Problemzonen: Kuchen der Hoffnung

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TH Logo Personen Kolumne Elena Rauch

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Foto: MGT / Sascha Fromm

Elena Rauch arbeitet an sich.

Neulich im Supermarkt hatte ich ein Déjà-vu. Es ist kurz vor Ostern, und es gab keine frische Hefe. Kein einziges Krümelchen, nur Tütchen mit Trockenhefe. Das war schon im vergangenen Jahr so. Das Defizit war, vermuteten damals viele, der Zwangsentschleunigung im Lockdown geschuldet, der die Nation in den Backwahn trieb. Ob sich das Hefe-Phänomen durch die gesamte Zeit gezogen hat, kann ich nicht sagen, ich brauche Hefe nur einmal im Jahr. Und das ist heute, am Samstag vor Ostern. Dann versuche ich jedes Jahr aufs Neue einen Osterkuchen herzustellen, wie ihn meine ukrainische Urgroßmutter buk.

Man braucht dafür neben Hefe, Mehl, Unmengen von Eigelben und Zeit, ein schwer durchschaubares Zusammenspiel von Mondstand, Magnetfeldern, positiver Raumschwingungen und noch irgendwas. Dann gleicht er innen einem gelben Wölkchen und außen dem Turm zu Babel. Aber nicht bei mir. Ich mache einen Fehler, aber ich weiß nicht wo.

Mit meinen steinharten Osterkuchen ließe sich kapitales Hochbeet mauern, vor dem jede Buga-Rabatte vor Neid erblassen würde. Ich versuche es trotzdem immer wieder. Vielleicht, weil Ostern das Fest der Hoffnung ist. Oder es liegt am Selbstoptimierungswahn, für den Frauen so anfällig sind. Ständig fragen wir, was wir falsch gemacht haben, warum dieses oder jenes nicht gelingt und arbeiten daran. Lass es doch sein, sagt mein Mitbewohner, schade um die Zeit. Er kann das nicht verstehen.

Einem Mann, der von Natur aus perfekt ist, sind Selbstzweifel fremd. Sonst hätte er zum Beispiel, als neulich unter Geschirrspüler kaputt ging und dessen Bedienung in seiner Kompetenz liegt, sich erst einmal kritisch hinterfragt.

Er hätte nach eigenen Fehlern gesucht, hätte im Internet recherchiert, zum Werkzeugkasten gegriffen. Er hätte zumindest versucht, über sich selbst hinauszuwachsen, und wer weiß …?

Ostern ist schließlich auch das Fest des Wunders. Aber er fand keinen Grund, sich selbst zu optimieren, er bestellt hinter meinem Rücken einfach einen Neuen. Bis der geliefert wird, dauert es.

Deshalb wird er die Spuren meiner Selbstoptimierung eigenhändig wegspülen müssen. Ich kann auch nicht anders.