Kunstpause: Verdienstkreuz nach der Erfurter Weihe

Karsten Jauch über eine Ehrung des Theologen Tómaš Halik.

Karsten Jauch.

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Foto: Marco Kneise

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In der deutschen Botschaft in Prag – wir kennen den Palast vom Auftritt Hans-Dietrich Genschers im September 1989 – ist am Montag der tschechische Theologe Tómaš Halik ausgezeichnet worden. Er erhielt das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Mit der Auszeichnung werde Haliks Engagement für die deutsch-tschechische Versöhnung, den interreligiösen und internationalen Dialog sowie den Humanismus gewürdigt, teilte eine Sprecherin der Botschaft mit. Aus Thüringen ist leider niemand angereist, um an der Feier teilzunehmen, erklärte das Bischöfliche Ordinariat. Das ist schade. Denn genau vor 41 Jahren begann hier für Halik ein wichtiger Lebensabschnitt, und darum fand auch die Auszeichnung an diesem Tag statt: Am 21. Oktober ist er in Erfurt heimlich zum Priester geweiht worden. Bischof Hugo Aufderbeck hat die Zeremonie damals in seiner Privatkapelle, die sich abgeschirmt auf der Rückseite der Residenz am Herrmannsplatz befindet, vorgenommen. Nicht einmal Haliks Mutter erfuhr davon.

Mit feurigen Worten erinnerte sich Halik später an seine Ankunft im Herbst 1978: „In Erfurt hatten die ostdeutschen Genossen den gesamten Bahnhof mit einem roten Transparent behängt, auf dem das Lenin-Zitat zu lesen war: Aus dem Funken schlägt die Flamme. Auch aus dem unseren, sagte ich mir im Geiste, nur dass unsere Flamme wesentlich länger brennen wird als die eure.“

Zunächst musste sich Tómaš Halik, der gerade erst 30 Jahre alt war und als Student angereist war, verstecken. Die Ursulinen hatten das in ihrem Kloster auf dem Anger arrangiert. Geheimgehalten vor der Stasi und dem tschechoslowakischen Geheimdienst, konnte er in Erfurt die Priesterweihe erhalten, die ihm in der CSSR verwehrt blieb. Dort hatten die Kommunisten ein staatliches Kirchenamt eingerichtet, welches das kirchliche Leben überwachen sollte. So blieb vielen Priestern nur der Weg in eine Untergrundkirche.

In der Rückschau kann man in dem Ereignis eine Symbolik sehen. Nach der Messe habe sich Tómaš Halik mit dem damaligen Erfurter Weihbischof Joachim Meisner, der später einmal Kardinal und Erzbischof von Köln wurde, im Westfernsehen die Inthronisation des Papstes angesehen. Es war Johannes Paul II., der allen zurief: Fürchtet euch nicht! Genau das hat Halik getan. In seinem Buch „Starker Wein, nicht lauwarmes Wasser“ plädiert Halik für eine Erneuerung der Kirche. Inzwischen ist er Ehrendoktor der Erfurter Universität.

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