Ex-Hauptinvestor von Rot-Weiß Erfurt: „Wir wollen unser Geld zurück“

Erfurt.  Im Millionen-Streit um Rot-Weiß Erfurt fordert der ehemalige Hauptinvestor Andreas Scheibe sein Geld zurück und attackiert den Insolvenzverwalter scharf.

29/04/2006-Erfurt: Fussball Regionalliga FC Rot Weiss Erfurt - FC Carl Zeiss Jena 0:1 / Feature (TA-Foto: Sascha Fromm / DIGITAL)

29/04/2006-Erfurt: Fussball Regionalliga FC Rot Weiss Erfurt - FC Carl Zeiss Jena 0:1 / Feature (TA-Foto: Sascha Fromm / DIGITAL)

Foto: Sascha Fromm

Für die vor rund einem Jahr gescheiterte Ausgliederung der Profiabteilung des FC Rot-Weiß Erfurt hatte Insolvenzverwalter Volker Reinhardt die ehemaligen Investoren verantwortlich gemacht. Diese hätten vertragliche Verpflichtungen nicht erfüllt. Eine Darstellung, die Andreas Scheibe vom Hauptinvestor A.S.G.V. Grundbesitz und Verwaltung GmbH entschieden zurückweist und seinerseits schwere Vorwürfe gegen Reinhardt erhebt. In unserem Interview erklärt er, warum er sich um sein Geld betrogen fühlt, wie groß seine Hoffnung auf einen juristischen Sieg ist und ob er sich ein neuerliches Engagement beim FC Rot-Weiß vorstellen kann.

Herr Scheibe, Insolvenzverwalter Volker Reinhardt wirft Ihnen einen Rachefeldzug vor, weil es nicht zu Ihrem Einstieg beim Verein kam. Sind Sie tatsächlich auf Rache aus?

Es geht hier auf keinen Fall um Rache, sondern ausschließlich um das Recht von hinters Licht geführten Investoren, die einfach nur Ihr Geld zurückfordern. Denn hier wurden nachweislich und auf eine sehr unfeine Art Grenzen überschritten. Es geht um Gerechtigkeit und die Tatsache, dass ein Insolvenzverwalter unter Ausnutzung seiner Rechte als „Amtsperson“ – denn als solche ist er in allen Verhandlungen aufgetreten und von allen Investoren auch so wahrgenommen worden – gegen vertragliche Verpflichtungen verstoßen hat. Leider wurde dieser Person ein viel zu hoher Vertrauensvorschuss entgegengebracht, was sich später bekanntlich rächen sollte.

Warum ist das Investment aus Ihrer Sicht gescheitert?

Reinhardt hat uns Investoren Geschäftsanteile einer von ihm zuvor erworbenen Vorratsgesellschaft versprochen und verkauft. Diese sollte mit der aus dem Verein ausgegliederten 1. Herrenmannschaft und der U19-Mannschaft ausgestattet sein. Vor Vollzug dieser Ausgliederung durfte nach den Verträgen kein einziger Cent der Investoren verwendet werden, worauf alle Investoren vertraut haben und nach Vertragsunterzeichnung sodann sämtliche vertraglich vereinbarte Zahlungen an die neue Spielbetriebs-GmbH leisteten, um den Grundstein für eine erfolgreiche Zukunft des Profifußballs in Erfurt zu legen.

Fühlen Sie sich betrogen?

Natürlich. Und ich spreche auch für die anderen Investoren. Wie wir Ende Januar 2020 erfuhren, hat Reinhardt bereits im Oktober 2019 ei­nen Hinweisbeschluss des Handelsregisters erhalten, der im Kern besagte, dass die Ausgliederung nicht funktioniert, woraufhin er jedoch nichts unternahm, weil er die hierfür benötigten Gelder zuvor rechtswidrig abgezogen hatte.
Als die Ausgliederung durch das Registergericht endgültig zurückgewiesen wurde, ließ er die Rechtsmittelfristen verstreichen. Darüber hat er weder den Geschäftsführer der Vorratsgesellschaft, Michael Krannich, noch die Investoren informiert. Wie man ein solches Vorgehen nennt, weiß wohl jeder.

Herr Reinhardt verweist darauf, die Staatsanwaltschaft und das Insolvenzgericht wären nach einer Prüfung zu dem Ergebnis gekommen, dass er zur Tilgung von Verbindlichkeiten berechtigt gewesen sei.

Weder das Strafverfahren noch das Insolvenzverfahren gegen ihn sind abgeschlossen! Noch mal: Er durfte keinen Cent der Investoren verwenden, bevor nicht die Ausgliederung beim Handelsregister eingetragen ist, was bekanntlich durch sein eigenes Handeln nicht geschah.

Zwischenzeitlich haben sich verschiedene durch Reinhardt in früheren Insolvenzverfahren betrogen gefühlte Geschäftsleute gemeldet – leider für uns zu spät. Denn hätten wir von diesen Vorfällen gewusst, wäre eine Geschäftsbeziehung mit ihm für uns nie infrage gekommen.

Angeblich hätte die Einstellung des Spielbetriebs nur erfolgen müssen, weil Sie Ihren Verpflichtungen mit weiteren Darlehen nicht nachgekommen sind. Was sagen Sie dazu?

Die Investoren hatten 2019 bereits alle Zahlungen vertragsgerecht erbracht. Es waren im ersten Quartal 2020 schlicht keine Zahlungen bzw. die Bereitstellung von weiteren Geldmitteln vereinbart. Wer etwas anderes behauptet, der lügt!

Da die Ausgliederung wegen Reinhardt scheiterte, wussten zudem alle Beteiligten, dass man von diesem Mann nichts Gutes mehr erwarten kann. Denn welcher klardenkende Mensch würde denn noch mehr Geld für etwas bezahlen, was er bis zu diesem Zeitpunkt nicht bekommen hat, und wie sich herausgestellt hat, nie bekommen wird?

Wir können alle Zahlungsflüsse und unsere stets eingehaltenen Verpflichtungen bis zuletzt lückenlos nachweisen. Auch wenn es an der Situation nichts ändert, wir haben als erste der drei Investoren die Gelder angewiesen, danach Herr Gerber und Herr Pfeifer. Der Einzige, der diese Gelder nicht für die Zukunft des FC Rot-Weiß Erfurt verwendet hat, heißt Reinhardt.

Wie groß ist Ihre Hoffnung, noch etwas von dem Geld wiederzusehen?

Fakt ist: Wir wollen unser Geld zurück. In diesem Fall ist Hoffnung aber das falsche Wort. Es geht darum, dass Reinhardt nicht einfach Verträge schließen kann, das Geld der Investoren nimmt und hierfür keine Gegenleistung – nämlich die Verschaffung von Geschäftsanteilen – erbringt. Jedem leuchtet ein: Bevor man einen Apfel essen kann, muss man diesen zuvor entweder selbst kultiviert haben oder kaufen. Man kann sich nicht einfach drei Äpfel nehmen, diese essen, nichts bezahlen bzw. keine Gegenleistung dafür erbringen und sagen: „Ich bin Insolvenzverwalter – ich darf das.“ Aber genau das ist die Arbeitsweise dieses Herrn aus dem Rheinland.

Wir vertrauen jedoch auf die deutsche Justiz und glauben daran, dass die gerichtlichen Instanzen den Durchblick behalten werden und für Recht erkennen, was Recht ist.

Was sagen Sie zu Reinhardts Aussage, Ihnen wäre es nie nur um den Verein gegangen, sondern vor allem um die Realisierung eines Bauvorhabens in Erfurt? Als dies nicht zustande kam, hätten Sie auch das Interesse an Rot-Weiß verloren.

Diese Behauptung ist an den Haaren herbeigezogen und verfolgt nur das Ziel, von seinen zweifelhaften Handlungen abzulenken. Wenn es so wäre, hätten wir ja unsere Investition von einer Baugenehmigung abhängig gemacht. Dies ist jedoch gerade nicht der Fall, denn das Geld wurde nachweislich komplett und vertragsgerecht durch uns an die Spielbetriebs-GmbH bezahlt. Der Einzige, der sich nicht vertragskonform verhalten hat, ist und bleibt der feine Herr Insolvenzverwalter.

Es ist längst überfällig, dass er öffentlich seine Fehler einräumt, zu seiner Verantwortung und zu seinen Zusagen steht und das für vereinnahmte Geld an die Investoren zurückgibt. Nur so könnte er die Versprechen, die er den Investoren und damit dem Thüringer Fußball vor Vertragsabschluss auch per Handschlag gegeben hat, zumindest noch nachträglich einlösen. Die gebrochenen Versprechen haben dem Verein auf Jahre den Boden unter den Füßen weggerissen. Es ist mehr als traurig, wenn für das Ego eines Einzelnen tausende fußballbegeisterte Fans die Zeche zahlen.

Rot-Weiß-Insolvenzverwalter Reinhardt: „Das ist ein Rachefeldzug“

Laut Reinhardt soll Ihr Anwalt mit Drohungen versucht haben, den Eintrag der Spielbetriebs-GmbH ins Vereinsregister rückgängig zu machen. Stimmt das?

Auch das sind erfundene und haltlose Behauptungen, die Reinhardt dazu benutzt, seine fragwürdigen Handlungen zu vertuschen. Das Vereinsregister hat selbst festgestellt und im Nachgang bestätigt, dass es die Spielbetriebs-GmbH ins Vereinsregister nur auf erheblichen Druck von Reinhardt eingetragen hat, ohne zuvor mit dem Handelsregister Rücksprache zu nehmen, was normalerweise üblich ist. Er hat sich nämlich davon versprochen, dass sich das Handelsregister irgendwie auf seine Machenschaften einlässt. Dies ist bekanntlich nicht geschehen, woraufhin das Vereinsregister die falsche Eintragung natürlich rechtlich völlig konform wieder rückgängig gemacht hat.

Können Sie nach all den Erfahrungen Ihren Mit-Investor Franz Gerber verstehen, der später doch noch beim Verein eingestiegen ist?

Ich kann Herrn Gerber sehr gut verstehen und bin mir sicher, dass er genau der Richtige ist, um die junge Mannschaft nach vorne zu bringen. Erste Ergebnisse seiner Arbeit kann man ja bereits erkennen.

Ist eine neuerliche Investition für Sie selbst auch vorstellbar?

Ich kann mir sogar sehr gut vorstellen, dass wir uns – falls unsere Gerichte das investierte Geld wieder zurückbringen – noch einmal neu beim FC Rot-Weiß Erfurt engagieren. Dann aber ganz sicher ausschließlich unter der Mitwirkung von ehrlichen Geschäftsleuten.

Wie würden Sie diese Episode 2019 ein Jahr später bewerten?

Das war auf der ganzen Linie ein kompletter Rein(hardt)fall! Er trat anfangs als seriöser Insolvenzverwalter auf und entpuppte sich später als zweifelhafter Anwalt, der durch die Verbreitung von Falschaussagen gegen die Investoren versucht, die Stimmungslage in der Öffentlichkeit zu beeinflussen, um sein Fehlverhalten auch den Behörden gegenüber zu vertuschen.

Es geht nicht nur um zweckentfremdete Gelder, sondern um tausende Fans, denen durch einen unredlichen Anwalt die Freude am Fußball genommen wurde. Dies ist unverzeihlich; und es ist mehr als überfällig, dass er besser heute als morgen die Konsequenzen aus seinem Handeln zieht oder endlich von höherer Stelle dazu gezwungen wird.

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