Das Tempelherrenhaus in Weimar soll wieder aufgebaut werden

Lavinia Meier-Ewert
| Lesedauer: 3 Minuten
Das Tempelherrenhaus im Weimarer Ilmpark ist eine Ruine. Nach Plänen der Klassik-Stiftung könnte sich das jedoch schon bald ändern. Foto: Hannsjörg Schumann

Das Tempelherrenhaus im Weimarer Ilmpark ist eine Ruine. Nach Plänen der Klassik-Stiftung könnte sich das jedoch schon bald ändern. Foto: Hannsjörg Schumann

Foto: zgt

Franz Liszt gab hier nächtelang Konzerte, Bauhäusler Johannes Itten rauschende Feste. Eine Bombe im 2. Weltkrieg zerstörte den Bau im Ilmpark. Jetzt soll er wieder aufgebaut werden.

Weimar. Der Weg steigt leicht an, die regennasse Wiese dampft. Es ist nicht viel los im Ilmpark am Freitagnachmittag. Zwei Studenten sitzen auf einer Bank und lesen, auf dem Weg oberhalb des Shakespeare-Denkmals fährt eine Radfahrerin - mitten durch die Ruinen.

Durch zwei Ruinen, die einander direkt gegenüberstehen. Die eine ist schon immer eine gewesen, schon als man sie gegen Ende des 18. Jahrhunderts dort errichtet hatte, aus der Schießmauer eines Schützenvereins und aus den Überresten des 1774 abgebrannten Schlosses.

Die andere Ruine ist erst in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs eine geworden. Eine Bombe traf das Tempelherrenhaus und hinterließ von dem neugotischen Tempel, der 1787 aus einem umgebauten Gewächshaus hervorgegangen war, lediglich einen Torso.

Früher traf sich der Weimarer Hof hier zum "Salon im Park", zu Ausstellungen und Konzerten. Franz Liszt spielte nächtelange Konzerte - sein heute noch zu besichtigendes Haus liegt nur wenige Schritte vom Tempelherrenhaus entfernt. Paul Klee lief hier jeden Tag vorbei, wenn er zur Arbeit ging, und der Bauhaus-Künstler Johannes Itten richtete sich im Tempelherrenhaus ein Atelier ein und gab rauschende Feste.

"Warum nicht modern mit Glas und Stahl?"

Heute ist die Musik feiernder Studenten hier an Sommerabenden manchmal bis zum Haus der Frau von Stein zu hören, wo der Park in die Stadt übergeht.

Etwas Verwunschenes geht von dem efeubewachsenen Gemäuer aus. Das Eingangsportal erinnert an eine Kathedrale - und wenn man hindurchgeht, an eine Theaterkulisse. Denn dahinter ist nichts, nur Brennnesseln und Sauerampfer, die in den früheren Umrissen des Tempelherrenhauses wachsen.

Von Johann Peter Kaufmanns vier steinernen Tempelherren, die dem Gebäude seinen Namen gaben, steht heute nur noch einer hier, und der hat nicht mal mehr einen Kopf. Dafür schlängelt sich Efeu an der Figur hoch. Durch das schmale Fenster wirkt der Parkausschnitt dahinter wie gerahmt.

Von der Aura dieses Ortes war der amerikanische Musiker Moby so fasziniert, dass er ein Foto der wolkenverhangenen Ruine zum Cover einer Single machte.

Die welterbe-geschützte Parklandschaft bewahren

Mobys Fotografie könnte in ihrem Erinnerungswert bald steigen, denn die Weimarer Klassik-Stiftung plant, den Torso des Tempelherrenhauses wiederaufzubauen. Heute stellt sie Meinungsträgern Details zum Projekt vor, in einer Überraschungsveranstaltung.

Manches ist dennoch schon durchgesickert in der Stadt, auch wenn außerhalb der Klassik-Stiftung noch niemand offiziell etwas zu wissen vorgeben möchte. Erste Bedenkenträger fragen bereits nach der Notwendigkeit und führen die Schutzwürdigkeit der zum Unesco-Welterbe gehörenden Parklandschaft ins Feld. Befürworter gibt es aber auch.

"Ich hielte es schon für möglich, dass auf dem historischen Grundriss etwas entsteht", sagt zum Beispiel Bernd Mende. Der Weimarer Denkmalpfleger hat Ende der Neunziger die Restaurierung des Turms begleitet und dokumentiert. Er könnte sich sogar eine moderne Ergänzung zum Gebäude vorstellen: "Warum nicht etwas aus Glas und Stahl?" Unter Bewahrung des historischen Teils, versteht sich.

Innen könnte man ein Lapidarium schaffen, eine Sammlung von Steinen, die die Geschichte des Ortes erzählt. Bedenken, dass man mit einem Neubau den authentischen Eindruck des Originals schmälern könnte, teilt Mende nicht: "Warum soll der Krieg das letzte Wort haben?" Er hält es für nötig, Besuchern die Geschichte zu vermitteln. "So denkt man, hier stünden zwei romantische Ruinen."