Ausstellung

Auf den Spuren von Traugott Golde und Thilo Schoder in Gera

Gera.  Am Dienstag eröffnet die Ausstellung „Die Geraer Firma Traugott Golde AG“ im Ferberschen Haus. Was die Besucher dort erwartet.

Eckhard Müller hat aus seiner  Sammlung eine beeindruckende Auswahl an Firmendokumenten, Briefwechseln und Fotos für die Schau aufbereitet.

Eckhard Müller hat aus seiner Sammlung eine beeindruckende Auswahl an Firmendokumenten, Briefwechseln und Fotos für die Schau aufbereitet.

Foto: Peter Michaelis

„Das waren Zeiten, da muss man sich erstmal reindenken“, sagt Eckhard Müller und meint das erste Drittel des 20. Jahrhunderts. Er hat sich hineingedacht, und zwar tief. Der Vorsitzender des Kulturbundes Gera sammelt seit seinem zwölften Lebensjahr historische Fragmente, seltene Dokumente und Überbleibsel aus der Vergangenheit. Seine neue Ausstellung im Ferberschen Haus gibt nun erstmalig Einblicke in die Ära Thilo Schoder und die Autokarosseriefirma Traugott Golde AG.

Wer Eckhard Müller nach dem historischen Geraer Unternehmen fragt, bekommt eine ausführliche Antwort, die nicht etwa mit der Gründung der Firma beginnt, sondern bei einem anderen wichtigen Vertreter dieser Zeit, bei dem Bauhäusler Henry van de Velde. Der war der Lehrer von Thilo Schoder, der seinen Durchbruch in den 20er-Jahren mit der Umsetzung des Industriebaus der Firma Traugott Golde in der Geraer Wiesenstraße schaffte. Das Gebäude war eines der ersten komplett in Eisenbeton hergestellten Industriebauten in Thüringen. Doch dazu später mehr.

Die Wurzeln des Unternehmens Traugott Golde führen hingegen weiter in die Vergangenheit. Ein Gewerbe-Anmeldeschein vom 5. März 1875 dokumentiert, wie Carl Traugott Golde einst beim Geraer Stadtrat ein Gewerbe als Hufschmied und Wagenbauer anmeldete. Die Urkunde ist in der Ausstellung zu sehen. „Die ist aber eines der wenigen Faksimiles“, gesteht Eckhard Müller.

Die Formel 1 der Jahrhundertwende

Die Firma entwickelte sich zu einem florierenden Unternehmen, das Carls Söhne Alfred und Richard übernahmen. 1905 kam die erste Karosserie aus dem Werk – damals natürlich für Pferdekutschen. Die gefielen dem Universalgelehrten Hubert von Herkomer so gut, dass er sie glatt mit einem Preis auszeichnete. Herkomer gilt gemeinhin als Wegbereiter des Automobilsports, weiß Eckhard Müller. „Das war damals das, was heute die Formel 1 ist“, sagt er.

Als Alfred Golde bemerkte, dass sich die Anzahl der Fahrzeuge auf den deutschen Straßen immens von der auf den amerikanischen unterscheidet – „1912 waren es hier rund 30.000, in den USA 300.000“, sagt Eckhard Müller – wurde expandiert. Mit der Produktion der Zweigniederlassung in New York wurde 1911 begonnen.

Thilo Schoder und die Bauhaus-Autokarossen

Noch vor dem ersten Weltkrieg beschlossen die Firmeninhaber den Bau des neuen Firmengebäudes, eben in der Geraer Wiesenstraße. Fertiggestellt wurde der Industriebau allerdings erst danach. Die Projektierung übernahm Thilo Schoder, der bereits 1915 auf einer Karosserie-Ausstellung auffällig wurde und noch im selben Jahr einen Vertrag als „künstlerischer Beirat“ bei den Industrieunternehmen unterschrieb.

Feuerlöscher, Röntgenapparate und Kriegsgerät

Neben den Autokarossen verließen über die Zeit allerlei andere Produkte die Fertigungshallen der Firma. „Während der Weltkriege wurde auf Kriegswirtschaft umgestellt“, sagt Eckard Müller. Auch dazu gibt es Exponate. Zudem widmete sich die Firma der Herstellung von medizinischen Apparaturen, Feuerlöschern oder Röntgenapparaten. Letzter wurden ab den 30er Jahren fabriziert, weiß Eckhard Müller.

Eröffnung: Dienstag 18 Uhr. Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag, Freitag: 10 bis 12 Uhr; Mittwochs 16 bis 18 Uhr.

Neue Ausstellung über Firma Golde beim Kulturbund Gera

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