So viel Material wie nie auf Weimars Rollplatz: 24 kleine Gärten

Einen "(T)Raum in Blau" entwarf Landschaftsarchitekt Stefan Leiste aus Chemnitz, "Wie aus Wiese Wolle wird" zeigen Dane Landschaftsarchitekten Weimar, "Was ihr wollt und dürft" entwickelten Henning Seidler und Janette Uhlig gemäß des diesjährigen Mottos.

Wie aus Wiese Wolle wird, zeigen Dane Landschaftsarchitekten Weimar mit ihrer Schäfchenwiese. Foto: Maik Schuck

Foto: zgt

Weimar. Insgesamt 24 kleine Garten-Installationen konkurrieren seit 11. Juli auf dem Rollplatz um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Auf jeweils fünf mal fünf Meter verdichtet, finden sich mit Witz, Phantasie, Hintersinn und Ideenreichtum arrangierte Gärten. Sie verzaubern, regen zum Nachdenken an, inspirieren, hinterfragen, zum Beispiel die Wegwerfgesellschaft.

Zum sechsten Mal verwandelte sich der Innenstadtparkplatz in einen Park-Platz mit Vogelgezwitscher und blökenden (Kunst-)Schafen. Was zur Entente Florale vor zehn Jahren seinen Anfang nahm, bezaubert seither alle zwei Jahre aufs Neue Weimarer und Touristen. Oberbürgermeister Stefan Wolf hob zur Eröffnung das große Engagement des Organisationsteams um Ihle Landschaftsarchitekten und Bauamtsleiter Thomas Bleicher und die Sponsoren hervor. Eine kleine Ausstellung lässt die seit 2004 von 79 Landschaftsarchitektur-Büros geschaffenen 132 kleinen Gärten Revue passieren.

Sie zeigen über den Reiz dieser Miniaturwelten auch noch etwas anderes, nämlich das große Potenzial des kleinen Platzes.

Bei strahlendem Sonnenschein konnte die Jubiläumsausgabe eröffnet werden. Die Hoffnung von OB Stefan Wolf, dass es so bleibt, erfüllte sich nicht: Sintflutartige Wolkenbrüche setzten den Gärten am Nachmittag massiv zu. Die Wasserspiele "rule the waves", wo die Besucher auf Knopfdruck Fontänen aufs umgebende Schiefer prasseln lassen können, gingen in den Regenmassen quasi unter. Dem Weimarer Stadtplan nachempfunden, sind die Spritzdüsen von dem Leipziger Büro Station C23 Sigrun Langner exakt an Weimars Brunnenstandorten platziert und können unabhängig voneinander ausgelöst werden. Die Wüste mit ihren Kakteen stand unter Wasser. Die deutsche und die argentinische Elf aus Zuckerhüten trotzten dem Regen in "Brasilien" (Wittig & Rietig GmbH) zum Glück noch. Feuchtigkeitsempfindliche Installationen aber mussten rasch mit Planen abgedeckt werden. Auch der gewaltige Octopus aus Pappmaché verschwand unter einer schützenden Plane. "Morgen ist schönes Wetter", gibt Eleonore Bleicher sich zweckoptimistisch, sie entwickelte den kulinarisch inspirierten Garten "Gehacktes mit Beilage und Deko". Mit einbrechender Dunkelheit zeigte sich der besondere Reiz einiger Gärten: "Eintauchen" konnte man in der gleichnamigen Installation der Weimarer Freiraumpioniere auch in Myriaden funkelnder Lichter.

Rund ein Jahr dauern die Vorbereitungen, informierte Bauamtsleiter Thomas Bleicher. Auf Entwurf und Ausführung werde kein Einfluss genommen. Lediglich das Thema werde vorgegeben. Burens Stelenplan von 1999 hatte quasi den Impuls gegeben. Das Projekt zeige, welche Qualität der Rollplatz gewinnen kann. So viel Material wie nie zuvor wurde für die Gärten 2014 bewegt, sagt Torsten Rehm, Ihle Landschaftsarchitekten. Allein 30 Kubikmeter Schüttgut musste angefahren werden. Die Pflanzen wurden größtenteils von der Stadtgärtnerei zur Verfügung gestellt. "Hält man das wirklich durch?", fragt sich Torsten Rehm, ob es nach der Jubiläumsausgabe 2016 eine Fortsetzung geben kann. Denn die Vorbereitung erfordere "enorm viel Kraft". Auf ihr Preisgeld von 2012 verzichteten teilnehmende Büros und sponserten damit eine Figurengruppe aus Holz, die Basteleien aus Kastanien nachempfunden ist. Die Weimarer Holzbildhauer Hecker und Kasper fertigten die Figuren, die derzeit in der Weimarer Innenstadt unter Kastanien noch "ein neues Zuhause suchen".

Bis 13. Juli, gegen 13.30 Uhr Siegerehrung, 15 Uhr Versteigerung von Gartenteilen

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