Comic an Stasi-Gedänkstätte in Erfurt erinnert an die Wende

Das Projekt ist absolut einmalig: Mit einem riesigen Comic-Fries, der sich über alle vier Seiten des neuen Kubus in der Andreasstraße erstrecken wird, erinnert die Gedenkstätte an den Wendeherbst von 1989 und die erste Besetzung einer Stasizentrale in der DDR.

In der Gedenkstätte Andreasstraße werden Glasplatten mit einem Wende-Comic montiert. Foto: Alexander Volkmann

In der Gedenkstätte Andreasstraße werden Glasplatten mit einem Wende-Comic montiert. Foto: Alexander Volkmann

Foto: zgt

Erfurt. Entworfen und realisiert wurden die überlebensgroßen Szenen aus den Tagen der friedlichen Revolution vom Potsdamer Grafikbüro Freybeuter und vom 1982 in Erfurt geborenen Comic-Zeichner Simon Schwartz. Derzeit werden in der Andreasstraße die Glasplatten mit den eingebrannten Momenten der Wende an der Fassade des neuen Kubus montiert.

Unterdrückung, Widerstand und die friedliche Revolution von '89 - das seien die Themen der neu entstehenden Gedenkstätte in der Andreasstraße, sagte Thüringens Kultursminister Christoph Matschie (SPD) dazu am Freitag unserer Zeitung.

"Am 4. Dezember 1989 besetzten couragierte Erfurter die Stasi-Bezirksverwaltung in der Andreasstraße. Die Gedenkstätte soll an das Eingesperrtsein in der DDR erinnern. Sie steht aber besonders für den Freiheitswillen der Thüringerinnen und Thüringer, die mutig auf die Straße gegangen sind und der DDR ein Ende gesetzt haben." So Matschie, dessen Ministerium das neue Haft-Museum finanziert.

Beim Gedenkstättenträger, der Stiftung Ettersberg, betonte man gestern, dass man sich bei der Entscheidung für die Fassadengestaltung in Form einer Graphic Novel sowohl mit den Architekten als auch mit den Opfer- und Zeitzeugenverbänden abgestimmt habe. Das Stasi-U-Haft-Gebäude, so die Überlegung, stehe für Unterdrückung und Leid Tausender Häftlinge. Der moderne Anbau hingegen soll einen anderen, positiven Aspekt des Hauses vermitteln - den der Befreiung.

Dabei setzt man nun auf das moderne Mittel des Comic und hofft so nicht zuletzt, junge Leute anzusprechen. Die lange Geheimhaltung begründet man bei der Gedenkstätte unter anderem mit der Kürze der Zeit für Idee und Realisierung.

Der Fries basiert auf realen Wendeereignissen. Mitarbeiter der Stiftung Ettersberg durchforsteten dafür die Archive des Freistaats nach Fotos vom Herbst 1989 aus allen Teilen Thüringens. Hauptquellen waren die Archive der Thüringer Allgemeine und der Grenzmuseen, das Thüringer Archiv für Zeitgeschichte (ThürAz) und das Bistumsarchiv Erfurt sowie die Stadtarchive Suhl, Jena, Weimar und Gera. Aus mehreren Hundert Fotos wurden schließlich 42 ausgewählt und von der Agentur Freybeuter zu einer Collage zusammengesetzt. So entstand eine Art Panoramabild der friedlichen Revolution in Thüringen.

Für die künstlerische Verfremdung und zeichnerische Umsetzung der Vorlage sorgte dann der Comic-Künstler Simon Schwartz. Zeichnerische Erfahrung mit dem Thema DDR sammelte der in Hamburg lebende Cartoonist mit seinem Comic "Drüben", in dem er die Ausreise seiner Eltern in den Westen thematisiert.

Schwartz’ unpathetischer Tusche-Stil habe sich für den Wendefries als ideal erwiesen. Bekannte Wendemotive sollen so wiedererkennbar und allgemeingültig bleiben, ohne konkrete Personen herauszustellen.

Die Fertigung der Glasplatten lag in den Händen der Firma Lithodecor aus Netzschkau im Vogtland. Mittels riesiger Digitaldrucker wurde schwarze Emaille-Farbe auf die Scheiben aufgetragen und anschließend eingebrannt und verspiegelt.

Komplett zu sehen sein soll der Fries zur Eröffnung der Gedenkstätte am 3. Dezember.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.