Kunstpause: Probelauf für den Ruhestand

Frank Quilitzsch über häusliche und andere Unzulänglichkeiten

Frank Quilitzsch

Frank Quilitzsch

Foto: Andreas Wetzel

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Vielen Dank für die Nachfragen. Nein, ich werde nicht als Staubsauger-Vertreter meine Tage fristen, ich habe noch andere Talente. Und natürlich darf ich nicht Hersteller und Typ des von mir getesteten Akku-Saugers verraten. Ich sage nur: Hermann.

Damit kein falscher Eindruck entsteht, ich bin in häuslichen Angelegenheiten nicht so umtriebig, wie ich mir und K. manchmal weiszumachen versuche. Nehmen wir nur unseren Tischenzwisch, der im Treppenflur als Ablage für alles dient. Statt ihn aufzuräumen, beschreibe ich ihn lieber. Oder die lästigen Zahnpasta-Flecken im Bad. Statt zum Scheuerlappen zu greifen, fahr ich schnell zwei, drei Mal mit dem Filzpantoffel drüber. Das ist nicht professionell, aber
effektiv.

Es macht keinen Sinn, um den heißen Brei herumzureden: Mein Lieblingsplatz im Haus ist nicht die Küche, nicht das Bad, schon gar nicht jene Kammer, in der die Haushaltsgeräte schlummern, sondern der Schreibtisch. An ihm sitze ich auch jetzt und steigere Kolumnen schreibend das Bruttosozialprodukt. Bestimmt werde ich das als Rentner noch ausgiebiger tun, egal ob mich noch jemand lesen will. Schreiben ist wie Holzhacken. Es strengt an, aber beruhigt. Und hinterher hat man was zum Verbrennen.

In den Wochen nach meinem Fahrradsturz habe ich schon mal für den Ruhestand geprobt: Klinik, Arzt- und Apothekenbesuche, heilende Spaziergänge, hin und wieder ein Nickerchen nach dem selbst gekochten Mittagsbrei. Na ja, Kochen gehört nicht zu meinen Domänen. Bratkartoffeln, Spiegelei, Spaghetti sowie Eierkuchen mit Banane..., die Menükette ist nicht allzu lang. Und Mehlsuppe mit Klümpchen natürlich! Es fällt aber auch schwer, auf diesem Gebiet zu glänzen,wenn K. aus ihren frischen Marktprodukten eine Köstlichkeit nach der anderen zaubert.

Natürlich werde ich als Rentner nicht den ganzen Tag vorm Computer hocken. Auch das Aufstehen will geprobt werden. Punkt vier erhebe ich mich, koche Kaffee und heize den Kamin an. Dann trete ich auf den Balkon hinaus und halte Ausschau. Nie weiß man genau, wann und von wo K. kommt.

Ach, wie kann warten schön sein!

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