Jägerin finden den Lindenschatz von Uhrda

Weimar.  So fand die Jägerin und Naturfreundin Katjana Hesse einen Topf mit mittelalterlichen Münzen.

Präsentation des „Uhrdaer Lindenschatzes“: Im Bild Katjana Hesse,  die den Schatz gefunden hat.

Präsentation des „Uhrdaer Lindenschatzes“: Im Bild Katjana Hesse, die den Schatz gefunden hat.

Foto: Maik Schuck

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Es war am letzten Sonntag im September, als die Jägerin und Naturfreundin Katjana Hesse aus Niedersynderstedt im Weimarer Land am frühen Morgen mit einem Spaten in den nahen Wald ausrückte.

Dort, am Südrand des Vollradisrodaer Forstes, wächst seit gut 250 Jahren eine Lindengruppe. Ein ungewöhnlicher Ort mitten im Wald. Es gibt Menschen in der Gegend, die ihn als magisch empfinden.

Die uralten Bäume sollten nun mit Zäunen gesichert werden, und Katjana Hesse hatte sich bereiterklärt. Wer Jägerin ist, dem ist der Wald wichtig. Sie stemmte den Spaten in die Erde, um ein Loch für den ersten Pfahl zu graben. Und stutzte. Unter der Wurzel kam erst ein Stein, dann kamen winzige Metallscheiben zum Vorschein.

Sie tippte erst auf Kronkorken, die jemand achtlos entsorgt hatte. Dann wurde sie nachdenklich. Suchte im Handy nach Fotos von Münzen. Könnte es sein?

Dann tat sie, wofür ihr der Präsident des Thüringer Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie, Sven Ostritz, bis heute dankbar ist: Sie grub nicht weiter, sondern sicherte die Fundstücke in ihrem Brillenetui und alarmierte Revierförster Falko Resch. Der streift schon seit mehr als 20 Jahren durch dieses Revier. Eigentlich, bemerkt er, hat ein Förster mit dem Borkenkäfer genug Probleme. Aber für den Erhalt des Lindenhains setzt er sich schon seit Langem ein. Dieser Ort, sagt er, ist besonders. Jeder, der ihn betritt, spürt seine Aura. Und dann das!Und weil sich Katjana Hesse irgendwie verantwortlich fühlte für das, was sie da möglicherweise unter dem alten Lindenbaum gefunden hatte, verbrachte sie in den folgenden zwei Tagen die Nachtstunden wachend im Auto vor dem Lindenhain. Sicher ist sicher.

Fragile Zeugnisse längst verwehter Zeiten

Zwei Tage später rückten Archäologen an, und sie durfte dabei sein, als sie den Erdblock mit dem Fund aushoben. Sie spricht noch heute von einem Gänsehaut-Gefühl. Die Fachleute hatten natürlich auf den ersten Blick erkannt, dass es sich um mittelalterliche Münzen handelt. Man findet sie immer wieder. Doch dass ein solcher Schatz unberührt und vollständig an seinem Fundort geborgen werden kann, ist ein nicht alltäglicher Glücksfall. Nicht nur, weil es sich bei den hauchdünnen Silberscheiben um höchst fragile Zeugnisse längst verwehter Zeiten handelt. Auch weil Archäologen und Historiker schon anhand seiner Lage wichtige Botschaften herauslesen können.

Erste Klarheit verschafften Röntgenbilder. Ein kleines Tongefäß, gefüllt mit etwa 200 Münzen. Statt eines Deckels, hatte der unbekannte Besitzer den Topf mit einem Stein geschützt, die Archäologen fanden auch noch Tonabdrücke. Die Wurzeln der Linde hatten ihn verschoben, einzelne Münzen fielen in das Erdreich.18 von ihnen konnten bereits gereinigt und bestimmt werden. Hauchdünne Metallscheiben aus einer Silberlegierung von etwa zwei Zentimeter Durchmesser, die nur auf einer Seite geprägt wurden.Vermutlich um 1430, schätzt Sven Ostritz, wurde das Tongefäß mit dem Geld vergraben. Keine Kostbarkeiten in jener Zeit, Hohlpfennige waren das Alltagsgeld, mit dem die einfachen Leute auf dem Land zahlten: Für etwa vier dieser Münzen konnte man damals ein Huhn erstehen.

Ihre Prägung verrät regionale Herkunft. So sind einige Münzen mit einer Weinrebe geprägt, was auf Jena schließen lässt, klärt Sven Ostritz auf. Jena war die nächste große Handelsstadt, und im Mittelalter wurden an den Hängen Wein angebaut. Andere Stücke stammen aus Münzwerkstätten in Gotha, Schleusingen, Naumburg und Saalfeld.

Es wird Monate brauchen, um die Münzen aus dem Gefäß zu präparieren, und Sven Ostritz hält es für möglich, dass man einige davon im ursprünglichen Zustand belässt.

Warum ein Ungekannter vor fast 600 Jahren die Münzen in einen Tontopf legte, ihn mit einem Tuch umwickelte und ausgerechnet an diesem Ort vergrub, wird womöglich auf immer ein Geheimnis bleiben. Das Areal ist seit dem Mittelalter in Kirchenbesitz, hier entstand einst eine Pfarrei. Das rätselhafte Lindenoval gab es damals noch nicht, die Bäume wurden viel später gepflanzt. Das einstige Dorf Uhrda in unmittelbarer Nähe, das dem Schatz seinen Namen gab, wurde vor langer Zeit aufgegeben. Eine Verbindung halten Fachleute für möglich.

Und auch, dass sich hinter dem rätselhaften Lindenhain einst mehr verbarg, als man heute weiß.

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