Problemzonen: Der große Schnapp

Elena Rauch über Schnäppchenjäger.

Foto: Andreas Wetzel

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Wer dieser Tage durch die Innenstädte läuft, wird mit dem traurigen Gefühl konfrontiert, dass der Sommer gelaufen ist: Achselshirts um 40 Prozent gesenkt, vier Gesundheitssandalen zum Preis von zwei, Bikinis knallhart reduziert. Was Gelegenheit bietet, den Begriff „Schnäppchenjagd“ einmal gendergerecht zu hinterfragen. Denn gemeinhin wird Frauen gern der Hang zu diesem Einkaufverhalten nachgesagt, das außerdem stark negativ besetzt ist: Wer Schnäppchen jagt, wird von seiner Umwelt als notorischer Geizhals und Kleinkrämer wahrgenommen, der sich hämisch freut, wenn er seinen Geschäftspartner übers Ohr hauen kann. Das setzt ein zielorientiertes Einkaufen voraus, das nur Männern eigen ist. Ein Mann, der eine Hose braucht, kauft die Erste an, die ihm begegnet und irgendwie passt, dann flüchtet er erleichtert nach Hause. Dem weiblichen Einkaufsverhalten ist das wesensfremd. Wenn eine Frau zum Beispiel eine Bluse sucht und dabei zufällig ein Paar Schuhe sieht, die von 100 Euro auf 50 gesenkt sind, kauft sie diese und setzt die gesparten 50 Euro umgehend für ein weiteres Paar ein. Damit hat sie 100 Euro gespart und gleichzeitig zwei Paar Schuhe erworben, die sie eigentlich gar nicht wollte, aber trotzdem immer braucht. So entsteht eine Win-win-Situation zwischen Käufer und Verkäufer und hält gleichzeitig den innerstädtischen Handel am Leben.

Männer dagegen setzen sich auf die Couch und gucken ins Internet. Wo sie dann, wie Studien zeigen, sehr gern herabgesetzte Elektronik kaufen. Guck mal Schatz, dieser fabelhafte Großbildfernseher für nur 899 Euro, da musste ich einfach zugreifen! In solchen Größenordnungen kann dann allerdings nicht mehr von „Schnäppchen“ die Rede sein, sie sind ein ausgewachsener Schnapp. Und nun urteilen Sie selber, welches Einkaufsverhalten nachhaltiger ist.

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