Problemzonen: Spurlos im Biomarkt

Elena Rauch über neue Beziehungstrends.

Elena Rauch

Elena Rauch

Foto: Andreas Wetzel

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Wenn ein Mann, der sagt, er gehe nur schnell etwas einkaufen, nehmen wir an ein Brot oder eine Dose Ravioli, und dann verschwunden bleibt, ist das kein unerklärbares Phänomen. Bekanntlich haben viele Männer große Probleme, sich in einem Supermarkt zurecht zu finden. Beim Suchen nach dem richtigen Regal kann es schnell passieren, dass Stunden vergehen. Einer Frau passiert das selten. Die Ursachen sind ein weites Feld, nur so viel: Es hat mit den unterschiedlichen Erfahrungshorizonten im Umgang mit solchen Orten zu tun. Es gibt auch Männer, die zeitweise beim sogenannten Shoppen im Gewühl verloren gehen, dann hat die Frau im entscheidenden Moment nicht aufgepasst. Das kann der Betroffene zwar als traumatisch empfinden, aber es ist kein Grund zur Beunruhigung. Die meisten Männer finden allein nach Hause.

Grund zur Sorge besteht dagegen, wenn der Mann nach Mantel und Smartphone greift und ankündigt, er gehe nur mal eben Zigaretten holen. Jede Frau weiß, dass auf diese Weise schon Millionen Männer spurlos verschwunden sind. Es ist der Klassiker. Doch in Zeiten, in denen das Rauchen gesellschaftlich stigmatisiert ist, wird ein solcher Abgang zunehmend zu einer Randerscheinung.

Dafür beobachten Soziologen die Zunahme einer neuen Erscheinung, die mit dem schönen Wort „Ghosting“ beschrieben wird. Gerade noch war der Mensch da, dann ist er ein verschwundener „Geist“. Interessanterweise werden mehrheitlich junge Frauen als Täterinnen benannt. Jede vierte Frau soll sich nach einer kurzen Bekanntschaft schon mal spurlos davongemacht haben. Weshalb Männer gut beraten sind, sich endlich einen sicheren Überblick im Supermarkt zu verschaffen. Um bei der Ansage, „die Sojamilch ist alle, ich geh mal schnell“, umgehend selber handeln zu können.

Es könnte zu einem neuen Trend werden.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren