Kooperation vereinbart: Antisemitismus wird Thema in Polizeiausbildung

Erfurt.  Juden sollen nicht nur als Opfer gesehen werden - das ist eine der zentralen Thesen. Die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden und das Thüringer Innenministerium haben eine Zusammenarbeit besiegelt.

Angehende Polizisten werden künftig intensiver im Umgang mit Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit geschult.    

Angehende Polizisten werden künftig intensiver im Umgang mit Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit geschult.    

Foto: Kai Mudra

Juden sollen nicht nur als Opfer verstanden werden. Vielmehr müssten ihre Leistungen in den vergangenen 900 Jahren für die Region, die Kultur, die Wissenschaft und die Wirtschaft anerkannt werden, sagte der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde, Reinhard Schramm, am Donnerstag in Erfurt. Dafür sei Bildung eine der wichtigsten Voraussetzungen.

Mit dem Respekt vor dieser Leistung würde auch das Verständnis zunehmen und „Jude“ könne nicht mehr einfach nur als Schimpfwort gebraucht werden. Die Situation für Juden auch in Thüringen sei seit der Anschläge der vergangenen Jahren in Europa und jüngst auch in Deutschland schwieriger geworden.

Doch die Atmosphäre der Zusammenarbeit mit Behörden, Institutionen und der Landesregierung in Thüringen sei „viel besser als manche im Westen glauben“, fügte er hinzu. Die Landesgemeinde versuche seit Jahren, mit ihren bescheidenen personellen Mitteln Wissen zu vermitteln. Am erfolgreichsten gelinge das bei Jugendlichen.

Am Donnerstag unterzeichneten die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland und das Thüringer Innenministerium eine Kooperationsvereinbarung, mit dem Ziel, in der Aus- und Weiterbildung Thüringer Polizisten besser auf Themen wie Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit vorzubereiten.

Es sei nicht selbstverständlich, wie intensiv in der Ausbildung von Thüringer Landespolizisten der Umgang mit Antisemitismus und Rassismus thematisiert werde, sagte die Leiterin des Kompetenzzentrums für Prävention und Empowerment der Zentralwohlfahrtsstelle, Marina Chernivsky.

Es gehe bei der geplanten Aus- und Weiterbildung nicht darum, frontal Vorträge zu halten, fügte die Expertin an. Verstärkt sollen Reflexionen der eigenen Erfahrungen und Einstellungen der Polizisten mit einbezogen werden.

Die Ausbildungsmodule werden in der Thüringer Polizeiausbildung aber auch als Weiterbildung, dann auf freiwilliger Basis, angeboten.

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