Problemzonen: Aktives Beifahren

Elena Rauch über Grenzerfahrungen im Auto.

Elena Rauch.

Elena Rauch.

Foto: Andreas Wetzel

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Gerade noch war alles schön. Man hat die fünf Koffer mit der allernötigsten Grundausstattung für zwei Wochen, Schlauchboot und Rennrad im Auto verstaut; dem Nachbarn die Pflege des kränkelnden Ficus Benjamini anvertraut; 18 Reisebrote geschmiert; die ADAC-Checkliste abgehakt und das Navi programmiert. Und dann das. Spätestens nach der Passage des Brennerpasses fragt man sich, warum man eigentlich geheiratet hat. 76 Prozent der deutschen Paare, konstatiert eine Studie, streiten im Auto. Mehrheitlich gibt es Zoff, wenn die Frau am Steuer sitzt.

Meist beginnt die Kommunikation nonverbal mit der typischen Haltung des ungeübten Beifahrers: Die Beine ausgestreckt gegen den Autoboden gedrückt, die Hand an den Türgriff geklammert. Häufig wird versucht, die aufsteigende Panik mit einer Redeflut zu kompensieren: Willst du nicht überholen? Warum überholst jetzt? Du bist zu weit links. Du musst zu weit rechts... Männer erleben den ungewohnten Kontrollverlust als eine existenzielle Erfahrung. Es geht auch anders. Kürzlich habe ich meinem Beifahrer das Handy in die Hand gedrückt, wo sie die letzte Bergetappe der Tour de France übertrugen. Beim Überholen habe ich mehrfach den Blinker mit dem Tempomat verwechselt, ich fahre sein Auto nicht so oft. Es war eine irritierende Erfahrung, aber ich schwöre: er hat nichts gemerkt. Aber die Tour ist vorbei, die lange Urlaubsfahrt liegt noch vor uns. Beim ADAC gibt ein Konvolut von Tipps, wie man Kinder auf der Rückbank über die Fahrt bekommt, ohne sie unterwegs aussetzen zu müssen. Wie man einen Beifahrer ruhig stellt, erfährt man nicht. Der Automobilclub hinkt der Zeit hinterher.

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