Weimarer Wissenschaftler fördern überraschende Musikalienfunde zutage

Kaltensundheim/Weimar  Im Musikarchiv von Kaltensundheim sind Weimarer Wissenschaftlern überraschende Funde untergekommen. Auszüge daraus werden bei den Adjuvantentagen vorgestellt.

Musikwissenschaftlerin Helen Geyer.

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Verblüffende Musikalienfunde sind Weimarer Wissenschaftlern im Adjuvantenarchiv von Kaltensundheim geglückt. Der kleine Ort in der Rhön beherbergte Abschriften hochkarätiger Chorwerke, unter anderem von Haydn, Schweitzer und Zumsteeg, wie die emeritierte Musikprofessorin Helen Geyer berichtet. Auszüge daraus werden nun bei den diesjährigen Adjuvantentagen am 7. und 8. September in der Kirchenburg St. Albanus von Kaltensundheim musiziert.

Adjuvanten hatten als ausgebildete Laien-Musiker seit der Frühneuzeit in kleineren Orten die Aufgabe, den Kantor bei der musikalischen Arbeit zu unterstützen. Sie sangen und spielten zu Gottesdiensten und an kirchlichen wie weltlichen Festtagen. Ihr Notenmaterial - zumeist in zeitgenössischen Abschriften - hat sich vielerorts in lokalen Archiven erhalten, die noch immer nicht vollends systematisch erforscht sind. Mitunter erleben die Wissenschaftler dabei große Überraschungen - so auch diesen Winter und Frühjahr in Kaltensundheim.

Das dortige Archiv birgt Handschriften vom 17. bis weit ins 19. Jahrhundert. Darunter fanden sich, wie Geyer berichtet, ein Orgelbüchlein mit Transkriptionen sehr alter Werke hiesiger Komponisten aus dem 17. Jahrhundert, zwei Kantaten von Johann Rudolf Zumsteeg, der eigentlich in Süddeutschland zu Hause war, das Oratorium „Die Auferstehung Christi“ von Anton Schweitzer mit einem Libretto des Hildburghäuser Herzogs Ernst Friedrich Karl sowie das aufwendige „Te Deum“ für Kaiserin Maria Theresia von Joseph Haydn - ebenfalls mit einem deutschsprachigen Text. Eminent ist laut Geyer vor allem der Fund der beiden Zumsteeg-Kantaten, weil es für diese Werke keine anderen Quellen gibt, es also Unikate sind. Unklar bleibt vorerst, ob es sich um Abschriften oder Autografen von der Hand des Komponisten selbst handelt. „Dass offenbar eine große Motettentradition in Kaltensundheim existierte, hat uns erstaunt“, gesteht Helen Geyer. Die Handschriften wurden inzwischen ins Landesmusikarchiv an der „Franz Liszt“-Musikhochschule nach Weimar überführt. Auszüge werden jetzt bei den Adjuvantentagen in St. Albanus von einem Projektchor und dem Thüringer Bach Collegium musiziert. „Unser Anliegen ist es, den Menschen vor Ort zu zeigen, was für eine tolle Musik-Tradition sie haben“, erklärt Helen Geyer. Und natürlich sind alle Thüringer zu diesem Adjuvanten-Revival eingeladen.

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