Von Edinburgh nach Erfurt mit nur einem Gang

Wenn Autos, Bahnen und Flugzeuge ihre liebe Not haben mit dem Winterwetter, bleiben die meisten Fahrräder im Keller oder in der Garage erst recht stehen. "Doch im Sommer kann ja jeder lange Radtouren absolvieren", dachte sich der Eichsfelder Markus Stitz. Er radelte an 13 Tagen von der schottischen Hauptstadt Edinburgh - wo er als Marketing-Manager lebt und arbeitet - in die thüringische Hauptstadt Erfurt.

Mit einem selbstgebackenem Eichsfelder Stollen von seiner Mutter und mit Glühwein empfingen Familie, Freunde und bekannte den Weihnachtsradler, der rechtzeitig vorm Fest am Freitag in Erfurt ankam. Gestartet war er 13 Tage vorher in Edinburgh.

Mit einem selbstgebackenem Eichsfelder Stollen von seiner Mutter und mit Glühwein empfingen Familie, Freunde und bekannte den Weihnachtsradler, der rechtzeitig vorm Fest am Freitag in Erfurt ankam. Gestartet war er 13 Tage vorher in Edinburgh.

Foto: zgt

Erfurt/Schwobfeld. Pünktlich zum Weihnachtsessen wollte er ankommen. Und das ist ihm gelungen. Am Donnerstagnachmittag traf er auf dem Domplatz ein und hatte am Heiligabend nur noch die vergleichsweise kurze Strecke von 90 Kilometern bis ins eichsfeldische Schwobfeld vor sich.

Pünktlich zum Weihnachtsessen

Eine besondere Herausforderung war nicht nur der Winter, der Europa fest im Griff hat. Der sportliche junge Mann nutzt auch keine Gangschaltung. Für die rund 1300 Kilometer lange Strecke kam er mit einem Gang aus. Dabei beflügelten in die letzten Kilometer bis nach Schwobfeld wohl ganz besonders. Denn dort wartete als Weihnachtsessen traditionell der Kartoffelsalat seiner Mutter.

"Eis, Schnee, Sturm und Nebel – außer Hagel habe ich eigentlich alles mehrfach erlebt", berichtete der 31-Jährige, dem am Donnerstag auf dem Domplatz ein begeisterter Empfang bereitet wurde. Eltern, die Familie seiner Schwester, Freunde und Bekannte wollten ihm zu dieser Leistung gratulieren. Strahlend ließ er sich den selbstgebackenen Eichsfelder Stollen seiner Mutter schmecken. "Darauf habe ich mich am meisten gefreut während der langen Tour", erzählt er.

Zu seiner ohnehin schon verrückt anmutenden Idee kommt noch hinzu, dass sich der Weihnachtsradler ohne Navigationsgerät auf die Tour begeben hatte und sich erst in Köln eine Karte zulegte. Dort dachte er übrigens ans Aufgeben – aber nur kurz.

Absteigen und Schieben war während der gesamten Strecke nur ein einziges Mal notwendig. Ein Berg in Nordengland war zu steil. Ansonsten radelte er täglich sechs bis sieben Stunden. Und verzweifelte nur in Amsterdam am Straßennetz, das ihm – für eine Großstadt – realtiv unübersichtlich vorkam.

Das zuvor neu angeschaffte Mountainbike hielt allen Belastungen prima stand. Und nach Bewältigung der Monstertour unter winterlichen Bedingungen sagt Markus Stitz: "Es war einfach wunderschön." Vergessen sind spiegelglatte Fahrbahnen oder tiefverschneite Radwege, die ihn zwangen, auf Straßen auszuweichen. Vergessen ist der Stress im Großstadtdschungel von Amsterdam. Vergessen ist auch das ungute Gefühl beim Fahren in den dunklen Abendstunden an den beiden ersten Reisetagen. Viele nette Menschen hat er dabei kennengelernt.

Aus Spaß an extremen sportlichen Herausforderungen allein hat er diese Tour nicht auf sich genommen. Markus Stitz sammelt Geld für die Wohltätigkeitsorganisation Bicycle Empowerment Network Namibia. Die bildet in Namibia unter anderem Fahrradmechaniker aus, repariert Gebrauchträder und leistet so nachhaltige Armutsbekämpfung vor Ort. Ob es für jeden der geradelten Kilometer ein Pfund wird – dieses ehrgeizige Ziel hat der Eichsfelder sich gesteckt – ist noch nicht abzusehen. Die Spendenaktion läuft noch, daher hofft Markus Stitz, die Summe noch aufzubringen.

Heute geht es übrigens schon wieder zurück nach Edinburgh. Diesmal mit dem Flugzeug – wenn der Winter keinen Strich durch die Rechnung macht.