ-Paint": Künstler gestalten haushohes Memory an Erfurter Gebäudewand

Wer den Sonnenuntergang sehen möchte, muss den Kopf weit in den Nacken werfen. Auf dem Wandbild, das zwei Künstler dieser Tage im Erfurter Dalbergsweg an eine Hauswand sprühen, befindet sich das entsprechende Bild knapp unter dem Giebel.

Mit dem "Steiger" zum Arbeitsplatz: Zuerst wurde Fassadenfarbe aufgetragen, jetzt sprühen die "Members"-Künstler, hier Felix Schwager, Memory-Karten auf die Wand im Dalbergsweg 9. Foto: Martin Moll

Mit dem "Steiger" zum Arbeitsplatz: Zuerst wurde Fassadenfarbe aufgetragen, jetzt sprühen die "Members"-Künstler, hier Felix Schwager, Memory-Karten auf die Wand im Dalbergsweg 9. Foto: Martin Moll

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Brühlervorstadt. Das Werk hat 44 Einzelflächen von 1,10 x 1,10 Meter ­Größe. "Wir gestalten die Wand wie ein offen gelegtes Memory-Spiel", sagt Felix Schwager, nachdem er die letzten Sonnenstrahlen auf den Stein gebracht hat. Mit einem weiteren Mitglied der Erfurter Künstlergruppe "Members" zieht er abwechselnd Begriffe aus einem Topf, die beide dann in Bilder übersetzen. Jeweils 20 bis 30 Minuten nehmen sie sich pro Begriff Zeit, um ihn in ihrer jeweiligen künstlerischen Handschrift pärchenweise ans Haus zu sprühen. Das Besondere: Die Wörter - darunter "Giraffe", "Fotoapparat" und "Medusa" - haben Anwohner und Passanten ins Spiel gebracht.

Die Künstler klingelten bei Nachbarn des Hauses mit der Nummer 9, sprachen Spaziergänger und Geschäftsinhaber an, fragten sie nach Substantiven, die sie sich an der Hauswand vorstellen könnten - im Bild, versteht sich. Alle Begriffe, die bis Freitag das haushohe Bild vervollständigen, wollen die "Members"-Künstler nicht verraten. Nur so viel: "Der Begriff ‚Kernkraft‘ wäre mir sicher nicht für das Bild in den Sinn gekommen", sagt Schwager. Verwendet hat er ihn trotzdem.

Es gibt also viel zu entdecken in dem Kunstwerk, das kleinteilig und großflächig zugleich das Straßenbild unweit der Alten Oper verändern wird. Nach den zwei Bildern am Schmidt­stedter Knoten ist es das dritte Werk im Wandmalereiprojekt "OQ-Paint", dessen Ziel es ist, die Landeshauptstadt mit einer Open-Air-Galerie zu bereichern - gefördert wird es von der Kulturstiftung des Freistaats Thüringen und der Sparkassenstiftung Erfurt.

Etwa 3000 Euro werden pro Wandbild veranschlagt. "Nach dem dritten Bild wird es vielleicht einfacher, weitere Wände zu finden", sagt Felix Schwager. Anfangs hätten sich viele nichts unter den Wandgemälden vorstellen können; doch inzwischen dürfte sie jeder gesehen haben, der gelegentlich die Weimarische Straße oder die Stauffenbergallee entlang fährt. Das Interesse von Immobilienbesitzern sei durchaus da, sagen die Künstler. Schwierigkeiten bereiten jedoch immer wieder Auflagen und Vorschriften diverser Ämter. Sie hoffen, bald in der Neuwerkstraße die nächste Wand zu bekommen, der bunte Farben nicht schaden dürften ...

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