Baal, die Bestie: Weimarer Thomas Thieme beim Greizer Theaterherbst

Greiz.  Der Weimarer Schauspielstar Thomas Thieme gastiert mit Brechts „Baal“ beim Greizer Theaterherbst.

Thomas und Arthur Thieme (links) beim Greizer Theaterherbst.

Thomas und Arthur Thieme (links) beim Greizer Theaterherbst.

Foto: K.Schaarschmidt

Brechts „Baal“ lässt den Weimarer Schauspieler Thomas Thieme („Babylon Berlin“, „Unterleuten“) nicht los. Er hat ihn an der Wiener Burg gespielt, hat das Drama mit dem Untertitel „Der böse Baal, der asoziale“ in Weimar inszeniert. Und er hat es als konzertante Lesung seit Jahren im Repertoire.

Mit dieser letzten Zwei-Personen-Fassung des Stoffes gastiert er am Dienstagabend beim Greizer Theaterherbst in der Vogtlandhalle. Es ist keineswegs seichte Unterhaltung, was er und sein Sohn, der Gitarrist Arthur Thieme, dem Publikum präsentieren. Bereits in seiner Funktion als „lebender Programmzettel“ kündigt Thieme an, dass er Brechts Stück über den tabulosen Dichter Baal, der alle um sich herum zerstört und letztlich selbst zugrunde geht, als Gedicht auffasse.

Er habe nicht vor, in die 25 Figuren zu schlüpfen, die darin auftreten. Das macht den Zugang zum vielschichtigen Jugendwerk Bertolt Brechts nicht leichter. Denn es gleicht einem akustischen Rätsel, alle Passagen den jeweiligen Figuren zuzuordnen. Zumal der teils laute E-Gitarren-Soundteppich mitunter Thiemes Sätze verschluckt.

Trotz aller Verortungsprobleme erleben die Zuschauer einen Abend großartiger Schauspielkunst. Baal wird im Stück mehrfach als Raubtier und Bestie tituliert. Und genau das ist auch Thieme, wenn er dessen Sätze spricht – ein bedrohliches Tier. Diese emotionale Herangehensweise ist offenbar physisch hochanstrengend: Mehrfach reibt sich der Schauspieler in musikalischen Pausen die Augen und reißt den Mund zur Lockerung auf.

Auch die Lieder, die Vater und Sohn gemeinsam entstehen lassen, entwickeln eine ganz eigene Klangwelt: mal süßlich melodisch, mal monoton rhythmisch, mal ergreifend melancholisch.

Ein sperriger, aber auch nachhallender Abend.

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