Problemzonen: Das goldene Schlüsselchen

Elena Rauch über Passwörter.

Elena Rauch

Elena Rauch

Foto: Andreas Wetzel

Um den Leuchtturm kreist ein Schwan auf dem Dreirad und der hat den Schnabel voll mit Klee – wenn Sie demnächst jemanden am Bankautomaten Sätze wie diesen murmeln hören, bieten Sie keine Hilfe an. Er folgt nur einer Empfehlung des Bundesverbandes für Gedächtnistraining, wie man Zahlen mit Symbolen verbindet, um sie sich besser merken zu können.

Denn der Verband erkannt: In Zeiten des Lockdowns, in denen die Fähigkeit, auf allen Kanälen digital kommunizieren zu können, alles entscheidet, erlangen die sogenannte Pin oder das Passwort existenzielle Bedeutung. Es ist das „Sesam öffne dich“, das goldene Schlüsselchen in die digitale Welt.

Früher war es unkompliziert, man hatte mit Handy und Bankkarte maximal zwei geheime Ziffernfolgen in ständigem Gebrauch, das kann sogar eine Frau wie ich mit Neigung zur Dyskalkulie noch beherrschen. Jetzt ist man Homeoffice-bedingt schon allein mit einem zusätzlichen Diensthandy unterwegs, hinzu kommen Codes und Passwörter für diverse Telefonkonferenzen, Videoschalten und Lieferdienste. War es vierstellig oder der Buchstabensalat? In welchem Forum hatte ich mir gleich mit dem Namen meines ersten Wellensittichs Zugang verschafft und wo mit dem Geburtsort meiner Großmutter? Selbst ein Standartcode hilft nicht immer, manchmal wird ein Sonderzeichen verlangt, dann wieder Großschreibung – wer soll sich das merken. Außerdem warnen Datenschützer davor. Mein Mitbewohner hat zu diesem Zweck eine verschlüsselte Liste angelegt. Ich hatte das als Ausdruck preußischen Ordnungswahns belächelt, bis ich neulich mitten in einer fremden Stadt drohte, in dunkelste Isolation zu versinken, weil ich mich nicht mehr an den Code des Diensthandys erinnern konnte. Manchmal, sehr selten, haben Männer recht. Aber was machen wir, wenn er den Code für den Code vergisst? Dann sind wir aus der digitalen Welt verbannt und müssen unser Leben analog fristen. Ach, wir Armen.