Topfgucker: Dessert zur Blasmusik

Ingo Glase

Ingo Glase

Foto: Sascha Fromm

Ingo Glase über erste Erfahrungen mit Marillen.

Marillen gehören zu Österreich wie Wiener Schnitzel und wie Blasmusik. Schon von Weitem leuchten an vielen Straßenständen inmitten der Berge die golfballgroßen Aprikosen in solch einem knalligen Orange, dass einem gleich das Wasser im Mund zusammenläuft – obwohl sie dann oft mit mehligem Fruchtfleisch enttäuschen. Um dem vorzubeugen, servieren die Österreicher ihre Marillen gern in verarbeiteter Form, dann ist jede Einzelne ein Hochgenuss, etwa als samtig fein pürierte Konfitüre, versteckt im legendären Topfen-, also Quarkstrudel, oder im Streuselkuchen mit Frischkäse-Belag.

Die Römer brachten angeblich die pelzigen Früchte in ihren Tornistern über die Alpen und haben wohl die Kerne achtlos liegen gelassen, so wurde die Marille dort heimisch.

Offenbar habe ich beim ersten Halt an einem Marillen-Stand entlang der Landstraße noch ein paar römische Exemplare bekommen, denn sie waren so hart wie der Kern in der goldenen Mitte. Glücklicherweise fand ich im Ferienhaus ein Rezept für Marillenknödel, welches auf den Bildern nicht nur lecker aussah, sondern auch schnell abzuarbeiten schien. Aus 250 Gramm Magerquark, 120 Gramm Mehl, 60 Gramm weicher Butter, einem Ei und einer Prise Salz sollte ein schöner Teig werden, ich musste dafür noch etwas Mehl zugeben. Da hilft halt Thüringer Kloß-Erfahrung. Jede Marille wird nun in etwas Teig eingewickelt und in wallendem Wasser gekocht, bis die Teigbälle an der Wasseroberfläche schwimmen.

Derweil in einer Pfanne Butter schmelzen lassen, Semmelbrösel anrösten, Zimtzucker dazugeben und die Knödel vor dem Servieren darin wälzen.

Die Marillen waren leider immer noch steinhart, aber Zimt und Zucker sowie die gekaufte Marillenkonfitüre passten ganz wunderbar dazu. Ein herrliches Dessert nach Wiener Schnitzel und Blasmusik.