Burg Scharfenstein erhält Preis für vorbildliche Sanierung

Fast 500 Meter hoch, auf einem Vorsprung der Dün gelegen, breitet sich vor den Augen der Besucher von Burg Scharfenstein ein unvergleichliches Landschaftspanorama aus. Die offenen Täler markieren derzeit riesige gelbblühende Rapsfelder und sattes Grün von Wiesen und Sträuchern.

Ein Blick auf die Burg Scharfenstein bei Nacht. Foto: Eckhard Jüngel

Ein Blick auf die Burg Scharfenstein bei Nacht. Foto: Eckhard Jüngel

Foto: zgt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Beuren. Richtung Horizont zeigt sich mit der von Wäldern umgebenen Burg Bodenstein ein weiteres Glanzlicht unter den Burgen des Obereichsfeldes. Dahinter erheben sich die Berge des Harzes, allen voran bei guter Fernsicht der Brocken.

Das alles soll aber nicht ablenken von der in ihren Hauptteilen aus dem 16. Jahrhundert stammenden Burg Scharfenstein. Seit 2004 wurde die Burg für rund sieben Millionen Euro saniert und zu einem kulturellen Begegnungszentrum ausgebaut.

Dass das traditionsreiche Ausflugsziel wieder zu einem touristisch attraktiven Anziehungspunkt werden kann, vergleichen manche mit einem Wunder. Unterschiedliche Nutzungen in DDR-Zeiten (unter anderem als Kinderferienlager) und damit verbundene wenig sensible Um- und Anbauten, jahrelanger Leerstand nach der politischen Wende von 1989 sowie ein sehr unglücklich verlaufener zeitweiliger Privatbesitz haben dem aus Vor- und Hauptburg bestehenden Ensemble teils schwer zugesetzt.

Immenser Aufwand zur Sicherung des Bestands

Nachdem immer mehr ins Leere lief und Substanz verfiel, sorgte die Stadt Leinefelde-Worbis für das "Wunder", indem sie die Burg in ihrem Ortsteil erwarb.

"Es ist nicht hoch genug einzuschätzen", sagt Sabine Ortmann vom Landesamt für Denkmalpflege, "dass eine Kommune eine Anlage mit solch immensen Sicherungs- und Sanierungsaufwand erworben und in relativ kurzer Zeit den Baubestand gesichert und die Vorburg einer nachhaltigen, multifunktionalen Nutzung zugeführt hat".

Mit der Sanierung des Torhauses begann es, vorläufiger Schlusspunkt ist der Burghof mit Außenterrasse, die seit gut einem Jahr auch bewirtschaftet wird. Festsäle, Zimmer für Wanderer auf den hier vorbeiführenden Pilgerwegen, ein regelmäßig genutzter Raum für kulturelle Veranstaltungen auf dem ehemaligen Fruchtboden, eine Kapelle und ein kleines Burglädchen sind jedermann zugänglich. Ein Museum, von dem große Buchstaben an der Zugangsfassade schon künden, ist im Entstehen.

Weiteres Geld und Zeit braucht es noch, um die Kernburg fertig zu sanieren. Doch bereits jetzt, da unter anderem alles entfernt wurde, was das Bild der historischen Burganlage erheblich beeinträchtigt hatte und neu Hinzugekommenes wie etwa die schlanken Fenster in der Hoffassade der Vorburg sich "still" einfügt, ist Burg Scharfenstein wieder eine Augenweide.

Dem Erfurter Planungsbüro Löffler/Raecke, Bauherren und Denkmalpflegern ist es gelungen, eine zeitgemäße Nutzung mit all ihren technischen Anforderungen und Parametern in das komplizierte Gefüge einer mittelalterlichen Burg zu integrieren und eine Symbiose zwischen mittelalterlicher Architektur und moderner anspruchsvoller Gestaltung herzustellen, die höchste ästhetische Ansprüche erfüllt, heißt es in der Begründung für die Auszeichnung.

Preisträger des Jahres 2012

In einer Serie stellen wir die Preisträger des Thüringer Denkmalschutzpreises vor. Ausgezeichnet werden:

  • Gruppenpreis: Förderverein Cruciskirche Sondershausen
  • Einzeldenkmal: Beuernhof GbR Mühlhausen, Thomas, Franziska und Christoph Liebau
  • Einzeldenkmal: Haus Schulenburg Gera, Herr u. Frau Dr. Kielstein
  • Einzelpreis: Gut Bendeleben, Gräfin Sabine von Arnim
  • Einzeldenkmal (Industriedenkmal): Stadtmühle Bad Blankenburg, Familie Biehlert
  • Anerkennung: Stadt Leinefelde-Worbis, Ortsteil Beuren für Vor- und Kernburg Burg Scharfenstein
  • Anerkennung: Stadt Arnstadt für das Rathaus der Stadt
Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.