Arnstädter Schmelzzimmer ist in der Welt einmalig

Arnstadt (Ilm-Kreis). Die Komposition und Ausführung der perlenbestickten Wandbespannungen taugt für den World Monuments Fund.

Die herrliche Wandbespannung im Schmelzzimmer im Schlossmuseum Arnstadt zeigt ihre Pracht und Mehrdimensionalität. Foto: Hans-Peter Stadermann

Die herrliche Wandbespannung im Schmelzzimmer im Schlossmuseum Arnstadt zeigt ihre Pracht und Mehrdimensionalität. Foto: Hans-Peter Stadermann

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Es ist eine sehr seltene Chance, das einmalige Schmelzzimmer im Schlossmuseum Arnstadt zu erleben, wenn am Tag des Denkmals dieses Kleinod für drei Stunden zu sehen sein wird.

Das war immerhin über 17 Jahre lang nicht mehr möglich. Die wertvollen Wandbespannungen waren verhangen, denn dieser ganze Schlossflügel muss saniert werden.

„Wir werden es kleinen Gruppen am Sonntag, 13. September, ermöglichen, das Schmelzzimmer im Rahmen von Führungen zu sehen“, sagt Museumschefin Antje Vanhoefen im Nachgang zu dem zweitägigen internationalen Arbeitstreffen zur Wertigkeit dieses Kunstobjekts.

Das Arbeitstreffen mit Experten zu dieser Art von Wandgestaltungen war zugleich der Auftakt, um das Arnstädter Schmelzzimmer aus dem Dornröschenschlaf zu holen. Es war aber auch eine Standortbestimmung.

„Wir sind wie die Katze um die Sahne herumgeschlichen und haben uns dabei dem Objekt, dem Schmelzzimmer, immer weiter angenähert“, beschreibt Antje Vanhoefen die Diskussionen der Experten, darunter aus den USA, der Schweiz und Deutschland.

Was herauskam, ist bemerkenswert. Obwohl es in Oranienbaum in Russland und im baden-württembergischen Rastatt ähnliche Zimmer mit Perlen-Bespannungen gibt, schätzten die Experten das Arnstädter Schmelzzimmer als einmalig ein. Das bezieht sich vor allem auf die Güte und Ausführung der Arbeit der Wandverkleidungen mit Perlenstickereien auf Seide und Taft.

Suche nach Gebern von Fördermitteln

Vanhoefen: „Die Stoffapplikationen mit den Perlen sind grafisch und malerisch ausgeführt, eine Mehrdimensionalität entsteht beim Betrachten.“ In dieser Komposition sei diese Art von Wandschmuck weltweit nicht ein zweites Mal bekannt.

Dies sei auch in der schriftlichen Auswertung so festgehalten, nachdem die Experten die Fragestellung geschärft hatten.

Es habe sogar die Anregung gegeben, das Schmelzzimmer in den World Monuments Fund aufzunehmen. Das ist eine gemeinnützige, internationale Organisation mit Hauptsitz in New York, die sich weltweit für die Erhaltung von Denkmälern und historischen Stätten einsetzt.

Vanhoefen war trotz ihrer zurückhaltenden Art die Freude, oder besser Begeisterung, über diese enorme Wertschätzung anzumerken. Fest steht damit, dass die Bedeutung des Schmelzzimmers im Arnstädter Neuen Palais weit über eine nationale hinaus geht.

Nach der Standortbestimmung soll es nun verstärkt um die Wiederherstellung der Wandbespannungen dieses ehemaligen Audienzzimmers gehen. Der rote Taft mit Seide, Stickereien, Perlen und Flitter (sogenannter Schmelz) soll mit Fördermitteln des Landes, des Bundes und nach Möglichkeit noch darüber hinaus wieder in seinem Glanz wie in der Entstehungszeit im 18. Jahrhundert hergerichtet werden.

Und letztlich hielt selbst Antje Vanhoefens These, dass das Schmelzzimmer vielleicht ursprünglich mal neben dem Festsaal eingebaut war, der Expertendebatte stand. „Nach anfänglicher Verneinung standen die Experten dann im Zimmer, vorm ‚lebenden‘ Objekt, und der Verdacht erhärtete sich“, so die Museumschefin.

Fakten zum Schmelzzimmer

  • Das Schmelzzimmer mit der exklusiven Ausstattung entstand im 18. Jahrhundert

  • Es diente wahrscheinlich als Audienzzimmer

  • Es gibt in dem Zimmer 13 Paneele mit der einmaligen Bespannung aus Taft, Seide, Stickerei, Flitter und Perlen

  • Weltweit sind zwei weitere Wandbespannungen dieser Art bekannt

  • Eine davon befindet sich im Prunkschlafzimmer des Erbprinzen von Baden-Baden in Schloss Favorite in Rastatt

  • Die zweite findet sich im Glasperlenkabinett des Chinesischen Schlosses in Oranienbaum bei Sankt Petersburg

  • Diese seltene Ausstattung war nur wenige Jahrzehnte beim europäischen Hochadel in Mode

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