An Thüringer Schulen spielt Musik eine größere Rolle als anderswo

Erfurt. In den vergangenen Jahren habe sich im Musikunterricht in Thüringen vieles zum Besseren gewendet, sagen Experten. Aber sie stellen auch Forderungen an die neue Regierung.

Der argentinische Pianist Nelson Goerner war zu Gast an der Internationalen Schule in Weimar. Das Projekt "Rhapsody in School" holt Spitzenmusiker in die Klassen, die Schulen kostet das nichts. Interessierte Lehrer melden sich bitte bei Kerstin Klaholz: kk@rhapsody-in-school. Foto: Sascha Margon

Der argentinische Pianist Nelson Goerner war zu Gast an der Internationalen Schule in Weimar. Das Projekt "Rhapsody in School" holt Spitzenmusiker in die Klassen, die Schulen kostet das nichts. Interessierte Lehrer melden sich bitte bei Kerstin Klaholz: kk@rhapsody-in-school. Foto: Sascha Margon

Foto: zgt

"Guten Morgen, Schüler" - "Guten Morgen, Mister Goerner ", schallt es dem Pianisten von 50 grünen Stühlen aus entgegen. Nelson Goerner ist zu Besuch in der Thüringer Internationalen Schule (ThIS) in Weimar. Am Vorabend hat er mit der Staatskapelle das erste Sinfoniekonzert der Spielzeit gegeben, jetzt hat ihn Kerstin Klaholz von "Rhapsody in School" in die Aula der ThIS beordert.

Das Projekt, das mit dem Klassik-Echo 2014 für Nachwuchsförderung ausgezeichnet wird, bringt seit neun Jahren Spitzenmusiker in Schulen. Der Pianist Lars Vogt habe es initiiert, erzählt Kerstin Klaholz, weil er sich gewundert habe, wie er und seine Kollegen eigentlich Musiker geworden seien, "wo doch der Unterricht so schlecht ist."

Jeder zwölfte Musiklehrer geht bis 2019 in Rente

Der Musikunterricht werde zusehends an den Rand gedrängt, beklagte auch der Vorsitzende des Arbeitskreises für Schulmusik, Michael Pabst-Krueger, anlässlich des Bundeskongresses Musikunterricht in der vergangenen Woche.

Ein Lamento, dem sich in Thüringen kein Experte so recht anschließen mag. Musik wird von der ersten bis zur zehnten Klasse durchgängig unterrichtet, der Ausfall war dem Ministerium zufolge mit 0,5 Prozent in den vergangenen drei Jahren verschwindend gering. Zudem sorgen Projekte wie die "Musikalischen Grundschulen" und "Kulturagenten" dafür, dass Musik auch in anderen Fächern eine Rolle spielt und Kontakte zu Orchestern geknüpft werden.

"An sich ist vieles gut", sagt Gero Schmidt-Oberländer, der als Direktor des Instituts für Schulmusik und Kirchenmusik an der Weimarer Musikhochschule die künftigen Lehrer ausbildet. In den vergangenen zwanzig Jahren sei dies indes vor allem den anderen Bundesländern zugute gekommen, weil in Thüringen so gut wie keine neuen Lehrer eingestellt worden seien. Die Folge: Die Lehrerschaft im Land ist überaltert.

Seit drei Jahren jedoch würden zunehmend junge Lehrer eingestellt. Einer von ist ihnen ist Boris Raderschatt, der an der Internationalen Schule unterrichtet. "Ich halte es für wichtig, dass Musik von Spezialisten gelehrt wird", sagt er, und dass er froh sei, nicht an einer staatlichen Schule zu sein, wo das nicht immer der Fall sei. Aus Grundschulen sind auch Gero Schmidt-Oberländer schon Erzählungen von Lehrern zu Ohren gekommen, die eine CD einlegen und den Kindern sagen "jetzt malt mal was."

Eine pauschale Wertung will Martin Müller Schmied, Vorsitzender des Thüringer Landesverbandes Deutscher Schulmusiker, allerdings nicht vornehmen. Der Musiklehrer räumt aber ein, dass die Versorgung an Regelschulen oft wesentlich schlechter sei als etwa an seinem Gothaer Gymnasium, wo den Schülern Instrumente im Wert von 45"000 Euro aus der Landeskasse zur Verfügung stünden.

Jeder zwölfte der knapp 1400 Musiklehrer in Thüringen wird in den nächsten fünf Jahren in den Ruhestand gehen. Dies werde jedoch durch Neueinstellungen ausgeglichen, betont Ministeriumssprecher Gerd Schwinger. Für 2014 und 2015 stünden 500 Stellen für Lehramtsanwärter bereit. Da seit 2010 jeder neue Lehrer unbefristet eingestellt wird, biete man jungen Pädagogen in Thüringen "langfristig eine sichere Perspektive."

Was sich die Experten von der neuen Regierung versprechen? "Dass die Lehrer-Einstellungen nicht nur versprochen, sondern auch gehalten werden", fordert Martin Müller Schmied. Gero Schmidt-Oberländer wünscht sich, "dass jeder Grundschullehrer eine musikalische Ausbildung erhält, damit er mit den Kindern singen kann. Denn Singen ist ein Menschenrecht."

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