Netzentdecker: So sparen Sie am meisten

Hajo Schumacher über den Black Friday.

Hajo Schumacher

Hajo Schumacher

Foto: Reto Klar

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Gehen Sie bitte weiter, hier gibt es nichts zu sehen und erst recht nichts zu sparen. Lesen Sie ein gutes Buch, umarmen Sie einen lieben Menschen, pflanzen Sie einen Apfelbaum, aber kommen Sie nicht auf die Idee, am Black Friday oder Cyber Monday dieses Internet zu benutzen.

Seit Tagen wird Ihnen in Anzeigen, Mails und Posts jede Menge Glück versprochen, aber Sie werden das Gegenteil erleben: Produktenttäuschung, Kontoschwäche, Müllberg. Sie werden nicht einen Cent sparen, sondern, im Gegenteil, viel mehr Geld ausgeben, als Sie wollen oder können. Also atmen Sie tief, fürchten Sie sich vor Altersarmut und bleiben konsequent offline die nächsten Tage.

Was? Sie haben von „Black Friday“ und „Cyber Monday“ nie gehört? Kaum möglich. Allein in Deutschland haben sich über 500 Online-Händler zusammengetan, um zwei triste Tage Ende November und Anfang Dezember zu Festtagen des Hyperkonsums zu erklären. So wie der Valentinstag von Floristen erfunden wurde und Halloween von der Masken-Industrie, sind auch Black Friday und Cyber Monday reine Marketing-Spektakel zum Zweck der Absatzförderung. Im Vertrauen: Es kann sein, dass Sie sich an diesen Tagen einsam fühlen, weil Sie nichts bestellen. Aber das ist völlig okay: Rabattimmunität ist eine der wichtigsten Charaktereigenschaften der Zukunft.

Der Black Friday kommt natürlich aus den USA und meint den Brückenfreitag zwischen dem truthahnhaltigen Erntedankdonnerstag und dem letzten Wochenende im November, wenn der US-Bürger gern den ersten Kofferraum voller Weihnachtsgeschenke erwirbt. Europa hat weder Thanksgiving noch Brückenfreitag, was den Onlinehandel aber nicht daran hindert, eben diesen Freitag und den darauffolgenden Montag zu Welttagen der Schnäppchenjagd zu erklären. Ein geradezu obszönes Werbefeuerwerk auf allen Kanälen signalisiert: Wer jetzt nicht kauft, ist selber schuld. Die erste Wahrheit lautet: Letztlich geht es nur darum, die Konsumlücke zwischen Ende der Herbstferien und dem ersten Adventswochenende zu schließen. Und die zweite: Wahre Liebe braucht keine Geschenke, sondern Zeit. Mit oftmals trügerischen Versprechen von fabelhaften Rabatten soll den Menschen das Weihnachtsgeld bereits aus der Tasche gezogen werden noch bevor es auf dem Konto eingegangen ist.

Die Rabatte werden vor allem auf Elektronik, Kosmetika, Klamotten und Spielzeug gewährt, exakt jener Krempel, mit dem Menschen in westlichen Breiten nur selten unterversorgt sind. Paradoxe Welt: Einige unserer Kinder gehen freitags demonstrieren, gegen Klimawandel, Plastikflut und Konsumwahn generell, die anderen ordern mit Geld, was sie nicht haben, den Müll von morgen, den keiner braucht. Doch die digital befeuerte Hysterie funktioniert: Black Friday und Cyber Monday simulieren zusätzliche Weihnachtsfeiertage und sorgen für Umsatzrekorde.

Verbraucherschützer warnen allerdings davor, vor lauter Rabattgier den klaren Blick zu verlieren. Denn manche Hammerangebote sind großmäulig, aber nicht günstig. Oftmals werden ältere Geräte als brandneu angepriesen, was nicht sofort auffällt, da die Typenbezeichnungen ähnlich klingen.

Die vollständige Verwirrung des Kunden gehört offenbar zur kollektiven Strategie aller Anbieter, selbst Preisvergleichsmaschinen funktionieren nicht immer zuverlässig. Addiert man Coupons, angeblich zinslose Kredite, Cashback-Versprechen und die vermeintlichen Vorteile von Finanzdienstleistern oder Kartenanbietern hinzu, braucht der Kunde eine Spezialausbildung als Verbraucherschützer, um Vorteile von Tinnef zu unterscheiden. Der Duden definiert das Sparen als „Geld nicht ausgeben, sondern zurücklegen“. Daher hier der ultimative Spartipp: Ignorieren Sie Black Friday und Cyber Monday.

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