Der Wert der Pressefreiheit – 30 Jahre Thüringer Allgemeine

Die Thüringer Allgemeine war die erste unabhängige Tageszeitung. Sie befreite sich heute vor 30 Jahren vom Einfluss der SED-PDS. TA-Chefredakteur Jan Hollitzer blickt zurück und nach vorn.

Am 15. Januar 1990 erscheint „Das Volk“ zum letzten Mal und kündigt seine Unabhängigkeit unter dem neuen Namen „Thüringer Allgemeine“ an. Die Ausgabe - mit überdrucktem Zeitungskopf - wird von Redakteuren auf der Straße verkauft.

Am 15. Januar 1990 erscheint „Das Volk“ zum letzten Mal und kündigt seine Unabhängigkeit unter dem neuen Namen „Thüringer Allgemeine“ an. Die Ausgabe - mit überdrucktem Zeitungskopf - wird von Redakteuren auf der Straße verkauft.

Foto: Roland Obst/Andreas Wetzel

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

heute vor 30 Jahren erschien die erste Thüringer Allgemeine, wie Sie sie heute kennen. Diesem historischen Tag für freie Presse ging ein mehrmonatiger Prozess voraus, in dem sich die Redaktion von „Das Volk“ vom Einfluss der SED-PDS löste und die Funktion als Organ der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands abstreifte. Die Thüringer Allgemeine war damit die erste unabhängige Tageszeitung.

Diesen Jahrestag nehme ich zum Anlass, um den krassen Unterschied zwischen freiem, unabhängigem, kritischem Journalismus und „Journalismus“ in Zeiten von Zensur sowie staatlicher Einflussnahme zu verdeutlichen. Für den direkten Vergleich gehen wir 31 Jahre zurück und drucken heute auf Seite 24 eine Titelseite von „Das Volk“ vom 16. Januar 1989.

Zeitung war voll von Staatspropaganda

Damals wurde groß über die Feierlichkeiten zu Ehren Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs an der Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin Friedrichsfelde berichtet - vorgegeben aus Berlin. Es ist von einer „vierstündigen machtvollen Kampfdemonstration“ zu lesen. Die Zeitung war voll von Staatspropaganda. Und es war üblich, dass seitenweise Reden von Erich Honecker oder in diesem Fall von Joachim Herrmann, Mitglied des Politbüros und Sekretär des ZK der SED, abgedruckt wurden. Es spielte dabei keine Rolle, ob dafür die regionale und lokale Berichterstattung, die für uns heute an erster Stelle steht, keinen Platz mehr fand. Denn für sie war auf den acht Seiten, die „Das Volk“ damals hatte, ohnehin nur eine vorgesehen. Auch das ist ein krasser Unterschied. Heute bietet die „Thüringer Allgemeine“ neben mehreren Seiten regionaler Berichterstattung einen ganzen Lokalteil.

30 Jahre Thüringer Allgemeine bedeuten 30 Jahre unabhängiger, kritischer und verlässlicher Journalismus für die Menschen in Thüringen. Presse- und Meinungsfreiheit sind keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Errungenschaft und Voraussetzung für eine funktionierende Demokratie.

Ministerpräsident Bodo Ramelow gratuliert auf Twitter:

Bekenntnis zum Pressekodex

Durch unsere an Fakten orientierte Arbeit geben wir Ihnen die Möglichkeit, sich eine Meinung zu bilden, ohne Ihnen vorzuschreiben, was Sie zu meinen haben. Denn genau das unterscheidet die klassischen Medien wie die Thüringer Allgemeine von interessengesteuerten Absendern. Wir polarisieren nicht, wir versuchen zu differenzieren. Wir agitieren nicht, wir wollen informieren.

Entscheidend ist dabei auch das Bekenntnis zum Pressekodex. Die Achtung vor der Wahrheit, die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit und die Wahrung der Menschenwürde sind für uns keine Plattitüden.

Herzlichst im Namen der Redaktion Ihr

Jan Hollitzer

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